Prozessindustrie
Apparate- und Anlagenbauer trotzen der Krise
Während die allgemeine konjunkturelle Lage unübersehbare Anzeichen von Schwäche zeigt, können sich die Maschinen- und Anlagenbauer in der Prozessindustrie dem Abwärtstrend widersetzen.
„Die Auslastung der Unternehmen ist in vielen Fällen noch bis Mitte des Jahres oder sogar darüber hinaus gesichert,“ betonte Rüdiger Vieten, Vorsitzender der Fachabteilung Verfahrenstechnik im VDMA-Fachverband Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, auf dem VDMA-Forum Prozesstechnik Mitte Februar in Frankfurt. Die Auftragseingänge sind zwar im letzten Quartal zurückgegangen, aber nicht eingebrochen. Der VDMA-Fachverband rechnet damit, dass sich der Umsatz Ende 2009 immer noch auf einem höheren Niveau als im Jahr 2007 bewegen wird.
Die Umsatzzahlen für das Jahr 2008 waren analog zu den meisten Branchen gut: In den ersten drei Quartalen produzierte die deutsche Prozesstechnik zusammen Maschinen und Apparate im Wert von mehr als 16 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 12 % bei einem Exportanteil von 77 %. Der europäische Markt ist dabei der wichtigste Exportmarkt, in dem allein 46 % umgesetzt werden, gefolgt von Asien mit 17%.
Gegen den Trend werden sich nach Einschätzung Vietens auch die Mitarbeiterzahlen der 700 Mitgliedsfirmen des VDMA-Fachverbands entwickeln: Fachpersonal ist nach wie vor gefragt. Im Jahr 2007 waren bei den überwiegend mittelständisch geprägten Herstellern von Prozesstechnik etwa 107.000 Personen beschäftigt.
Chemieanlagenbau: Auslastung bis September gesichert
Die in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA (AGAB) organisierten Chemieanlagenbauer stehen laut ihrem Vorsitzenden Werner Schwarzmeier vor einem schwierigen Jahr 2009, sehen sich aber dennoch gut gerüstet. Mit dem weltweiten Abschwung wird auch die Nachfrage nach Anlagen deutlich nachlassen. „Gegenüber 2008 ist von einem Rückgang des in der AGAB gemeldeten Order-volumens um rund ein Drittel auszugehen“, betonte AGAB-Vorstand Schwarzmeier auf dem VDMA-Forum. Positiv stimmt jedoch die Auslastung der Unternehmen im Chemieanlagenbau: Im Branchenschnitt reichen die bisher akquirierten Aufträge bis Herbst 2009. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (von Oktober 2007 bis September 2008) verbuchten die AGAB-Mitglieder Auftragseingänge in Höhe von 3,2 Mrd. € - der zweithöchste jemals gemeldete Bestellwert. Dennoch ergibt sich in Relation zum extrem guten Vorjahr (2007: 3,9 Mrd. €) ein Minus von 20 %, wobei seit September 2008 der Stimmungsumschwung deutlich zu spüren ist.
Der Ersatz- und Neubedarf an Chemieanlagen ist zwar weiterhin hoch. Auf Fremdfinanzierungen angewiesene Investoren erhalten aber häufig keine Mittel zu angemessenen Konditionen für ihre Projekte. Zudem verringern die gesunkenen Öl- und Gaspreise die Investitionsbudgets von Rohstoffbesitzern, wodurch sich die wirtschaftliche Machbarkeit von Projekten verschlechtert hat. Schwarzmeier: „Sollte sich der momentane Investitionsstau bis Ende 2009 auflösen, wird die Branche den Abschwung ohne größere Schwierigkeiten meistern.“









