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Artikel und Hintergründe zum Thema

Fraunhofer FKIE

Alexandra Hose,

Aufruf zum European Robotics Hackathon

Roboter und Drohnen proben gemeinsam den Ernstfall im AKW. Im Rahmen des European Robotics Hackathon (EnRicH 2025) treffen sich Robotikexperten aus der ganzen Welt Anfang Juli in der Nähe von Wien im nie in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk Zwentendorf. Dort stellen sie unter schwierigsten Bedingungen ihre robotischen Systeme auf den Prüfstand.

© Fraunhofer FKIE/Fabian Vogl

Alleinstellungsmerkmal des nunmehr 5. Hackathons ist die Arbeit mit echten Strahlungsquellen sowie die realitätsnahen Gegebenheiten. Der Atommeiler ist fast baugleich mit dem Kernkraftwerk in Fukushima, in dem sich 2011 eine der größten Reaktorkatastrophen ereignete. Nahezu vollständige Dunkelheit im Gebäude, enge Kurven, schmale Räume, steile Treppen, selbstschließende Türen sowie keine oder nur eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten sind hier Teil der realistischen Ausgangsbedingungen für alle EnRicH-Teams.

Auf mehreren Ebenen geht es über schmale Gitterroste mit hüfthohem Geländer in die anderen Gebäudeteile des AKW. Entlang der meterdicken Betonmauern verlaufen Rohre und Leitungen, etliche Ventile ragen aus der Wand. Alles andere als ideale Bedingungen also, um UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) steigen zu lassen. Und doch ist genau dies Teil der Aufgabenstellung bei EnRicH 2025. »Erstmals wird es im kommenden Jahr ein kombiniertes Szenario für fliegende und fahrende Systeme geben«, verrät EnRicH-Organisator Dr. Frank E. Schneider, stellvertretender Leiter der Abteilung »Kognitive Mobile Systeme« am Fraunhofer FKIE.

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Drohnenflüge in meterhohen, engen Schächten gehören zu den anspruchsvollen Aufgaben, die es 2025 für die Teams zu lösen gilt. © Fraunhofer FKIE/Fabian Vogl

Konzipiert und entwickelt hat die Aufgaben ein Team des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Abstimmung mit dem österreichischen Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT). Der Gastgeber und Mitorganisator ARWT stellt für die Veranstaltung zudem echte Strahlungsquellen zur Verfügung. »2025 haben die Teilnehmer einen kompletten Gefahrguteinsatz zu absolvieren einschließlich der Suche nach radioaktivem Material, gegebenenfalls seiner Handhabung sowie der Kartierung schwieriger Umgebungen«, sagt Schneider. Für ihn eine Aufgabe, die aktueller kaum sein könnte, da bei Störfällen, aber auch der Stilllegung oder dem Rückbau alter kerntechnischer Anlagen aufgrund der hohen Strahlenlast viele Einsätze für den Menschen zu riskant seien. »Für diese radiologischen und nuklearen Szenarien müssen spezielle Robotersysteme entwickelt werden«, sagt Schneider. »Doch obwohl ein großer Bedarf an solchen Lösungen besteht, sind für die nahe Zukunft keine marktreifen Systeme zu erkennen. Ein Ziel von EnRicH ist es daher, Robotiklösungen auch in diesem Bereich zu fördern.«

Teams messen sich in drei Kategorien

2025 messen sich die Teams in drei verschiedenen Kategorien, wobei sie eine beliebige Kombination der Aufgaben bearbeiten können. So umfasst die Kategorie »Kartierung« zwei Erkundungsaufgaben, bei der zum einen Strahlung detektiert, gemessen und in einer digitalen Karte markiert, zum anderen eine digitale 3D-Karte des Gebiets erstellt werden muss. Die Kategorie »Manipulation« ist ebenfalls in zwei Teilaufgaben unterteilt. Die Teams müssen mit ihrem robotischen System ein Behältnis mit radioaktivem Kühlmittel identifizieren und im Anschluss das dazugehörige Ventil schließen.

In der Kategorie »Suche und Rettung« werden Attrappen von verunglückten Arbeitern im Gebäude verteilt, die gefunden, ihre Position auf der Karte markiert und – wenn möglich – in einen sicheren Bereich gebracht werden müssen. Obligatorisch sind für alle teilnehmenden Teams aber grundsätzlich das Erkennen und Messen von Strahlung.

KI-gestützte Bombenentschärfung

Neu ist bei EnRicH zudem ein weiteres Szenario, bei dem KI-gestützte Assistenzfunktionen für die Bombenentschärfung im Fokus stehen. Bei EnRicH 2025 bewegen sich die robotischen Systeme auf mehreren Ebenen und einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern. Die Wege sind damit deutlich weiter, die Aufgaben komplexer als bei EnRich im Jahr 2023.

Erstmals mit dabei ist 2025 die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit, die die gezeigten Leistungen beurteilen wird, um daraus mögliche disruptive Innovationen für diesen besonders sicherheitsrelevanten Bereich abzuleiten. Bewertet werden alle gezeigten Leistungen von einer externen Jury, in der mit Dr. Michael Gustmann, Kenneth Pink und Professor Daniel Watzenig ausgewiesene Experten für Robotik und kerntechnische Fragestellungen vertreten sind. Schneider stellt jedoch klar: »Bei EnRicH steht nicht der Wettbewerb im Vordergrund. Er gibt vielmehr den Nutzern die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der robotischen Systeme in aktuellen und absolut realen Szenarien zu testen.«

Die EnRicH 2025 findet vom 30. Juni - 4. Juli 2025 statt.
Anmeldeschluss für Teams ist der 28. Februar 2025.

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