Anwendungsbeispiel Kongress-Zentrum
Die Vorteile einer gewerkeübergreifenden Automatisierung
Energie sparen und dabei den „Wohlfühlfaktor“ nicht vernachlässigen – was auf den ersten Blick schwer vereinbar scheint, ist durchaus machbar: Voraussetzung hierfür ist eine Gebäudesteuerung auf Basis einer durchgängigen, gewerkeübergreifenden Automatisierungstechnik.
Das Ferry Porsche Congress Center (FPCC) befindet sich in Zell am See inmitten der malerischen Bergwelt Österreichs. Auf mehr als 2100 Quadratmetern bietet das multifunktionale Gebäude Raum für Konzerte, Tagungen oder private Feierlichkeiten – und das für bis zu tausend Besucher! Mittels verschiebbarer Wände sind bis zu 32 verschiedene Raumkonfigurationen möglich – von 33 m² als kleinster Einheit bis 1200 m² als größter. Jeder Raum ist einzeln bedienbar, von der Beleuchtung, über die Lüftung, bis zur Beschattung. „Das ist ein Traum, um den mich viele Kollegen in der Branche beneiden“, so Alexander Höller, Geschäftsführer des FPCC.
Dass dieser Traum in Zell am See Realität wurde, ist maßgeblich dem „intelligenten“ Einsatz von Gebäude-Automatisierungstechnik zuzuschreiben. Was darunter zu verstehen ist, umreißt Claus Salzmann, Inhaber des Planungsbüro ETS Claus Salzmann und verantwortlich für die Planung des FPCC: „Mir ging es nicht darum, so viel Technik wie möglich, sondern so viel Technik wie nötig zu haben. In vielen Gebäuden sind unterschiedlichste HLK- und Elektrosysteme parallel im Einsatz, wodurch Mehrkosten im Energie- und Verwaltungsaufwand entstehen. Unser Ziel war es – angefangen von der Beleuchtung, über die Lüftung und die Zutrittskontrolle, bis hin zur Bühnentechnik – ganzheitlich zu automatisieren, zu überwachen und dadurch zu optimieren.“
Möglich wurde dies durch ein perfektes Zusammenspiel aller Akteure: der Investoren, Betreiber und Architekten, dem Planer Claus Salzmann, der für die Ausführung zuständigen Firma Schubert Elektroanlagen, der Firma ABM Systems, welche die Programmierung und Visualisierung übernahm, und schließlich Beckhoff als Lieferant der Automatisierungslösung. Um ein Gefühl für den Planungs- und Verkabelungsaufwand zu vermitteln, liefert Johann Buresch, von Schubert Elektroanlagen, ein paar Zahlen: Insgesamt wurden etwa 72 000 Meter Kabel verlegt, hinzu kommen noch rund 10 000 Meter Datenleitungen, 15 000 Meter Kabel für die Bühnentechnik, 214 automatische Brandmelder und 24 Druckknopfmelder sowie 2600 laufende Meter Heizungs- und Sanitär-Rohrleitungen.

Umsatz-Verdoppelung in zwei Jahren
Der Automatisierungstechnik-Hersteller Beckhoff Automation hat seinen weltweiten Umsatz im Geschäftsjahr 2011 um 34 Prozent erhöht, und zwar von 346 Mio. Euro im Vorjahr auf 465 Mio. Euro. Im Vergleich zum Krisenjahr 2009 hat sich Beckhoffs Umsatz somit innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verdoppelt.
Betreiber und Haustechniker haben jederzeit die Möglichkeit, über die HMI-Schnittstelle auf einfache Weise Szenarien zu verändern oder Sonderszenarien zu aktivieren.
„Für uns stand von Anfang an die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität des Systems im Vordergrund. Wir müssen nicht wissen, was im Hintergrund an Prozessen und Rechenarbeit läuft. Für uns ist entscheidend, dass das System funktioniert, einfach zu bedienen und auch für die Zukunft gerüstet, sprich erweiterbar ist“, so Alexander Höller vom FPCC. Um dies zu gewährleisten, bedarf es einer intelligenten Gebäudeleittechnik. Als Steuerungsplattform sind fünf Embedded-PCs vom Typ CX1000 im Einsatz, an welche die Busklemmen direkt angereiht sind. Insgesamt werden 5800 Software-Datenpunkte erfasst. Die Vernetzung des Gebäudes erfolgt durchgängig über Ethernet. Zahlreiche Schnittstellen im verwendeten Busklemmensystem ermöglichen die Anbindung nahezu aller Gebäudebussysteme, wie KNX, MP-Bus, Dali oder RS 485.
Die Überwachung und Bedienung erfolgt über insgesamt zehn Touchpanels des Typs CP6700. Die Funktionen, die in das System der Gebäudeleittechnik integriert wurden, reichen von der HKL-Regelung, über die komplexe Lichtsteuerung, bis hin zur Anbindung der Multimedia- und der Bühnentechnik. Auf Steuerungsebene wurde die komplette Steuer- und Regeltechnik mit den in der Twincat-Softwarebibliothek enthaltenen Funktionsbausteinen realisiert.
Die automationstechnische Herausforderung bei diesem Projekt bestand darin, dass es die Planer aufgrund des modularen Trennwandsystems mit insgesamt 18 verschiedenen Raumkonstellationen zu tun hatten. Das heißt: Die Raumautomation muss – ohne Eingriff des Haustechnikers! – automatisch auf die jeweils veränderte Raumgröße und Nutzung reagieren können.
Was im ersten Moment einfach klingt, setzt eine komplexe Softwareplanung voraus. Die Steuerungssoftware erkennt anhand der in die Decke eingelassenen Kontakte die aktuelle Konstellation der Trennwände und übergibt diese Information an einen intelligenten Szenerie-Softwarefunktionsbaustein. Dieser wertet die aktuellen Positionssensoren aus und ermittelt, auf Basis einer grafischen Bedienoberfläche, die Sollwerte für die neu entstandenen Raumzonen. Darüber hinaus managt ein intelligenter Funktionsbaustein die Zugehörigkeit der einzelnen Taster, Temperaturfühler und Volumenstromregler. So gibt die Steuerung zum Beispiel den Tastendruck – je nach Raumkonstellation – nur an die Leuchten weiter, die sich in dem aktuellen Raum befinden, ohne dass eine Konfigurationsänderung vorgenommen werden muss.Weiterhin ermöglichen die Funktionsbausteine der Automations- und Visua-lisierungssoftware ACTS von ABM Systems dem HLK-Programm – entsprechend der Rückmeldung der Trennwandkontakte und der Präsenzmelder bedarfsgerecht nur die Bereiche zu lüften, zu heizen beziehungsweise zu kühlen, die wirklich genutzt werden.
Kurzum: Die Programmierer der Anwendungssoftware haben den komplexen Zusammenhang zwischen Architektur, Nutzeranforderungen und physikalischen Bedingungen im Gebäude perfekt in Software-Algorithmen umgesetzt. Die von ABM Systems auf der Basis von Beckhoff-Standard-Softwarebibliotheken programmierten Anwenderbibliotheken sorgen im FPCC seither für optimale Raumbedingungen bei größtmöglicher Energie- und Kosteneffizienz.











