Phoenix Contact: Industrial Communication Congress

Meinrad Happacher,

Herausforderungen energieeffizienter Fertigungssysteme

Mehr als 500 Teilnehmer besuchten Ende September den 13. Industrial Communication Congress bei Phoenix Contact. Volker Bibelhausen, Leiter des Geschäftsbereiches Automation, rückte das Thema „energieeffiziente Fertigungssysteme“ stark in den Mittelpunkt der Veranstaltung. Welche Herausforderungen er diesbezüglich für Anbieter wie Anwender sieht, erläutert er im Interview mit Computer&AUTOMATION.

Herr Bibelhausen, Sie widmeten die Keynote des 13. ICC dem Thema Energieeffizienz. Es klang durch, dass Sie hier ein großes Innovations- und Umsatzpotenzial für die Automatisierer sehen. Wie können die Anbieter dieses Potenzial in die Realität umsetzen?

Bibelhausen: Wir müssen zunächst einmal die technologischen Voraussetzungen für ein umfassendes Energiemanagement schaffen und dann dem Kunden vermitteln, wie er mittels eines quasi energiefunktionalen Engineering Kosten sparen kann.

Volker Bibelhausen: „Wir müssen den Verbrauch zukünftig durchgängig anzeigen und managen können.“

Welche konkreten technologischen Herausforderungen stehen damit an?

Bibelhausen: An uns als Anbieter liegt es zunächst einmal, ein durchgängiges Energiemanagement anzubieten. Sprich: Informationen über Verbrauch und Produktionsprozesse in Zusammenhang zu bringen. Wir sehen deshalb die Notwendigkeit einer IT-Plattform, über die wir die notwendigen Prozessdaten erfassen können sowie Informationen über die einzelnen Verbraucher erlangen, also ihre Verbräuche im Betrieb, im Standby sowie über Ein- und Ausschaltzeiten.

Wie geht Phoenix Contact das Thema an?

Bibelhausen: Wir fassen die Aktivitäten in Anlehnung an andere Beschreibungssprachen unter dem Begriff EnergyML zusammen. Jedes Gerät kann über seine Möglichkeiten im Sinne der Energie-Effizienz Auskunft geben. Für uns bedeutet dies, dass wir unsere Steuerungstechnik in Richtung Energiedatenerfassung sowie -management erweitern. Die Steuerung wird damit zur Integrationsplattform mit funktionaler Erweiterung für Energiedatenerfassung und Energiemanagement. Schön ist, dass wir keine neue Infrastruktur aufbauen müssen - wir werden hierzu das Steuerungsnetzwerk auf Basis des Ethernet lediglich um ein Energieprofil erweitern.

Wie sieht der nächste Schritt aus?

Bibelhausen: Nach dieser Pflicht kommt die Kür! Denn dann gilt es, dem Kunden zu helfen, das Ganze im Sinne eines übergreifenden Engineering mit der Planungs- und Steuerungsstrategie zu kombinieren. Sprich, der Kunde sollte bei der Anlagenplanung oder Maschinenentwicklung von Anfang an eine Strategie für die Einspeisung und Versorgung festlegen. Am besten lässt sich dies vielleicht mit „Funktionsorientiertes Ein- und Abschalten" beschreiben.

Was muss bei den Kunden passieren, damit diese Vision auch umsetzbar ist? Bis dato ist es ja so, dass sich die Anbieter schon schwer tun, die Anwender davon zu überzeugen, energiesparende Antriebstechnik einzusetzen, obwohl der finanzielle Sparaspekt klar auf der Hand liegt. Wie sollen sich da komplexere und teurere Ansätze verkaufen lassen?

Bibelhausen: Ob es komplexer und teurer wird, bleibt noch abzuwarten - jedenfalls ist das nicht das Ziel. Das Management muss allerdings im Sinne eines Wertewandels erkennen, dass Energie- Effizienz wie seinerzeit die Qualität ein kritischer Erfolgsfaktor ist, auf den es in Zukunft noch stärker ankommen wird. Stichwort CO2-Abgaben. Mitte der 90er Jahre sind die ISO-9000- Standards entwickelt worden, die heute in allen Unternehmen zu finden sind und im Wesentlichen ja eine Philosophie sowie grundlegende Unternehmenshaltung repräsentieren, und zwar Qualität nachvollziehbar sicherzustellen. Mit ISO 14000 ist der Schritt in Richtung Umwelt weitergegangen worden. Warum also nicht eine ähnliche Entwicklung im Bereich Energieeffizienz? Hier kann mit hochwertigen Antriebslösungen wie auch einfachem Abschalten die Sensibilisierung in den Unternehmen dahingehend entwickelt werden, den Verbrauch von Energie genauso sorgsam zu planen und zu überwachen wie es hinsichtlich der Produktqualität heute Usus ist.

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