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Artikel und Hintergründe zum Thema

Rüstungsindustrie als Wachstumsmarkt?

Annina Schopen,

Rüstung: Jedes dritte Industrieunternehmen sieht Chancen

Fast jedes dritte deutsche Industrieunternehmen sieht in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie eine Chance für das eigene Geschäftsmodell – das zeigt eine Sonderauswertung der Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zum Jahresbeginn 2026.

© jose carlos cerdeno martinez / Moment / Getty Images

Die geopolitische Lage hinterlässt ihre Spuren – und das nicht nur in der Sicherheitspolitik, sondern zunehmend auch in den Geschäftsbüchern der deutschen Industrie. Das zeigt eine Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026, für die knapp 5.000 Unternehmen befragt wurden.

Demnach sind bereits 17 Prozent der deutschen Industriebetriebe in die Wertschöpfungskette der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie eingebunden – sei es als Hersteller militärischer Güter (2,5 Prozent), als Produzenten von sogenannten Dual-Use-Gütern (6,9 Prozent) oder als Zulieferer in diesem Bereich (7,6 Prozent). Weitere 12,3 Prozent sind zwar noch nicht aktiv, sehen den Verteidigungsmarkt aber als attraktives Zukunftsfeld. Insgesamt blickt damit fast jedes dritte Industrieunternehmen in Deutschland mit Interesse auf die Branche.

Dual-Use-Güter – also Produkte, Technologien oder Software, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar sind – spielen dabei eine zentrale Rolle. Typische Beispiele sind Werkzeugmaschinen, Prüf- und Messvorrichtungen, Spezialventile oder bestimmte Elektronikkomponenten. Hersteller solcher Güter unterliegen besonderen Exportkontrollvorschriften, da ihre Produkte in sicherheitssensiblen Kontexten zum Einsatz kommen können.

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Besonders stark ist die Einbindung im Fahrzeugbau, wo 36 Prozent der Unternehmen angeben, Teil der verteidigungsnahen Wertschöpfungskette zu sein – wenig überraschend, da die Hersteller militärischer Fahrzeuge traditionell dieser Branche zugeordnet werden. Aber auch Metallerzeugung und -bearbeitung (30 Prozent) sowie das Textilgewerbe (27 Prozent) weisen einen hohen Bezug zur Verteidigungsindustrie auf. Bei den Investitionsgüterherstellern insgesamt liegt der Anteil bei 24 Prozent.

Regional zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Während in Süddeutschland 21 Prozent der Industriebetriebe in die Wertschöpfungskette eingebunden sind, beträgt dieser Anteil in Ostdeutschland lediglich 9 Prozent – ein Unterschied, der auf die unterschiedlichen Branchenstrukturen und Cluster in den jeweiligen Bundesländern zurückzuführen ist. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Große Betriebe sind mit 31 Prozent überdurchschnittlich häufig vertreten, aber auch für kleine und mittlere Unternehmen eröffnen sich Chancen als spezialisierte Zulieferer.

Der wirtschaftliche Ausblick der verteidigungsnahen Betriebe unterscheidet sich entsprechend der derzeitigen Lage deutlich vom Rest der Industrie. Während die übrige Industrie bei den Geschäftserwartungen einen Saldo von minus 9 Punkten verzeichnet, kommen Hersteller militärischer und Dual-Use-Güter sowie deren Zulieferer auf ein Plus von 11 Punkten. Ähnlich das Bild bei den Exporterwartungen: plus 12 Punkte im Verteidigungsbereich, minus 6 Punkte bei den übrigen Industriebetrieben.

Rainer Kambeck, DIHK-Bereichsleiter Wirtschaftspolitik © DIHK / Paul Aidan Perry

Rainer Kambeck, DIHK-Bereichsleiter Wirtschaftspolitik, fasst die Lage so zusammen: Bei den meisten deutschen Industrieunternehmen bleibe die Situation angespannt – der Krieg im Nahen Osten sorge für neue Unsicherheiten bei Energiepreisen und Lieferketten. Als Spiegelbild der geopolitischen Konflikte seien die Perspektiven in der Verteidigungsindustrie jedoch gut. „Die Unternehmen hier am Standort können von den hohen Investitionen des Bundes in die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit partizipieren. Sicherheitsbranche und Verteidigungsindustrie rücken dabei auch im Mittelstand verstärkt in den Fokus. Dies zeigt auch, wie wichtig es ist, den Marktzugang für den Mittelstand zu verbessern, damit ein intensiver Wettbewerb für einen effizienten Einsatz der staatlichen Mittel sorgen kann“, so Kambeck.

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