Messtechnik / Füllstands-Radar
„Blinde“ Stellen beseitigt
Die Anforderungen der Prozessindustrie an die Feldinstrumentierung sind schnell beschrieben: Einfache und standardisierte Parametrierung, Anschlusstechnik und ein zuverlässiger Betrieb. Wie die Umsetzung in der Praxis aussieht, demonstriert die Firma Endress+Hauser bei Knauf in Iphofen.
Automatisierungsanbieter sind mehr denn je gefordert, Anwender bei der Lösung ihrer Probleme zu unterstützen: Für Automatisierer in der Prozessindustrie wird es immer schwieriger, die Komplexität der vielen Messaufgaben und der dafür verfügbaren Geräte von unterschiedlichen Herstellern zu beherrschen.
Dank des Multi-Echo-Trackings (roter Signalverlauf) ermittelt der Levelflex FMP57 jederzeit den tatsächlichen Füllstand. Bei dem bisherigen Verfahren (blau) kommt es in der Nähe eines Störers zu Messwert-Sprüngen.
© Endress+HauserGleichzeitig steigen die Anforderungen hinsichtlich Betriebssicherheit und Verfügbarkeit von Anlagen. Beide Aspekte führen dazu, dass Anwender vehement nach Einheitlichkeit und Durchgängigkeit verlangen. Deshalb setzt die Firma Endress+Hauser ihr Zweileiter-Konzept konsequent bei immer mehr Sensorfamilien um – nach den Coriolis-Massedurchflussmessgeräten zuletzt Ende 2010 bei den geführten Radarmessgeräten Levelflex für die Füllstandsmessung.
Insgesamt acht Modellvarianten für unterschiedlichste Prozessanforderungen stehen für die Standmessungen von Flüssigkeiten, für den Schüttgutbereich bis hin zu Versionen für Pharma-Anwendungen, aggressive Medien, Öl- und Gas sowie zur Trennschichtmessung zur Verfügung. Die Schüttgut-Variante FMP57 nutzt die Firma Knauf am Standort Iphofen bei der Füllstand-Kontrolle in Gips-Silos. Dort kommen die speziellen Features der Sensorfamilie zum Tragen, die mit den Besonderheiten des Messguts Gips gut zurechtkommen. Trotz dessen geringen Dielektrizitätskonstanten (DK) von 1,6 ermitteln die Sensoren einwandfrei und zuverlässig die Füllhöhe im Silo. Die Dielektrizitätskonstante des Mediums beeinflusst die Stärke der reflektierten Hochfrequenzimpulse. Bei kleinen Konstanten wie etwa bei Gips werden die Impulse nur schwach reflektiert.

Rekordjahr für Endress+Hauser
Weit über den eigenen Erwartungen hat der Schweizer Sensor- und Messtechnik-Konzern Endress+Hauser das Jahr 2011 abgeschlossen: Firmenchef Klaus Endress bilanzierte in Basel 177 Millionen Euro Gewinn und 1,5 Milliarden Euro Umsatz.
Beim Multi-Echo-Tracking kann der Sensor zwischen Füllstand- und Störsignalen unterscheiden.
© Endress+HauserMaßgeblichen Anteil an der sicheren Signalerfassung unter diesen Bedingungen hat das Multi-Echotracking-Verfahren der Sensoren. Bei der Radarmessung werden Messimpulse ausgesendet, von der Mediumsoberfläche reflektiert und wieder empfangen. Anhand dieser Echo-Signalkurve erfolgt die Auswertung beziehungsweise die Berechnung des Füllstand-Signals. Das Problem: Bereits kleine Silo-Einbauten (Grenzschalter oder Schweißnähte) können bei dem traditionellen Laufzeitmessverfahren störende Echo-Signale erzeugen. Stand der Technik ist, diese Störfaktoren bei der Berechnung des Füllstands komplett auszublenden. Daher akzeptieren solche Sensoren nur Radar-Echos als Füllstand-Signal, die über die Ausblendungskurve hinausragen. Liegt das Füllstand-Signal beim Befüllen oder Entleeren des Silos unterhalb der Ausblendungskurve, können Fehlauswertungen auftreten. Erst wenn der Füllstand den „Störer“ passiert, entspricht das Echo-Signal wieder dem korrekten, tatsächlichen Füllstand.
Stör-Echos punktuell ausgeblendet
Bei der aktuellen Geräte-Generation hat Endress+Hauser mit dem so genannten Multi-Echo-Tracking eine zuverlässige Signalauswertung des Radar-Echos in die Geräte integriert. Auch bei diesen Geräten generieren starke Bewegungen der Messgut-Oberfläche und Einbauten, die in den Signalpfad des Radarsensors hineinreichen, ein Störsignal. Wie bei den traditionellen Verfahren wird auch beim Multi-Echo-Tracking dem Signal eine Ausblend-Kurve überlagert. Allerdings erfasst die Auswerte-Einheit des Sensors alle Echo-Signale – von den Störern wie auch dem zu messenden Füllstand – und beobachtet deren Verlauf. Mittels selbst lernender Algorithmen kann die Software daher eindeutig zwischen Füllstand-Signal, Störsignal und selbst Doppel-Echos unterscheiden. Somit kann das Füllstand-Echo auch unterhalb der Signal-Ausblendung als sinnvolles Gut-Signal identifiziert werden. Gleichzeitig verhindert dies das für Stör-Echos typische „Springen“ des Messwerts. Damit ist eine sichere und präzise Messung sogar bei starken Störquellen im Tank gewährleistet.
Die Levelflex FMP5x-Familie ist Teil des Anfang 2010 initiierten Zweileiter-Konzepts, das sieben Messverfahren für die Messgrößen Durchfluss und Füllstand vereinheitlicht hinsichtlich:
- Bedienung
- Software
- Schnittstellen
- Datenmanagement
- Systemintegration
- Gehäusekomponenten
- Elektronikmodule
- Bestellstrukturen
- Dokumentation
Derzeit lediglich für die Durchfluss- und Füllstand-Messung verfügbar, steht zur Hannover Messe die Ausweitung des Konzepts auf ein Ultraschall-Gerät an.
Autor: Thomas Fritz ist Produktmanager Füllstand bei der Firma Endress+Hauser in Weil am Rhein.










