Schunk ExpertDays
Servicerobotik birgt große Potenziale
Am 23. und 24. Februar versammelten sich 116 Teilnehmer aus 22 Nationen bei der Firma Schunk in Lauffen am Neckar zur vierten Auflage der „ExpertDays on Service Robotics“. Während sich das Symposium für die angewandte Servicerobotik in den vergangenen Jahren primär den eingesetzten Technologien widmete, lag der Fokus in diesem Jahr auf den Themen Markterschließung und Wirtschaftlichkeit.
Dass die Servicerobotik unter wirtschaftlichen Aspekten an Dynamik gewinnt, zeigt ein Blick auf das Programm der 4. ExpertDays: Neun der 18 Referenten kamen unmittelbar aus der Industrie. So berichtete die Firma Polysius über ein vollautomatisches Laborautomationssystem zur Qualitätssicherung im Zementherstellungsprozess. Audi forscht intensiv an Servicerobotern für die Teilekommissionierung in der Automobilindustrie, die Harris Corp. nutzt Serviceroboter zur Bombenentschärfung und Infineon Technologies überwacht mit Hilfe von Servicerobotern die Luftqualität in Reinräumen.
Zu häufig, so Professor Dr. Henrik I. Christensen, Inhaber des Robotiklehrstuhls „Kuka Chair of Robotics“ an der Technischen Hochschule Georgia Tech in Atlanta, sei bei bisherigen Entwicklungen der Markt ignoriert worden. Lösungen seien zwar technologisch ausgereift, für reelle Anwendungen jedoch schlicht zu teuer.
Er plädierte im Rahmen der Veranstaltung daher für einen Wechsel von der technologiegetriebenen Forschung hin zu markt- und preisorientierten Entwicklungen. Wenn Kostendimensionen eingehalten würden, so Christensen, könnten Serviceroboter ihre Märkte umfassend erschließen. Für Haushaltsroboter hält der Robotik-Experte 200 bis 300 Dollar für realistisch, im Gesundheitswesen liege die Kostengrenze bei rund 10.000 Dollar. Ebenso bedeutend sind seinen Ausführungen nach anwender- beziehungsweise verbraucherorientierte Schnittstellen, über die sich die Roboter auch von Robotik-Laien bedienen ließen. Zudem empfiehlt er, Serviceroboter gezielt für spezielle Anwendungen zu konstruieren. So müsse im Gesundheitswesen der Fokus eher auf Manipulation und Navigation gelegt werden, in der Logistik hingegen seien Zykluszeiten kleiner sechs Sekunden sowie robuste und flexibel einsetzbare Greifer wichtig.
Standards fördern Marktzugang
Bei der Veranstaltung wurde zudem deutlich, dass standardisierte Plattformen und Komponenten dazu beitragen, sowohl wirtschaftlich als auch qualitativ ausgereifte Lösungen zu entwickeln. Das gilt für Leichtbauarme oder flexibel einsetzbare Greifer ebenso wie für mobile Plattformen oder Steuerungen. Verbindliche Standards, von der ISO-Norm, über die CE-Kennzeichnung bis hin zu nationalen Standards, wie sie derzeit in Südkorea entwickelt werden, sollen den Marktzugang für Serviceroboter erleichtern. Nach Ansicht von Prof. Alois Knoll von der Technischen Universität München sind zudem Systemintegratoren erforderlich, die auf einzelne Anwendungsgebiete spezialisiert sind und künftig die Lücke zwischen Hersteller und Anwender schließen sollen. Gerade hier steckt seiner Überzeugung nach ein erheblicher Teil der Wertschöpfung, so dass die Funktion des Systemintegrators wirtschaftlich höchst interessant sein kann.
Auch visionäre Ansätze wurden bei den 4. ExpertDays von Schunk vorgestellt. So sieht Dr. Amos Albert von Robert Bosch ein erhebliches Potenzial in teilautonomen Servicerobotern. Fehlt ihnen eine eigene Lösungsstrategie, können sie von einem zentralen Support unterstützt werden. So genannte „Click-Worker“ ließen sich ähnlich einem Call-Center organisieren. Sie schalten sich bei Bedarf auf den Roboter auf, lösen das Problem und entlassen den Roboter anschließend wieder in seine Autonomie. Noch weiter geht ein Konzept von Dr. Markus Waibel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er forscht an einem zentralen Wissensspeicher, in dem unzählige Daten, Modelle, Anwendungen und Programme hinterlegt sind, die Roboter bei Bedarf selbständig abrufen können. Der Gedanke dahinter ist verblüffend einfach: Sämtliche angeschlossenen Roboter, Entwickler und Systemintegratoren nutzen gemeinsam einen Pool mit erfolgreichen Lösungsstrategien und stellen ihrerseits selbst entwickelte Strategien in das System ein.
Der Termin für die 5. ExpertDays on Service Robotics steht bereits fest: Sie finden vom 29.02. bis 01.03.2012 statt.













