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Artikel und Hintergründe zum Thema

Forschungsbeirat Industrie 4.0

Inka Krischke,

Gap zwischen Forschung und Praxis

Der Forschungsbeirat Industrie 4.0 hat Ende 2024 Martin Ruskowski als neues Mitglied begrüßt. Welches Spannungsfeld und welche Herausforderungen zwischen Forschung und Industrie bestehen, erläutert der Vorstandsvorsitzender der SmartFactory Kaiserslautern (SFKL) im Interview.

Prof. Martin Ruskowski ist Vorstandsvorsitzender der SmartFactory Kaiserslautern (SFKL) und Mitglied des Forschungsbeirats Industrie 4.0. © SmartFactory Kaiserslautern (SFKL).

Her Ruskowski, Sie sind Vorstandsvorsitzender der SmartFactory und am DFKI aktiv, sind also sowohl an der theoretischen Ausarbeitung als auch an der Umsetzung von Projekten beteiligt. Gab es Momente, in denen Forschung und Praxis auseinandergehen?

Eigentlich ist das ja leider im Forschungsbetrieb eher die Regel als die Ausnahme. Genau deshalb sind wir innerhalb der SFKL als Verein organisiert, um sicherzustellen, dass wir Dinge entwickeln und erarbeiten, die wirklich Nutzen für die Unternehmen haben. Bei uns arbeiten unsere Forscherinnen und Forscher in gemeinsamen Arbeitsgruppen mit Kollegen und Kolleginnen aus der Industrie zusammen, damit Fragen aus der Praxis gemeinsam formuliert und beantwortet werden können. Das ist ja genau unsere DNA, Dinge zu entwickeln, die einen realen Nutzwert auf dem Shopfloor haben.

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Wir beobachten bei reinen Forschungsprojekten aber ein Gap zwischen Forschungsergebnissen und der Umsetzung in den Unternehmen. Hier gilt es eine Lücke zu füllen, denn oft sind Unternehmen nicht bereit, die Ergebnisse auch direkt anzuwenden. Gerade der deutsche Maschinenbau hat ein nicht zu unterschätzendes Beharrungsvermögen, das ich aus meiner Industrievergangenheit nur zu gut kenne. Von daher ist das größte Problem, dass die Forschung manchmal zu schnell ist und die Industrie nicht hinterherkommt.

Wie begegnen Sie Vorbehalten gegenüber automatisierten Produktionsprozessen, vor allem von Seiten kleiner bis mittlerer Unternehmen?

Wir erleben keine Vorbehalte gegen die Automatisierung von Prozessen durch KMU, eher das Gegenteil ist der Fall. Wir beobachten aber Zurückhaltung bei den Investitionen. Viele Prozessverbesserungen sind nicht sofort mit KPI zu versehen, insofern ist der ROI ein Versprechen für morgen, das heißt dass die Unternehmen jetzt Kosten haben, die sich aber erst in fünf bis zehn Jahren amortisieren. Inhabergeführte Familienunternehmen planen durchaus in diesen Zeiträumen, denn sie wollen langfristig bestehen. Bei Konzernen erleben wir hingegen, dass die Planungen nur auf kurzfristige Ausschüttungen ausgerichtet sind. Das liegt auch daran, dass das Topmanagement dort kurzlaufende und erfolgsabhängige Verträge hat und somit gezwungen ist, kurzfristig zu denken. Hier erleben wir deshalb häufig eine Investitionsverweigerung, die letztlich aber als Zukunftsverweigerung endet. Kleine Unternehmen wiederum sehen meist die Notwendigkeit von Investitionen ein, sind aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation mitunter gar nicht in der Lage, diese umzusetzen, weil sie schauen müssen, dass sie das aktuelle Jahr überstehen.

Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte sind Industrieroboter als Werkzeugmaschinen – welche Rolle spielt künftig der Mensch in Produktionsprozessen?

Ohne den Menschen gibt es keine Weiterentwicklung. Das ist eine jahrzehntealte Erkenntnis, die schon Toyota vor langer Zeit postuliert hat. Unser Ziel ist die Zusammenarbeit von Automatisierung – insbesondere in Form von Industrierobotern – und Menschen auf Augenhöhe. Ich spreche gern vom Kollegen Roboter. Wir wissen, dass KI-Methoden oder Automatisierungsprozesse sinnvollerweise permanent von Menschen verbessert werden können und müssen, denn eine Fabrik ohne Menschen bliebe für immer auf der Stelle stehen und würde schnell veralten. Aber es gibt zahlreiche Prozesse, insbesondere in der Planung und Steuerung der Produktion, die heute noch mit viel manueller Arbeit verbunden sind und wo automatisierte Prozesse und der Einsatz von KI-Methoden den Menschen entlasten können. Insbesondere auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung wird dies immer wichtiger. Bei automatisierten Entscheidungsprozessen treten wir dabei für eine Transparenz der Entscheidungsgrundlagen ein, damit der Mensch immer die letzte Entscheidungsinstanz sein kann. Wir dürfen uns den Systemen nicht schutzlos ausliefern.

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