90 Jahre Omron
»Deutlich ist der Kundenwunsch nach Automatisierungslösungen«
Omron feiert im Jahr 2023 das 90-jährige Firmenjubiläum. Dr. Klaus Kluger, Sales Director Zentral- und Osteuropa bei Omron, erzählt im Interview mehr dazu.
Dr. Klaus Kluger, Sales Director Zentral- und Osteuropa bei Omron
© OmronHerr Dr. Kluger, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu 90 Jahren Omron! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung ihres Unternehmens?
Es ist schier unmöglich, hier nur ein Produkt zu nennen, denn wir sind sehr vielseitig aufgestellt und unterstützen die unterschiedlichsten Branchen. 1930 begann Kazuma Tateisi, Gründer der Omron Corporation, sein Geschäft mit der Herstellung und Vermarktung von Hosenpressen in Kyoto. Das Voraussehen sozialer Bedürfnisse und die Befriedigung derselben durch innovative Technologien beschreibt die Rolle, die das Unternehmen in den vergangenen 90 Jahren gespielt hat, sehr gut. In den 1930ern gab es einen großen Bedarf in Krankenhäusern an schnelleren Zeitrelais für Röntgengeräte. Die hat Omron entwickelt und angeboten. Sie markieren demnach den Beginn von Omrons Reise zu Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen.
Die Vorstellung des ersten kontaktlosen Näherungsschalters 1960 war ein weiterer wichtiger Meilenstein, der die Entwicklung fortschrittlicher Maschinen forcierte, die ohne Ausfall oder Verschleiß in Massenproduktion arbeiten können. Seitdem haben wir viele weitere Technologien entwickelt, die die Industrie verändert und das Leben der Menschen verbessert haben. Dazu gehören das weltweit erste automatische Verkehrssignal, ein unbemanntes Bahnhofssystem, ein tragbares Blutdruckmessgerät, ein ultraschneller Fuzzy-Logic-Controller und ein automatisches Gerät zur Diagnose von Krebszellen. Wir haben in den vergangenen 90 Jahren in zahlreichen Bereichen bedeutende Beiträge geleistet - Beispiele sind Industrieautomatisierung, Haushalts- und Bürogeräte, Automobile, Sozial- und Finanzsysteme sowie Gesundheitswesen.
Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘?
Auch hier gilt: Ich kann keine einzelne Technologie herauspicken, denn für jede Industrie gibt es Lösungen, die zu den Bestsellern gehören. Wenn rund um den Globus ein Mensch seinen Blutdruck kontrolliert, kommt dabei in den meisten Fällen ein Blutdruckmessgerät von Omron zum Einsatz, denn in diesem Bereich sind wir international die Nummer Eins. Im Bereich der Industrieautomatisierung muss ich aber natürlich unsere Roboter, Cobots, Steuerungen und Bildverarbeitungslösungen nennen, die ebenfalls sehr erfolgreich sind.
Was wir in den letzten Jahren aber deutlich spüren, ist der Kundenwunsch nach Automatisierungslösungen, also nicht nach einer spezifischen Komponente, sondern nach einer anwenderspezifischen Lösung. Und da ist unser breites Portfolio natürlich eine große Hilfe, denn es ermöglicht uns, maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln und anzubieten. Mit unseren i-Automation!-Lösungen kann jedes Unternehmen auf hohem Niveau produzieren. Dabei entstehen unter anderem Produktionslinien, in denen die Maschinen selbstständig lernen und sich weiterentwickeln, sodass sie den Menschen verstehen und unterstützen.
Omrons 'Integrated Robotic Controller' für voll automatisierte Roboterproduktionssysteme ermöglicht Echtzeit-Synchronisation zwischen Robotern, Vision-Komponenten, Antrieben und Sicherheitstechnik.
© OmronIn 90 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Omron ist in den 90 Jahren seit seiner Gründung - heute würden wir sagen als einem japanischen „Start-up“-Unternehmen - kontinuierlich gewachsen und beschäftigt heute circa 30.000 Menschen weltweit. Dass es da im Verlauf von 90 Jahren zu Höhen und Tiefen kommt, ist, glaube ich, ganz normal.
Zu den sicherlich herausforderndsten Ereignissen haben in jüngerer Zeit wohl die Lehmann-Krise und dann natürlich die Corona-Pandemie gehört. Bei Lehmann war es das zeitgleiche Zusammenbrechen der Nachfrage auf eigentlich allen internationalen Märkten, das uns vor erhebliche Herausforderungen gestellt hat. Das hatte es so bis dahin für Omron nicht gegeben. Aber wir haben diese Zeit gemeinsam gemeistert und trotz der dramatischen Umsatzeinbrüche alle Arbeitsplätze erhalten, und so konnten wir nach der Krise auch schnell wieder durchstarten. Das hat uns zusammengeschweißt und resilienter für Krisensituationen gemacht. Dies war gut, denn mit Corona standen wir dann ja vor der für alle Unternehmen völlig neuen Herausforderung, alle Geschäftsabläufe ‚von zu Hause‘ abwickeln zu müssen. Hinzu kamen Umsatzeinbrüche, Kurzarbeit und natürlich die Sorge, wie sich die Pandemie weiter entwickeln würde. Aber auch in dieser Krise haben wir als Team super zusammengearbeitet und zusammengehalten. Dies hat das gegenseitige Vertrauen gestärkt und macht uns zuversichtlich, dass wir auch neue Krisen gemeinsam erfolgreich meistern werden.
Die verarbeitende Industrie hat derzeit mit verschiedenen Schwierigkeiten wie Fachkräftemangel, instabilen Lieferketten, steigenden Kosten und durch die Inflation gedrückten Gewinnspannen zu kämpfen – ein Ende ist nicht in Sicht. Hier setzen unsere Lösungen an, hier wollen wir mithilfe von Technologie und Knowhow Abhilfe schaffen. Eine gewaltige Herausforderung ist zudem der Klimawandel: Da müssen wir alle aktiv werden! Für uns ist Nachhaltigkeit Teil unserer Grundprinzipien, und wir wollen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, indem wir mit unseren Lösungen verschiedene gesellschaftliche Probleme lösen. Wir sind beispielsweise Mitglied der EP100-Initiative der Climate Group – das erste japanische Produktionsunternehmen und das vierte japanische Unternehmen allgemein, das sich dieser Nachhaltigkeitsinitiative anschließt. Mit dem Beitritt der Geschäftsbereiche Industrial Automation und Healthcare zur Initiative verpflichtet sich Omron, seine Energieproduktivität zu verdoppeln.
Das FH-Bildverarbeitungssystem ermöglicht auf Basis von AI (Artificial Intelligence) optische Prüfungen ohne vorhandene Schlecht-Muster.
© OmronWie sieht denn die Omron-Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Unsere Roadmap ist klar auf Industrieautomatisierung, KI, Nachhaltigkeit und ganzheitlichen Support ausgerichtet. Die Entwicklung von Relais, Zeitschaltern, Switches und anderen Komponenten, die für den automatischen Betrieb von Fertigungsmaschinen unerlässlich sind, war vor 50 Jahren der Beginn eines langfristigen Engagements zur Beschleunigung und Weiterentwicklung der industriellen Automatisierung. In den vergangenen Jahren hat sich der Fokus vor allem auf Fertigungsautomatisierung gerichtet, und wir haben große Fortschritte bei der Entwicklung von Sensoren, Steuerungen, Robotern und anderen Geräten gemacht, die zur Verbesserung von Herstellungsprozessen beitragen. Dies hat zu mehreren Weltneuheiten geführt, darunter die erste intelligente Hochleistungskamera mit Mehrfarbenlicht, ein Scara-Roboter mit vorausschauenden Wartungsfunktionen - Predictive Maintenance - und eine integrierte Robotersteuerung.
Produktionsautomatisierung kann Industrieunternehmen helfen, sich verschiedensten aktuellen Problemen zu stellen. Die Integration von Technologien und Geräten über das Internet der Dinge, das IoT, unterstützt Hersteller, die Vorteile der Industrie 4.0 zu nutzen. Beispiele sind eine höhere Effizienz durch Datenüberwachung und -analyse sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen. Gleichzeitig trägt die Einführung von KI dazu bei, Entscheidungsprozesse zu automatisieren und Produktionspläne zu optimieren, was zu verbesserter Effizienz und weniger Abfall führt. Genau hier setzen wir mit unseren Lösungen und Technologien an.
Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Omron wichtig sind beziehungsweise werden?
Wir kombinieren zentrale Automatisierungsplattformen wie Robotik, Steuerung, Sensorik und Bildverarbeitung mit neuen Technologien wie KI und 5G, um der Fertigungsindustrie kreative Lösungen für Herausforderungen zu bieten, denen sie aufgrund von makroökonomischen Faktoren gegenüberstehen. Innovationen wie die KI-gestützten Lösungen von Omron für Predictive Maintenance und kollaborative Robotik tragen dazu bei, datengesteuerte Abläufe mittels Digitalisierung zu beschleunigen und eine Blaupause für die nächste Generation intelligenter Produktionsstätten zu schaffen. So adressieren wir zentrale Trends. Wir sind überzeugt, dass Automatisierung künftig eine noch wichtigere Rolle in der Industrie spielen wird, um nachhaltiger, effizienter und profitabler arbeiten zu können. Die Welt ist derzeit Zeuge eines weitreichenden Wandels im Bereich der Produktion und Herstellung. Vor einem Jahrzehnt war China noch die ‚Factory of the World‘, Massenkonsum war Hauptantriebskraft, und Rohstoffverbrauch oder Umwelt wurde nur wenig Beachtung geschenkt. Heute bewegen wir uns weg von dieser Denkweise und verfolgen stattdessen einen ‚autonomen‘ Ansatz, bei dem Nachhaltigkeit, die Entwicklung und das Wohlergehen des Einzelnen sowie Qualität vor Quantität im Vordergrund stehen. In dieser neuen Welt geht es vorrangig um harmonisierte Automatisierungslösungen, die die Produktivität verbessern, die dazu beitragen, dem anhaltenden Fachkräftemangel zu begegnen und die gleichzeitig helfen, den CO2-Fußabdruck zu verringern.
Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Gesellschaftliche Entwicklungen, Technologie und wirtschaftliches Wachstum lassen sich nicht voneinander trennen. Die größten Herausforderungen der nächsten Jahre sind sicherlich der Klimawandel und der Fachkräftemangel, denn sie treffen alle Branchen, Länder und Bereiche. Omron entwickelt Technologien, um etwa flexibler und anpassungsstärker zu werden. Im Rahmen unserer Strategie ‚Shaping The Future 2030‘ wird die Vision unseres Firmengründers weiterleben, mit Hilfe von Technologie eine bessere Welt zu schaffen.
















