Sensor-Aktor-Kommunikation
IO-Link reduziert Platzbedarf um 30 %
Gleich an mehreren Stellen hat der Ausrüster einer Aluminium-Granalienanlage auf neueste Technik gesetzt – unter anderem zur Anbindung intelligenter Sensoren und Aktoren. Das Ergebnis spricht für sich: Durch den Einsatz von IO-Link konnten die Schaltschränke rund 30 % schmaler ausfallen.
Unter anderem wurden die Kompaktstarter über IO-Link mit der Steuerung verbunden. Bis zu vier Starter lassen sich zu einer Gruppe zusammenfassen und mit einem Kanal des IO-Link-Masters verbinden, was erheblichen Verdrahtungsaufwand spart.
© FleischmannÜber ein Zuführsystem und Wäge-Einrichtungen wird in der Aluminium-Granalienanlage, die am Bodensee steht, Aluminium-Schrott in einen Brennofen befördert. Das flüssige Aluminium wird mithilfe von zwei Kippstühlen auf eine gekühlte Drehscheibe mit Sieb gegossen. Bereits nach einer halben Umdrehung sind daraus feste Kugeln entstanden, die über ein Fördersystem in Bunkern bevorratet werden. Aus diesen Silos können die Kugeln – im eigentlichen Sinne "Opferprodukte" für eine qualitativ hochwertige Aluminium-Herstellung – bedarfsabhängig per Lkw-Verladung entnommen werden.
Markus Berner, Geschäftsführer von Fleischmann: "Mit IO-Link lassen sich auf einfache Weise Automatisierungslösungen entwickeln, die an vielen Stellen einen spürbaren Mehrwert bieten."
© FleischmannNeben der Anbindung der Feldebene an die Steuerungsebene per IO-Link überwacht eine fehlersichere Soft-SPS die komplette Anlage; die gesamte Projektierung, Programmierung, Visualisierung und Sicherheitstechnik wurde auf einer einzigen Plattform erstellt. Um wertvollen Platz zu sparen, entschieden sich die Experten der Firma Fleischmann, die für die elektrotechnische Ausrüstung der Anlage zuständig war, unter anderem für Kompaktstarter mit IO-Link des Typs Sirius 3RA6 von Siemens.
Fleischmann-Geschäftsführer Markus Berner erklärt: "Diese Geräte beinhalten Schütz, Leistungsschalter und elektronisches Überlastrelais in einem kompakten Gehäuse und dazu liefern sie noch eine Reihe wichtiger Diagnose-Informationen." Durch die in die Motorabzweige integrierten Abschalt- und Überwachungseinrichtungen wird bereits ein Großteil des sonst nötigen Verkabelungsaufwandes eingespart, und die Anbindung per IO-Link an die Steuerung vereinfacht Installation und Inbetriebnahme noch weiter. Von daher bot sich der Einsatz von IO-Link für die Kommunikation zwischen der industriellen Schalttechnik und der Steuerungsebene geradezu an.

Einblick in die Granalienanlage
Die einfache Kommunikation über IO-Link mit der übergeordneten Steuerung, einem Microbox-PC mit echtzeitfähiger, fehlersicherer Soft-SPS – beides ebenfalls von Siemens –, stellte sich bei dieser Anwendung als ideale Lösung heraus: Bis zu 16 Kompakt-Abzweige lassen sich auf einen IO-Link-Master verdrahten, der einfach als zusätzliche Karte in eine dezentrale Peripheriestation ET 200S eingefügt wird. Die Verbindung von dezentraler Peripherie zur Steuerung erfolgt über Profinet. Markus Berner betont: "Dieser leistungsfähige Kommunikationsbus gibt uns auch hinsichtlich des Netzaufbaus die gewünschten Freiheiten."
Selbst wenn die Steuerung einmal ausfallen sollte, ist vor Ort die manuelle Bedienung der IO-Link-fähigen Schaltgeräte möglich. Dazu gibt es einen optionalen Bedienbaustein. Er erleichtert auch die Inbetriebnahme und ermöglicht den Servicebetrieb mit der Funktion "Hand-, Dauer- und Tipp-Betrieb". Für maximale Flexibilität vor Ort kann dieser Bedienbaustein sogar in die Frontplatte eines Schaltschranks eingebaut werden.
Zusätzlich wurde in der Anlage ein WLAN-Netz eingerichtet, damit der Maschinenführer diese über ein Touchpanel bedienen beziehungsweise diagnostizieren kann. Hierzu wurde auf dem HMI ein Smart Server installiert, der den Fernzugriff ermöglicht. Gleichzeitig lässt sich das Panel über einen DSL-Router mit der Außenwelt verbinden. Das bringt den weiteren Vorteil, dass sich Störungen über E-Mail und SMS direkt an das Wartungspersonal melden lassen.
Schaltgeräte einfach an die Steuerung anbinden
Die Direkt- und Wendestarter mit IO-Link-Kommunikation lassen sich über einen Bedienbaustein sogar vor Ort bedienen.
© FleischmannZusätzlich zu den etwa zwei Dutzend als Kompakt-Abzweig ausgeführten Direkt- und Wendestartern befinden sich in der Anlage diverse IO-Link-fähige Sirius-Schütze. Sie sorgen beispielsweise für zusätzliche Sicherheit bei der Brennersteuerung. Bei gefährlicher Temperatur im Ofen schalten sie die Wärmezufuhr ab. Markus Berner hierzu: "Durch die integrierten zwangsgeführten Kontakte der Motorschütze bieten sie eine höhere Schaltsicherheit als eine Konstruktion mithilfe von einfachen Koppelrelais."
In der dezentralen Peripherie Simatic ET 200S können IO-Link-Master mit 4 Kanälen als Erweiterungsmodule gesteckt werden. Jeder Kanal erfasst max. 4 Geräte. Mit einer Karte lassen sich also 16 Motorabzweige an die Steuerung anbinden.
© FleischmannAuch die Brenner, die in die Kippstühle einfahren und dort das Aluminium warmhalten, sind mit Temperatur-Überwachungsrelais als zusätzliche Hardware-Abschaltung ausgestattet. Eines der Überwachungsrelais kontrolliert die Abgastemperatur im Ofen, jeweils ein weiteres die Temperatur in beiden Kippstühlen. Auch hier entschieden sich die Planer für eine einfache kommunikationstechnische Anbindung der Geräte per IO-Link an die Steuerung. Dafür genügte ein weiterer IO-Link-Master, der in die ET-200S-Peripherie gesteckt wurde. An diesen lassen sich bis zu vier intelligente Überwachungsrelais anbinden. Alle zyklischen Melde- und Diagnosedaten werden somit über die Punkt-zu-Punkt-Verbindung über den IO-Link-Master an die Steuerung übertragen. Fertige downloadbare "Faceplates" unterstützen die Visualisierung der Anlage.
Dezentrale Peripherie für einen flexiblen Aufbau
Der Systemaufbau von der Feldebene über die dezentrale Peripherie zur Anlagensteuerung hat sich bei dieser Anlage nicht nur als einfach und übersichtlich erwiesen, sondern auch als besonders flexibel. Denn neben den IO-Link-Mastern konnten Erweiterungskarten für drei Wäge-Einrichtungen installiert werden, die analoge Signale der Waagen direkt verarbeiten. Spezielle Siwarex-Kabel übertragen die analogen Signale auch in der rauen, von Störsignalen geprägten Umgebung zuverlässig in die Peripheriestation. So können die analogen Werte aus den Waagen direkt in der Steuerung angezeigt werden.
Durchgängigkeit war aber nicht nur in puncto Hardware, sondern auch in Sachen Engineering gefordert. Obendrein kam beim Bodensee-Projekt von Fleischmann erstmals das neue Engineering-Framework "TIA Portal" zum Einsatz, bei dem sich auf ein- und derselben Plattform Steuerungs-, Schalt-, Antriebs- und Sicherheitstechnik sowie Visualisierung projektieren und realisieren lassen. Innerhalb nur eines Tages haben dabei die Techniker bei Fleischmann zusammen mit einem Siemens-Experten das Grundgerüst für den Einsatz von IO-Link erarbeitet.
Zum Thema fehlersichere Steuerung sei noch angemerkt: Die Anlage selbst besitzt zwar nur drei Not-Halt-Taster, die auf eine fehlersichere Eingangskarte der ET200S fest verdrahtet sind. Allerdings ist mit der Sicherheitsbus-Lösung über Profisafe zudem eine spätere Einhausung mit Zutrittskontrolle, Lichtgitter und vielem Weiteren schnell und flexibel in die Anlagensteuerung implementierbar.
Alles in allem hat das "Paket" aus Industrie-PC, echtzeitfähiger, fehlersicherer Soft-SPS und nicht zuletzt dem Engineering Framework TIA Portal für deutliche Erleichterungen und Vereinfachungen im gesamten Anlagenaufbau gesorgt. Hinzu kommt die damit erreichte Flexibilität in Bezug auf Programmierung, Erweiterung und Service. Nicht zu vergessen die Platzersparnis durch den Einsatz von IO-Link: Die gesamte Automatisierung der Anlage befindet sich in neun Schränken von je 1,2 m Breite – die Schaltschranklänge fiel damit um knapp 30 % kürzer aus als bei herkömmlicher Technik.













