Nachgehakt bei Dr.-Ing. Hans Krattenmacher

Günter Herkommer,

Die Safety-Integration

Auf der SPS/IPC/Drives 2008 hatten der Antriebstechnik-Hersteller SEW-Eurodrive und das auf sicherheitsgerichtete Steuerungstechnik spezialisierte Unternehmen Hima eine Kooperation im Bereich Safety bekannt gegeben. Dr.-Ing. Hans Krattenmacher, Entwicklungsleiter für den Bereich Elektronik bei SEW, bezieht Stellung.

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf der dezentralen Technik.“

Herr Dr. Krattenmacher, welche Früchte hat die vor einem Jahr beschlossene Zusammenarbeit bis dato hervorgebracht - sollten nicht zur diesjährigen SPS/IPC/Drives die ersten Prototypen einer Safety-SPS zu sehen sein?

Dr. Krattenmacher: In Nürnberg haben wir die in unserem Bewegungsexponat verbaute Movifit-Antriebssteuerung für die dezentrale Fördertechnik mit integrierter Hima-Sicherheitssteuerung - genannt HM30 - gezeigt. Diese ist eine erste Lösungsintegration aus der Zusammenarbeit mit Hima. Daneben war das vergangene Jahr hauptsächlich von inhaltlicher Arbeit technischer Art geprägt.

Das heißt, für den modularen Movipro-Baukasten, mit dem wir das Thema dezentrale Antriebs- und Applikationssteuerung unter anderem für die mobile Fördertechnik abdecken, haben wir die neue Generation dieses Baukastens mit integrierter Hima-Steuerungstechnik definiert und am Tag vor der SPS/IPC/Drives einen entsprechenden Entwicklungsvertrag unterzeichnet.

Was genau ist Inhalt dieses Vertrages?

Dr. Krattenmacher: Der Vertrag beinhaltet zum einen die Entwicklung der so genannten HM31-Sicherheitssteuerung, die - wie bereits erwähnt - direkt in den dezentralen Movipro-Systembaukasten integriert werden wird und auf der neuesten Generation der Sicherheitssteuerungstechnik von Hima basiert. Für die sichere Systemkommunikation haben wir zusätzlich ein auf der Safe-Ethernet-Kommunikationslösung von Hima basierendes, sicherheitsgerichtetes Protokoll definiert.

Ist es nötig, ein weiteres Safety-Protokoll zu definieren? - Zumal Hima mit Safe-Ethernet ja seit längerem über eine solche ethernetbasierte Kommunikationslösung verfügt und auch die gängigen Kommunikationsstandards wie Profinet oder Ethercat bereits entsprechende Lösungen definiert haben.

Dr. Krattenmacher: Bei der von uns angedachten Lösung handelt es sich um ein internes Kommunikationsprotokoll innerhalb der Gerätewelt von SEW. Hierzu war es nötig, Safe-Ethernet an die Belange der SEW-Gerätewelt und -Topologie anzupassen. Insofern ist es kein zusätzliches Protokoll, das der Endanwender sieht. Es ist aber prinzipiell mit allem ausgestattet, um auch als solches eingesetzt werden zu können.

Im Prinzip ging es bei der Protokoll-Entwicklung darum, die hohen Sicherheitsstandards, für die Hima in der Prozessindustrie bekannt ist, für die Belange Fertigungsautomation zu übertragen und dabei die hohen Anforderungen, die in der Automation herrschen, in das bestehende Safe-Ethernet- Protokoll zu integrieren. Im Vordergrund standen dabei Faktoren wie Kommunikationsgeschwindigkeit und Datenmengen.

Mit der Safety-SPS HM31 zielt SEW Ihren Worten nach insbesondere auf dezentrale Anwendungen im Umfeld der Fördertechnik. Was ist mit den anderen Antriebstechnik-Applikationen - wird es hierfür weitere „Ausbaustufen" beziehungsweise Varianten der Safety-SPS geben?

Dr. Krattenmacher: Wie Sie richtig bemerkt haben, liegt das Hauptaugenmerk auf der dezentralen Technik. Im Sinne der modernen, modularen Fabrik und der daraus resultierenden Lösungsansätze wird dies unserer Auffassung nach eines der wesentlichen Einsatzgebiete sein. Aber selbstverständlich steht auch das gesamte Hima-Produktportfolio im Schaltschrankbereich im Rahmen gemeinsamer Projekte zur Verfügung.

Wie decken Sie den Aspekt „sichere E/A-Ebene" ab, den Sie ja unter dem Blickwinkel des Systemanbieters kompletter Automatisierungslösungen nicht außer Acht lassen können?

Dr. Krattenmacher: Es ist ja gerade das Ziel, mit dieser integrierten Steuerung eine komplette Applikation sicher zu machen. Dafür sind die sicheren E/As Grundvoraussetzung und dementsprechend in der HM31 integriert. Konkret werden in der Safety-SPS 24 Eingänge und acht Ausgänge vorhanden sein.

Welche zeitliche Roadmap haben Sie im Entwicklungsvertrag festgelegt?

Dr. Krattenmacher: Zur Hannover Messe 2010 wird der erste Prototyp vorgestellt. Ein halbes Jahr später - also auf der SPS/IPC/Drives 2010 - wollen wir die Vorserie launchen und zur Hannover Messe 2011 schließlich das Serienprodukt vorstellen.

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