Nachgehakt bei Maximilian Brandl

Meinrad Happacher,

E- und M-CAD unter einem Dach

Ende Juni übernahm die Friedhelm Loh Group das Unternehmen Kuttig. Wie passt das Software-Unternehmen zu den Loh-Firmen Eplan, Rittal und Kiesling? Und welche langfristige Strategie steckt hinter der Akquisition? Maximilian Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Eplan, bezieht Stellung.

Maximilian Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Eplan "Bei den Kunden sind jetzt mutige Entscheidung in Richtung Mechatronik nötig."

© Eplan

Ende Juni gab die Friedhelm Loh Group die Übernahme der Kuttig Computersysteme GmbH bekannt. Wie passt die neue Schwester in Ihren Verbund?

Sie passt perfekt. Als Lösungsanbieter liegt unsere Kernkompetenz im E-CAD-Business – Kuttigs Kernkompetenz liegt klassisch im M-CAD- und PLM-Bereich. Diese Disziplinen ergänzen sich ideal, auch wenn zugegebenermaßen die Kommunikation der Abteilungen E-CAD und M-CAD in Unternehmen noch nicht so reibungslos läuft, wie technisch machbar.

Sie sprechen jetzt von einem einmaligen Leistungsverbund in Deutschland für mechatronische CAD- und PLM- Lösungen. Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen?

Die Messlatte haben wir bewusst hoch gelegt und wir können sie auch mit unserer Know-how-Basis von Experten im Vertrieb und Consulting des PLM-Umfeldes durchaus untermauern. Klassisch finden Sie am Markt Experten im E-CAD, M-CAD oder PDM-/PLM-Business. Dass ein Unternehmensverbund alles abdeckt und marktführende Technologien in diesen unterschiedlichen Bereichen bietet, ist selten. Hier sehen wir unseren Vorsprung. Aktuell sind wir dabei, unser Autodesk-Geschäft an Kuttig zu übergeben und zusammenzuführen. Unsere Schwestergesellschaft, die benachbart in Troisdorf bei Köln ihren Sitz hat, wird damit ihren Autodesk-Umsatz verdoppeln. Mit mehr Mitarbeitern kann Kuttig künftig größere Projekte übernehmen und hält dann auch Spezialisten in einzelnen Bereichen vor, die in einer kleineren Unternehmensstruktur nicht finanzierbar wären. Unsere Kunden schöpfen aus dieser gestärkten Know-how-Basis.

Sie wollen die Integration der drei Disziplinen Mechanik, Elektrik und Software vorantreiben. Wie sehen Ihre diesbezüglichen Schritte aus?

Bereits seit Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem interdisziplinären Engineering und können bereits einige Best Practices vorweisen. Das treibt uns an, weiter in die Richtung zu gehen und den Produktentstehungsprozess in noch größerer Breite mit IT-Werkzeugen und Methoden abzudecken. Die Stichworte sind Konfiguration zu Beginn des Prozesses mit unserem Eplan Engineering Center EEC beziehungsweise die Fertigungsintegration zu den Kiesling-Maschinen am anderen Ende des Prozesses über unsere Eplan ProPanels. Das bereits erwähnte EEC bündelt verschiedene Disziplinen und generiert automatisch Stromlaufpläne wie auch Konstruktionszeichnungen oder SPS-Programme auf Basis von Regeln im modularen Baukastenprinzip. Oder nehmen wir die Schnittstelle zum Autodesk Vault: Das PDM-System verwaltet die Daten beider Disziplinen – E-CAD wie M-CAD.

Welche Ergebnisse sind in welchem Zeitraum zu erwarten?

Das hängt auch in allererster Linie von unseren Kunden ab. Wie schnell sind die Kunden bereit, disziplinübergreifend im Engineering zusammenzuarbeiten und Teams zu benennen, die eine gemeinsame mechatronische Aufgabenstellung lösen? Wir stehen in den Startlöchern – jetzt sind mutige Entscheidungen Richtung Mechatronik notwendig.

Seit April ist Eplan offizieller Siemens-PLM-Solution-Partner. Wie ist diese vertiefte Partnerschaft nun im Gesamtkontext zu sehen?

Durchgängigkeit im Gesamtprozess ist unsere Maxime, denn dadurch entsteht auch für unsere Kunden der höchste Nutzen. Daten in E- und M-CAD müssen über den gesamten Prozess durchgereicht werden. Mit der Entwicklung einer Integration der Eplan-Plattform in Teamcenter ist nun ein weiterer Schritt Richtung Kundennutzen getan. Damit wird die Elektrotechnik Bestandteil des PLM-Prozesses und Unternehmen können ein umfassendes Product Lifecycle Management über alle Disziplinen hinweg realisieren. Dabei bleiben wir selbstverständlich offen und binden neben den bereits erwähnten Autodesk- und Siemens-Lösungen andere Systeme von beispielsweise Dassault Systemes oder PTC in die Eplan-Plattform ein.

Stehen weitere Kooperationen oder Übernahmen an?

Bei uns gilt: Bis die Tinte nicht trocken ist, wird nicht darüber gesprochen. Aber ich denke, die Integration von Mind8 in die Eplan-Unternehmensstruktur und auch der Kauf von Kiesling und Kuttig durch die Friedhelm Loh Group kennzeichnen unseren Kurs, der unmissverständlich auf Wachstum ausgerichtet ist.

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