Cyberangriffe im 1. Halbjahr 2017
Jede dritte Attacke gilt der Fertigungsbranche
Laut Kaspersky richtete sich in der ersten Jahreshälfte 2017 etwa jede dritte Cyberattacke auf Rechner für industrielle Kontrollsysteme gegen Unternehmen aus der Fertigungsbranche. Ransomware wie WannaCry spielte dabei eine wesentliche Rolle.
Weltweit laufen auf zehntausenden von ICS-Rechnern (Industrial Control Systems) Lösungen von Kaspersky Lab. Die Analyse für das erste Halbjahr 2017 zeigt: bei 37,6 % dieser Rechner wurden Angriffsversuche blockiert. Das entspricht einem leichten Rückgang von 1,6 % gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2016. Mehrheitlich betrafen die Angriffe Fertigungsunternehmen (31 %), gefolgt vom Maschinenbau, dem Bildungswesen und der Nahrungsmittelbranche. Auf die ICS-Rechner der Energiebranche entfielen knapp 5 % aller Angriffe.
Die Experten des Kaspersky CERT (Computer Emergency Response Team) identifizierten das Internet als Hauptgefahrenquelle. Demnach wurde auf 20,4 % der untersuchten ICS-Rechner der Download von Malware beziehungsweise der Zugriff auf schädliche oder Phishing-Webressourcen verhindert. Insgesamt entdeckten die Experten von Kaspersky Lab im ersten Halbjahr 2017 bei industriellen Automationssystemen 18.000 verschiedene Malware-Samples, die 2.500 unterschiedlichen Malware-Familien zugeordnet werden konnten.
Die wichtigsten Zahlen zu Ransomware-Attacken
Die erste Jahreshälfte war geprägt von einer Ransomware-Epidemie, die auch vor Industrieunternehmen nicht haltmachte. Verzeichnet wurde bis Juni 2017 eine Verdreifachung der einzelnen, von Verschlüsselungstrojanern attackierten ICS-Rechner. Dabei konnte das Gesamtaufkommen der Ransomware insgesamt 33 Familien zugeordnet werden. Die meisten Trojaner verbreiteten sich über Spam-Mails, die als Geschäftskommunikation getarnt waren und entweder schädliche Anhänge oder Links zu Malware-Downloadern beinhalteten.
Die wichtigsten Zahlen:
- In weltweit 63 Ländern waren ICS-Rechner von zahlreichen Ransomware-Attacken betroffen. Den größten Schaden richteten dabei WannaCry und ExPetr an.
- Mit Angriffen auf 13,4 % aller Rechner im industriellen Umfeld bildet WannaCry die Spitze der Ransomware-Familien. WannaCry zielte vor allem auf das Gesundheitswesen und den öffentliche Sektor.
- Auch ExPetr erwies sich im ersten Halbjahr des Jahres als besonders gefährlich. Mehr als jedes zweite Unternehmen der Fertigungsbrache und der Öl- und Gasindustrie wurde demnach angegriffen.
- Zu den zehn am stärksten verbreiteten Ransomware-Trojanern gehören auch Locky und Cerber, die bereits seit 2016 aktiv sind und mit denen Cyberkriminelle seither die höchsten Profite erzielen konnten.
Industrielle Systeme unzureichend geschützt
„In der ersten Hälfte dieses Jahres haben wir gesehen, wie schwach industrielle Systeme geschützt sind. Fast alle betroffenen industriellen Computer wurden durch Zufall und als Resultat von Attacken auf Heimanwender und Unternehmensnetzwerke infiziert“, sagt Evgeny Goncharov, Head of Critical Infrastructure Defense Department bei Kaspersky Lab. „Daher haben sich WannaCry und ExPetr als zerstörerische Ransomware bewährt und zu einer Störung der Produktionszyklen weltweit sowie zu logistischen Ausfällen und gezwungenen Ausfallzeiten in medizinischen Einrichtungen geführt. Die Auswirkungen solcher Angriffe können die Angreifer zu weiteren Handlungen ermutigen. Da präventive Maßnahmen bereits zu spät sind, sollten Unternehmen über proaktive Schutzmaßnahmen nachdenken, um künftig ähnliche Angriffsfälle zu vermeiden.“













