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Artikel und Hintergründe zum Thema

Schutztürabsicherung

Xabier Antolin | Lukas Dehling,

Modular und sicher

Immer komplexere Anwendungen erfordern immer flexiblere Anlagen-Komponenten – auch bei der Schutztürabsicherung. Mit einem modularen System können ­Anwender ihre Lösung an individuelle Anforderungen anpassen.

© Euchner

Mit weniger mehr erreichen – das war der Leitgedanke, der hinter der Entwicklung des Schutztürsystems MGB2 Modular stand. Oder – etwas ausführlicher formuliert: Mit weniger Komponenten sollte die zweite Generation der weltweit erfolgreichen Multifunctional Gate Box von Euchner nicht nur Maschinenbauern, sondern vor allem auch Anwendern mehr Flexibilität bieten. Und darüber hinaus: mehr Vernetzungsoptionen, mehr Funktionen, mehr Effizienz und gleichzeitig mehr Spielraum für zukünftige Innovationen rund um die Schutztür auch in Richtung Industrie 4.0.

Beim Schutztürsystem MGB2 Modular werden Submodule mit Bedienelementen einfach ins Zuhaltemodul gesteckt.

© Euchner

Die Besonderheit: Das System ist modular konzipiert. Das heißt: Das eigentliche Zuhaltemodul ist baulich separiert vom Busmodul mit integriertem Profinet/ Profisafe. Die Submodule mit den entsprechenden Bedienelementen, wie Drucktaster, Wahl- und Schlüsselschalter oder Not-Halt-Taster, werden entsprechend der Anforderungen ins Zuhaltemodul gesteckt.

Auch die abgesetzte Montage von Bus- und Submodul ist möglich.

© Euchner

Die Trennung von Zuhalte- und Busmodul bietet zwei wichtige Vorteile: An nur einem Busmodul ist der Anschluss von bis zu sechs Zuhaltemodulen möglich. Wenn also, wie es in der Praxis häufig vorkommt, ein Bus die Signale von zwei oder drei Schutztüren einsammeln soll, waren bisher zwei oder drei Busknoten nötig – mit der ‚MGB2 Modular‘ genügt ein einziger. Und neben den Geräten selbst spart der Anwender Netzwerk-Leitungen, Netzwerk-Adressen – und letztlich auch Speicherkapazität im Bereich der Steuerung: ein Gut, das nicht zuletzt im Hinblick auf die intelligente Fabrik von morgen immer teurer wird. Ein weiterer Vorteil: Busmodul und Funktionsmodul können abgesetzt montiert werden. Das lässt vor allem bei beengten Platzverhältnissen eine Montage an jeder geeigneten Stelle an der Maschine zu.

Flexibilität garantieren aber vor allem die einzelnen Submodule: Denn sie bieten die Möglichkeit zu einer Vielzahl an maßgeschneiderten Kombinationen. Insgesamt lassen sich an jede MGB2 Modular bis zu 18 Teilnehmer (Module oder Submodule) anschließen. 

Ein Zuhaltemodul beispielsweise ist ein Teilnehmer, ein Submodul mit zwei Drucktastern ein anderer und ein Submodul mit einem Not-Halt ein dritter. Unter dem Strich können so mit dem neuen modularen Konzept allein für Türzuhaltungen und damit verbundene Systeme Hunderte von Varianten mit nur wenigen Submodulen realisiert werden. 

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Anlage mit vier Schutztüren

Auch hier verdeutlicht der Blick auf ein typisches Anwendungsbeispiel die Flexibilität und die Effizienz des neuen Multitalents sozusagen ‚am lebenden Objekt‘. Nehmen wir exemplarisch eine Anlage mit vier Schutztüren: An zwei davon soll der Bediener in der Lage sein, bestimmte Prozesse zu starten und zu stoppen; an allen muss es möglich sein, einen Fehler zu quittieren, die Anlage darüber zu informieren, dass man sie betreten möchte und die Zuhaltung wieder zu aktivieren. Bisher waren dazu vier komplette MGB-Systeme nötig. Mit der neuen Schutztürabsicherung braucht man zur Lösung derselben Aufgabe nur noch ein einziges Busmodul und vier Zuhaltemodule. Die benötigten Tasten zum Realisieren der oben genannten Steuerfunktionen stellt man mittels unterschiedlicher Submodule zusammen.

Was diese Variantenvielfalt mit wenigen Komponenten für den Anwender bedeutet? Zum einen kann er seinen Lagerbestand an Ersatzteilen deutlich reduzieren und muss sich nicht mehr mit zig verschiedenen Artikelnummern herumschlagen. Zum anderen werden Umbauten an der Maschine viel einfacher, was angesichts des immer höheren Produktinnovations-Tempos in den Fertigungsbetrieben sicherlich für viele Firmen ein großer Pluspunkt ist. 

Wenn Anwender zum Beispiel einen zusätzlichen Drucktaster in die Anlage integrieren wollen, brauchen sie nur das passende Submodul zu ergänzen und nicht das komplette Zuhaltemodul. Außerdem wird der Austausch einzelner Komponenten auch im Fall eines Defekts viel unkomplizierter und kostengünstiger – in den meisten Fällen sogar während des laufenden Betriebs der Anlage.

Neben der Möglichkeit des Hot-Plug-Austausches und der permanenten Bereitstellung von Diagnose-Informationen für die Steuerung hilft die allgemeine Reparaturfreundlichkeit der Komponenten der MGB2 Modular dabei, Stillstandzeiten zu vermeiden oder zumindest signifikant zu verkürzen. So sind zum Beispiel sämtliche Schrauben unverlierbar und lassen sich mit einem einzigen Werkzeug festziehen oder lösen.

Die VPN-Vernetzung

Insbesondere für größere Unternehmen mit mehreren Werken bietet die neue Schutztürabsicherung die Option der Vernetzung innerhalb eines Virtual Private Networks (VPN). Entsprechend sind Mitarbeiter von der Zentrale aus via Webserver in der Lage, die Funktionalitäten all ihrer Schutztürsysteme in sämtlichen Fertigungsbetrieben in Echtzeit zu überwachen. Auf demselben Weg erhalten sie jederzeit vollständige Log-Dateien, die sie bei eventuellen Unregelmäßigkeiten an den Support von Euchner schicken, um das Problem möglichst schnell zu identifizieren.

Aus Sicherheitsgründen lassen sich beim Zugriff aus der Ferne indes lediglich Informationen abrufen, Veränderungen an der Konfiguration oder Wartungsarbeiten sind auf diesem Weg nicht möglich. Mit einem einfachen Kippschalter kann man den Webserver auch komplett deaktivieren. Ein derartiger Masterswitch ist deshalb wichtig, weil es nach wie vor viele Unternehmen gibt, die einen Remote-Zugang grundsätzlich nicht erlauben.

Gerüstet für die Zukunft

Doch ganz gleich, ob die Informationen aus den Geräten aus der Ferne oder vor Ort abgerufen oder in einer Cloud analysiert werden sollen: Welche Daten stellt die MGB2 Modular denn eigentlich zur Verfügung? Schon heute können die Geräte die unterschiedlichsten Werte auslesen – beispielsweise von der Temperatur- bis zur Spannungsentwicklung. Im Moment bringt das für die tägliche Arbeit noch nicht allzu viel – es sei denn, man sucht konkret nach der Ursache eines Problems, das nur im Sommer auftritt oder das mit temporären Spannungsschwankungen zu tun haben könnte. Allerdings wird sich das mit Blick auf Industrie 4.0 wahrscheinlich sehr bald ändern. Welche Daten die Anwender in den intelligenten Fabriken der Zukunft benötigen, ist im Detail noch nicht vorhersehbar; aber die Lösung wurde zunächst für so ziemlich alle Arten von Anforderungen konzipiert. 

Apropos Zukunft: Auch für die Entwicklung zusätzlicher innovativer Features und Funktionen für die Multifunctional Gate Box der zweiten Generation schafft der modulare Aufbau gute Voraussetzungen. Denn klar ist: Ein einzelnes Submodul lässt sich schneller konzipieren und realisieren als ein komplettes sicheres System für die Schutztür. Als Fixpunkte stehen lediglich die Bauform mit den entsprechenden Abmessungen und die einheitlichen Steckverbindungen fest – was genau auf dieser Plattform dann passiert, darüber entscheidet die technologische Kreativität.

Autor:
Xabier Antolin ist Produktmanager bei Euchner

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