Nachgehakt bei Prof. Radu Popescou-Zoletin
Zusammenarbeit in Sachen ID
Im Februar wurde der Fraunhofer-Innovationscluster "Next Generation ID" gegründet. Zu den Beweggründen und Zielen äußert sich Prof. Radu Popescu-Zeletin vom Fraunhofer-Institut Fokus.
Herr Popescu-Zeletin, welche Zielsetzung verfolgt der Cluster?
Mit „Next Generation ID“ gehen wir eine der größten Herausforderungen unserer digitalen Zeit an: unsere virtuelle Welt ebenso sicher und vertrauensvoll zu organisieren wie unseren analogen Lebensraum. Dafür sind eindeutige und sichere Identitäten von Personen und Objekten eine zentrale Voraussetzung. Einen Großteil unseres täglichen Lebens vertrauen wir schon heute digitalen Prozessen an – vom Onlinebanking über Warenproduktion bis zum Strom- und Verkehrsmanagement. All diese Prozesse verlangen permanent technische Entscheidungen darüber, ob die involvierten Personen oder Objekte tatsächlich die zutreffenden sind. Gerade hinsichtlich der immer stärkeren Prozessvernetzung sind diese Entscheidungen extrem wichtig. Im Cluster wollen wir innovative und industriell nutzbare Technologien, Prozesse und Produkte entwickeln, die es ermöglichen, Personen und Objekten zweifels- freie Identitäten zuzuweisen und jene virtuellen Identitäten überall sicher verwenden und vernetzen zu können.
Warum braucht es einen solchen Cluster?
Der Cluster bündelt alle Partner, die für ein sicheres Identitätsmanagement notwendig sind und vernetzt Wissenschaft, Industrie und Verwaltung optimal miteinander. So sind von der Erforschung neuer Basistechnologien über die Komponenten-Entwicklung bis zur Produktion von ID-Technologien alle erforderlichen Bausteine vorhanden, um die gesamte Prozesskette abzubilden. „Next Generation ID“ nutzt die idealen Voraussetzungen am Wissenschaftsstandort Berlin-Brandenburg, denn in der Hauptstadtregion treffen alle maßgeblichen Partner aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung aufeinander.
Wer gehört zum Cluster dazu?
„Next Generation ID“ ist sehr breit aufgestellt und versammelt über 20 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung: die fünf Fraunhofer-Institute Fokus, HHI, IAZ, IPK und IZM sowie vier weitere wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und 15 Partner aus Industrie und Wirtschaft. Besonders wichtig für die Markenbildung in der Hauptstadtregion sind als Clusterpartner außerdem die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Verein Sichere Identität Berlin-Brandenburg.
Welche Funktionsverteilung gibt es?
Jeder Partner bringt sich durch seine jeweilige Expertise ein – angefangen bei biometrischen Verfahren über die Produkterkennung durch Materialien oder Oberflächen bis zur Produktion von Prototypen. Unser Institut übernimmt im Cluster eine Doppelfunktion: Einerseits obliegt uns das Clustermanagement sowie die Gesamt-Kommunikation des Clusters, andererseits erforschen und entwickeln wir selbst ID-Technologien und -Verfahren.
Und wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?
Das Fraunhofer-Modell basiert auf dem Leitmotiv anwendungsorientierter Forschung zum Nutzen der Wirtschaft und zum Vorteil der Gesellschaft. Forschung und Industrie arbeiten also von Anfang an eng zusammen und ergänzen sich während der gesamten Laufzeit wechselseitig: Während die Universitäten und Institute die notwendige Grundlagenforschung liefern, stehen sie in kontinuierlichem Dialog mit der Industrie, um et-waige Ansprüche und Erfahrungen in den Forschungsprozess zu integrieren. Die Industriepartner setzen wiederum die Forschungsergebnisse in Prototypen und industriell nutzbaren Produkten direkt am Markt um. Auf diese Weise können wir Entwicklungs-prozesse deutlich beschleunigen und in kurzer Zeit aus guten Ideen marktreife Lösungen machen.
Gibt es schon konkrete Projekte?
Das Innovationscluster hat seine Arbeit Mitte Februar aufgenommen. Im Moment sind wir dabei, die avisierten Projektvorhaben gemeinsam mit den Clusterpartnern genau zu justieren. Kurz zusammengefasst beruht die Arbeit auf vier Forschungsschwerpunkten: „Identität bilden“, „Identität vernetzen“, „Identität behüten“ und „Identität verwenden“.
So gibt es beispielsweise Projekte, bei denen es um die biometrische Erkennung von Gegenständen anhand von Formen, Farben und Materialen geht, um den Verbraucherschutz durch sichere und nachweisbare Warenketten zu verbessern und zum Beispiel Medikamenten- und Markenproduktfälschung zu verhindern. Gleichzeitig arbeitet das Cluster an Lösungen für den Themenbereich sichere Identitätsprüfung im Unternehmensumfeld für sichere Unterneh-mensprozesse und Schutz vor Industriespionage. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Forschung an autonom fahrenden und untereinander kommunizierenden Fahrzeugen. Und nicht zu vergessen ist die Entwicklung neuartiger Polymeroberflächen für Identitätskarten der Zukunft. Insgesamt arbeiten wir an mehr als 30 Projekten über eine Cluster-Laufzeit von drei Jahren.










