Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik
Die Expansion geht weiter
Insgesamt 250 Neukunden konnte B&R im 1. Halbjahr 2012 gewinnen – und wird somit in diesem Jahr trotz etwas rückläufigem Geschäft den letztjährigen Umsatzrekord von 410 Mio. Euro um 5 % überbieten. Geschäftsführer Hans Wimmer reflektierte im Vorfeld der SPS IPC Drives das laufende Geschäftsjahr und erläuterte die weitere Marschroute.
Messestand von B&R auf der SPS IPC Drives im vergangenen Jahr.
© B&RHans Wimmer, B&R-Geschäftsführer: "In den MA-Systemen vereinen wir jetzt die Entwicklungskompetenz von B&R und Mondial Electronic."
© B&RNein, das jährliche Durchschnittswachstum von 15 % sieht Hans Wimmer nicht gefährdet, auch wenn "2012 ein Jahr mit geringerem Wachstum sein wird als üblich." Schließlich habe B&R in den vergangenen beiden Jahren mit 47 % und 15 % Umsatzplus enorm zugelegt, begründet der Geschäftsführer und ergänzt: "Die Zielmarke von 600 Mio. Euro bis 2015 bleibt auf jeden Fall bestehen!" Insgesamt wird B&R im Jahr 2012 164.000 Steuerungssysteme, 143.000 Industrie-PCs und Panels sowie 167.000 Antriebssysteme verkaufen. In Umsatzanteilen ausgedrückt bedeutet dies: Die Steuerungen tragen zu 30 %, die IPCs und Panels zu 28 %, die Servos zu 37 % und die Leittechnik zu 5 % zum Gesamtumsatz von 430 Mio. Euro bei.
Der Expansionsdrang des Unternehmens drückt sich insbesondere in der Anzahl der Niederlassungen aus. So kamen im letzten Jahr zu den 169 Büros weltweit sechs neue hinzu. Zudem wurde eine neue Tochtergesellschaft in der Türkei eingeweiht. Insgesamt beschäftigt B&R inzwischen 2400 Mitarbeiter, davon 1670 im Heimatland Österreich und 730 in internationalen Niederlassungen. Die hohe Ingenieursquote mit über 1000 beschäftigten Ingenieuren spricht für sich.
Den Erfolg im Neukunden-Geschäft begründet Wimmer mit den Innovationen der vergangenen Jahre: Die Steuerungen mit integrierten CNC- und Robotik-Features sowie die Entwicklungen im Bereich der Sicherheitstechnik würden die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer auf B&R lenken. "Auch den bislang schwach besetzten Werkzeugmaschinenbau können wir zusehends für unsere Lösungen gewinnen", sagt Wimmer und schränkt im gleichen Atemzug ein: "wenngleich dies nicht die klassischen Bearbeitungszentren betrifft, bei denen die CNC-Funktionalität klar im Vordergrund steht. Wir sehen die integrierte CNC- und Roboter-Funktionalität vielmehr bei Laser-, Wasserstrahl- und Plasmaschneide- und Biegemaschinen. Also überall dort, wo eine deutlich umfangreichere Funktionalität gefragt ist."
X20 in der mobilen Automation
Den Großteil des knapp 130 Mio. Euro umfassenden Umsatzes der Steuerungstechnik generiert B&R mit der X20-Produktlinie. Insgesamt 1,35 Mio. X20-Scheiben wird B&R 2012 verkaufen. Um den Erfolg dieser Gerätelinie auszudehnen wurden mehrere Aktivitäten angestoßen: So investierte das Unternehmen jetzt im Stammhaus Eggelsberg in eine Fertigungslinie, mit der sich eine individuelle Assemblierung der Geräte in Losgröße 1 durchführen lässt.
Weiter strebte B&R bei den X20-Geräten neben den Spezifikationen für den erweiterten Temperaturbereich und die Ex-Zonen (ATEX: Ex-Zone 2 und HazLoc: Class 1, Div2) die German-Lloyd-Prüfung nach den Kategorien D und EMC-1 an, um die Geräte auch im Offshore-Bereich und den Maritimen Anwendungen anbieten zu können. Diese Zertifikation ist mittlerweile abgeschlossen.
Das modulare Steuerungs- und I/O-Konzept MA170: Industrie-Know-how fließt jetzt direkt in Produkte für die Hersteller von Arbeitsmaschinen ein.
© B&RUnter dem Slogan 'X20 goes Mobile' hat B&R zusammen mit dem 2010 erworbenen Unternehmen Mondial das Steuerungs- und I/O-System jetzt in eine robuste Gehäusetechnik gepackt. Es soll nun in der mobilen Automation Einzug halten. Wimmer: "Wir machen die Erfahrung, dass sich die Hersteller dieser Branche nach standardisierten Industrielösungen sehnen." Aufgrund der bisher fehlenden Standard-Technologien seien die Hersteller gezwungen, viel Eigenentwicklung zu betreiben. "Bei den oft geringen Stückzahlen der Branche ein teures Unterfangen", so Wimmer. Mit den neuen modularen Steuerungs- und I/O-Systemen MA120 und MA170 halten nun laut Wimmer "zum ersten Mal Errungenschaften aus der industriellen Automatisierung Einzug in die Welt der Arbeitsmaschinen." Der modulare Ansatz des X20-Konzeptes erlaubt es zum Beispiel Herstellern von Baggern oder Löschfahrzeugen, Steuerung und I/Os individuell an ihre Bedürfnisse anzupassen. Die beiden Systeme sind in die B&R-Welt integriert und erlauben so zum Beispiel auch die Umsetzung integrierter Sicherheitslösungen. Die MA-Systeme wurden insbesondere für den Einsatz in unwirtlichen Umgebungen konzipiert. Durch das IP65-dichte Gehäuse und die beschichteten Leiterplatten halten die Module Temperatur-Unterschieden von –40 °C bis +85 °C stand.
Module flexibel kombinierbar
Die Geräte verfügen über eine Dichtheit bis IP67 beziehungsweise IP69k, wodurch Kurzschlüsse bei Betauung ausgeschlossen sind. Darüber hinaus sind die neuen B&R-Module schock- und vibrationsbeständig. Pro MA170 können 44 I/Os frei belegt werden – sind mehr I/Os erforderlich, werden mehrere Module miteinander kombiniert. Das MA120 ist ein reiner I/O-Knoten in IP20-Ausführung, bei dem sich 16 I/Os als dezentraler I/O-Knoten realisieren lassen. Interfacemodule – zum Beispiel für die Fernwartung – ermöglichen eine flexible Adaptierung der Geräte, die sich auch rückwirkend nachbestücken lassen. Kunden können die Module flexibel zusammenstellen. Über die Anzahl der benötigten I/Os kann ebenso bestimmt werden, wie über die Integration der CPU. Zudem kann als Kommunikationsprotokoll zwischen CAN-Bus und Ethernet Powerlink gewählt werden. Programmiert wird mit der Software Automation Studio, wodurch Schnittstellenprobleme zwischen Hardware- und Software-Komponenten ausgeschlossen sind.
Was B&R momentan nicht weiterverfolgt, sind die Aktivitäten bezüglich der Smart-Wire-Darwin-Lösung von Eaton. B&R hatte diese Lösung seit 2006 mitpropagiert und wollte sie in den X20-Systemen implementieren. "Wir haben das Ganze auf Eis gelegt, weil wir abwarten wollen, wie sich diese Technologie weiterentwickelt", sagt Wimmer und ergänzt: "Was wir auf keinen Fall wollen ist, dass sich eventuell ein Wettbewerb zu I/O-Link ergibt und eine Durchmischung in diesem Bereich stattfindet – das wäre überhaupt nicht im Sinne unserer Kunden." B&R ist im I/O-Link Konsortium engagiert und realisiert diese Schnittstelle bereits.













