20 Jahre Endian
»Cybersecurity wird eine immer größere Rolle spielen«
Seit 20 Jahren hat sich Endian dem Thema Cybersecurity verschrieben. Im Jubiläumsinterview erläutert CEO Raphael Vallazza, warum Krisen immer auch Chancen sind und warum 15 Jahre im OT-Bereich gar nicht so lang erscheinen.
Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren Endian! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?
Raphael Vallazza: Herzlichen Dank für die Glückwünsche! Unsere wichtigste technologische Entwicklung brachten wir 2011 auf den Markt: Eine neuartige Lösung für OT-Cybersecurity, mit der sich Maschinen und Anlagen zentral und skalierbar absichern und fernwarten lassen. Damals haben wir den dringenden Bedarf an Cybersicherheit in der digitalisierten Industrie gesehen.
Die Basis für unsere Lösung wurde schon früher gelegt, beispielsweise mit der Entscheidung, bei unseren Cybersecurity-Lösungen für IT und OT auf Open Source zu setzen. 2004 haben wir das Potential von OpenVPN erkannt und in unsere Lösungen integriert, 2013 sind wir dann mit dem Endian Switchboard in Richtung Zero-Trust gegangen, noch bevor es diese Bezeichnung überhaupt gab.
Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?
Vallazza: Im IT-Bereich die »Endian UTM Mini«, mit der sich IT-Netzwerke gegen eine Vielzahl von Cyber-Risiken schützen lassen. Im OT-Bereich sind es die IoT-Security-Gateways »Endian 4i Edge 515« sowie dessen Nachfolger »Endian 4i Edge X« und »Endian 4i Edge XL«. Unsere Produkte sind einfach zu bedienen und zusammen mit dem »Endian Switchboard« kann man sie zentral managen. Das hat uns vor allem im OT-Bereich einen großen Vorteil verschafft, denn wir ermöglichen weltweit verteilte Netzwerke zentral zu verwalten, granular die Authentisierung der Benutzer und ihrer Berechtigungen zu regeln und mit der Version 6 von unserem Betriebssystems EndianOS ist nun auch Edge Computing mittels Docker möglich.
In 20 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Vallazza: Das kann man wohl sagen. Endian ist ein eigenfinanziertes und inhabergeführtes Unternehmen, somit wissen wir genau, was es bedeutet, das Budget gut einzuteilen und das Beste daraus zu machen. Unser Durchbruch kam 2008, als sich der Umsatz fast verdreifacht hat. Wir haben dann sehr viel und zu früh in den Vertrieb und die Expansion investiert. Dann gab es noch gesellschaftliche Themen, die zusätzlich eine stark emotionale Komponente mit sich brachten. Ich kann nur sagen, man lernt jeden Tag dazu. Was zählt ist, dass wir vier Rezensionen, die Covid-Pandemie und alle anderen Krisen bewältigt haben. Krisen sind auch immer Chancen, und wir haben dabei Endian Schritt für Schritt restrukturiert und zu dem soliden Unternehmen gemacht, das es heute ist.
Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Vallazza: 15 Jahre sind ein sehr langer Zeitraum, aber eins ist sicher: Cybersecurity wird Jahr für Jahr eine immer größere Rolle für die Gesellschaft spielen. Endian hat nun alle Voraussetzungen, um solide und nachhaltig zu wachsen. Mit unseren IT- und OT-Lösungen bieten wir genau die richtigen Produkte und Dienstleistungen an, um KMUs, die Industrie sowie die Kritischen Infrastrukturen zu schützen. Im OT-Bereich sind die Zyklen viel länger als in der IT und dabei bekommen 15 Jahre eine ganz andere Bedeutung – es gibt Maschinen, die sogar 50 oder mehr Jahre in Betrieb sind.
Mit unserer Roadmap wollen wir Features und Produkte schaffen, die es unseren Kunden und Partnern ermöglichen, sich auf das eigene Geschäft zu konzentrieren und gleichzeitig sicher zu sein. Die Cybersicherheit muss gegeben sein, aber man sollte dabei die Abläufe der Benutzer nicht erschweren, sondern sie verbessern und erleichtern. Die Digitale Transformation ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Unternehmen der Zukunft und ohne Cybersecurity gibt es keine Digitale Transformation, da sonst früher oder später Firmenprozesse, Produktion und somit der Umsatz zum Stillstand kommen. Wir sehen uns vor allem als Cybersecurity-Partner für Industrieunternehmen und Hersteller, die sichere Maschinen und Produkte ausliefern, sie fernwarten und optimieren wollen.
Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Endian wichtig sind beziehungsweise werden?
Vallazza: Die Digitale Transformation ist der Megatrend und dabei spielt in letzter Zeit vor allem die Künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle. In unserem Unternehmen setzen wir sie bereits in verschiedenen Bereichen ein und sie bringt großes Potenzial, aber auch große Gefahren mit sich. Auch Angreifer können sie nutzen, um einem Unternehmen Schaden zuzufügen und die Angriffe werden immer ausgefallener, gerade deswegen ist es wichtig, dass man sich schützt.
Die Zero Trust Architektur ist die Antwort auf diese Herausforderung, gemäß dem Motto »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser«. Endian bietet Produkte und Dienstleistungen an, um genau eine solche Architektur zu implementieren, die auch dem Cybersecurity Standard der IEC 62443 entspricht und dessen Umsetzung vereinfacht.
Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Vallazza: Die größte Herausforderung ist geschäftlich. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und unsere Produkte sowie die Technologie sind fortschrittlich. In den letzten Jahren konnten wir ein starkes Wachstum im OT-Bereich verzeichnen und jetzt gilt es, diesen auszubauen und den Markt zu durchdringen. Mit IEC 62443, NIS2 und der neuen Maschinenverordnung wird der Bedarf an Cybersecurity-Lösungen in den nächsten Jahren stark wachsen – eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung für Endian.
Wir arbeiten bereits seit über einem Jahrzehnt mit erfolgreichen Industrieunternehmen aus dem Mittelstand zusammen, den sogenannten »Hidden Champions«. Jetzt wollen wir Endian als Partner für führende Industrieunternehmen etablieren. In diesem Bereich können wir den größten Mehrwert bieten, da fühlen wir uns wohl und da wollen wir in den nächsten Jahren wachsen.










