Inspektionssysteme

Miriam Krechlok | Lukas Dehling,

Verunreinigungen auf der Spur

Glas, Kunststoff oder Metallsplitter: Fremdkörper in Lebensmitteln sind eine Gefahr. Produktinspektions-Technologie kann das verhindern. Dabei können Hersteller sowohl auf Metall­suchgeräte als auch Röntgeninspektionssysteme setzen – oder beides.

© Mettler-Toledo

Mit der zunehmenden Komplexität der Produktions- und Verpackungsverfahren bei der Herstellung von Lebensmitteln ist auch das Risiko von Produktverunreinigungen durch Fremdkörper gestiegen. Nach mikrobiologischen Erregern ist die Kontamination mit Fremdkörpern wie Glas, Metall oder Kunststoffpartikeln mittlerweile der zweithäufigste Grund für Lebensmittelwarnungen und Rückruf­aktionen in Europa. So listet das Europäische Schnellwarnsystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) 856 Einträge von Fremdkörper-Warnungen allein für das erste Quartal 2018. 

Die Anzahl der Kontaminationen durch Fremdkörper hat sich EU-weit im Vergleich von 1970 bis 1990 und 2011 bis 2014 verzwölffacht. Der aktuelle Jahresbericht des RASFF führt aus, dass die drei häufigsten Typen von Fremdkörpern in Nahrungsmitteln Metall, Plastik und Glas sind. 

Risikoanalyse mit HACCP- oder HARCP-Audit

Dank rasanter Fortschritte in der Produkt­inspektions-Technologie sind heute in der Lebensmittelproduktion viele Arten von Fremdkörpern zuverlässig detektierbar. Für Hersteller stellt sich in erster Linie die Frage, ob sie hierzu ein Metallsuchgerät, ein Röntgeninspektionssystem oder beides installieren sollten. Der einfachste Weg, sich bei der Wahl des geeigneten Verfahrens zwischen Metalldetektion und Röntgeninspektion zu entscheiden, beginnt mit einem genauen Blick auf die Anwendung. Im ersten Schritt sollte hierzu ein HACCP- (Hazard Analysis and Critical Controlpoints) oder HARCP-Audit (Hazard Analysis and Risk-based Preventive Controls) erfolgen. 

Ein HACCP-Audit identifiziert Kontaminationsrisiken im Herstellungsprozess und welche Arten von Fremdkörpern dabei auftreten können. An den im Audit erkannten kritischen Kontrollpunkten (Critical Control Points = CCPs) ist eine entsprechende Produktinspektions-Technologie zur Risikominimierung zu installieren. Ein HARPC-Audit deckt ebenfalls mögliche Kontaminationsgefahren im Herstellungsprozess ab, berücksichtigt aber zusätzlich weitere sicherheitsrelevante Faktoren wie etwa Besucherzugang und -kontrolle. In jedem Fall ist es ratsam, auch Produkttests durchzuführen, um die am besten geeignete Technologie zu ermitteln. Große Supermarktketten fordern – so die international zu beobachtende Tendenz – von ihren Lieferanten verstärkt darüber hinaus die Einhaltung strenger Code-of-Practice-Vorgaben, deren Anforderungen die internationalen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit übertreffen.

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Fremdkörper-Erkennung mit Metallsuchtechnik

Eine Möglichkeit zur Produktinspektion sind Metallsuchsysteme: Sie identifizieren alle metallischen Fremdkörper, einschließlich eisenhaltige (etwa Chrom oder Stahl) und nicht eisenhaltige Metalle (etwa Messing oder Aluminium) sowie magnetische und nicht magnetische Edelstähle. Die Systeme lassen sich sowohl zur Inspektion der für das Lebensmittel angelieferten Rohmaterialien vor der Verarbeitung als an zahlreichen Punkten im Produktionsprozess sowie am Ende der Produktions- oder Verpackungslinie installieren. Die Metallsuchtechnik eignet sich zur Überprüfung einer Vielzahl unterschiedlicher Produktarten, so etwa für lose, unverpackte oder pastöse Erzeugnisse, gepumpte Produkte wie Flüssigkeiten, Schüttgüter, lose Pulver und Feststoffe in Freifallsystemen sowie auch für verpackte Produkte. Sie kann darüber hinaus zur Inspektion von großen robusten Behältern wie Flaschen, Gläser und Verbundbehälter eingesetzt werden. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Überprüfung des Produkts auf metallische Fremdkörper vor dem Anbringen eventueller Metallverschlüsse erfolgt. 

Einfluss der Produkteigenschaften

Produkte mit hohem Feuchtegehalt erzeugen beim Durchlaufen eines Metallsuchsystems ähnliche Signale wie metallische Fremdkörper. Dieser sogenannte Produkt­effekt lässt sich durch Software-Algorithmen eliminieren.

© Mettler-Toledo

Die Entscheidung, ob Metallsuchtechnik das Mittel der Wahl ist, muss neben der Ausrichtung am Herstellungs- und Verpackungsverfahren auch die Beschaffenheit des Produkts – insbesondere dessen Trockenheit oder Leitfähigkeit – berücksichtigen. 

Generell gilt: Bei trockenen Produkten gestaltet sich die Erkennung metallischer Fremdkörper relativ problemlos. Durch den fehlenden Feuchtegehalt sind diese Produkte in der Regel nicht leitfähig und die Metallsuchtechnik erzielt eine sehr große Detektionsgenauigkeit auch gegenüber äußerst kleinen metallischen Fremdkörpern. Anders die Situation bei Erzeugnissen mit hohem Feuchtegehalt wie gekühlte und salzige Produkte sowie Erzeugnisse mit einem hohen Wasseranteil: Diese sind für die Fremdkörper-Erkennung besonders anspruchsvoll, da sie wie Metall selbst leitfähig sind. Beim Durchlaufen des Metallsuchsystems verursachen diese Produkte eine Störung des Erkennungsfelds und erzeugen damit ähnliche Signale wie metallische Fremdkörper. Dieser sogenannte Produkt­effekt kann größtenteils durch die Anwendung von Software-Algorithmen und die Einstellung der optimalen Betriebsfrequenz eliminiert werden. Ein hochwertiges Metallsuchgerät lässt sich daher mit unterschiedlichen Frequenzen betreiben und bietet dadurch eine ausreichend hohe Suchempfindlichkeit für die Erkennung kleiner Metallverunreinigungen auch bei feuchten und leitfähigen Produkten. 

Problemfall metallisierte Folie

Produkte in metallisierten Folienverpackungen können in der Regel mit Metallsuchgeräten im Niederfrequenzbetrieb zuverlässig überprüft werden. Dies kann jedoch, je nach Dicke der Folie, zu einer Reduzierung der erreichbaren Suchempfindlichkeit führen. In einzelnen Fällen ist es bei sehr dicken metallisierten Folienverpackungen daher empfehlenswert, diese Produkte vor dem Verpacken auf metallische Fremdkörper zu überprüfen.

Ein genereller Vorteil der Metallsuchtechnik ist die mögliche Systemauslegung auf sehr unterschiedliche Produktgrößen. Die Metalldetektor-Schleusen an Flug­häfen machen deutlich, welche Verpackungs- und Produktgrößen bei Bedarf mittels Metallsuchtechnik auf Fremdkörper detektiert werden können. Dabei gilt die Faustregel: Je höher die Durchgangsöffnung für das Produkt, desto geringer ist die Erkennungsempfindlichkeit des Metallsuchgeräts. Diese Reduzierung der Erkennungsempfindlichkeit kann jedoch durch die Einstellung des Abstands des Spulensystems im Metallsuchgerät weitgehend ausgeglichen werden. Auch der Einsatz der variablen Frequenztechnologie, bei der für jede Anwendung automatisch die am besten geeignete Frequenz eingestellt wird und somit eine Vielzahl von Produkten mit wechselndem Feuchtegehalt kontrolliert werden kann, hilft, eventuelle Probleme mit der Erkennungsempfindlichkeit zu lösen.

Die Röntgeninspektionstechnik

Röntgeninspektionssysteme eignen sich zur Fremdkörper-Erkennung für eine breite Palette verschiedener ­Produkttypen – von gepumpten Produkten wie pastöse Massen und Flüssigkeiten über halbfeste und feste ­Erzeugnisse bis hin zu losem Schüttgut.

© Mettler-Toledo

Durch Röntgeninspektionstechnologie sind – anders als bei Metallsuchgeräten – neben Metallen weitere Verunreinigungen des Lebensmittels wie etwa durch Glas, Steine, Knochen sowie Kunststoffe und Gummiverbindungen hoher Dichte zu erkennen. Die Systeme eignen sich dabei für eine breite Palette unterschiedlicher Produkttypen – von gepumpten Produkten wie pastöse Massen und Flüssigkeiten über halbfeste und feste Erzeugnisse bis hin zu losem Schüttgut. Sie sind darüber hinaus ideal für die Inspektion verpackter Produkte in allen Formen und Größen sowie von Produkten in Folien oder metallisierten Folienverpackungen. Lebensmittel in großen, robusten Behältern wie Glasgefäße, Flaschen oder Metalldosen lassen sich mit Röntgeninspektionssystemen ebenfalls auf Fremdkörper untersuchen. Die Geräte erlauben über die Fremdkörper-Kontrolle hinaus eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Sicherstellung der Produktkonformität des Lebensmittels. So können gleichzeitig etliche Qualitätsprüfungen innerhalb der Produktionslinie wie etwa eine Massenbestimmung, das Zählen von Komponenten, das Erkennen fehlender oder beschädigter Produkte und Verpackungen, die Überwachung von Füllständen sowie die Prüfung von Versiegelungen auf Unversehrtheit durchgeführt werden. Röntgeninspektionssysteme kamen erstmals in den späten achtziger Jahren in Produktionslinien zum Einsatz und werden seither von Lebensmittelherstellern zur Sicherstellung der Produktsicherheit und -qualität verwendet.

Röntgeninspektionssysteme ermöglichen über die Fremdkörper-Kontrolle hinaus weiterer Maßnahmen zur Sicherstellung der Produktkonformität des Lebensmittels. So können sie beispielsweise Verpackungen auf ihre Unversehrtheit überprüfen.

© Mettler-Toledo

Röntgeninspektionssysteme erfassen ein Graustufenbild des Produkts. Eine Software vergleicht dieses Bild mit einem vorab definierten Standard und entscheidet auf Basis dieses Vergleichs, ob das betreffende Produkt als gut oder verunreinigt zu bewerten ist. Im Falle einer Verunreinigung sendet die Software ein Signal an das automatische Ausschleussystem, welches das Produkt von der Verpackungs- oder Produktionslinie entfernt. Das vom Röntgeninspektionssys­tem gelieferte Bild basiert auf den gemessenen Absorptionsunterschieden zwischen Produkt und Fremdkörper. Eine Detektion ist in der Regel nur bei Fremdkörpern möglich, die eine höhere Dichte als das Produkt aufweisen, in das sie eingebettet sind. Dies erklärt auch, warum sich in Anwendungen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie potenzielle Verunreinigungen durch Fremdkörper geringer Dichte wie etwa Insekten, Holz oder Polyethylenfolie mittels Röntgeninspektion wegen der zu geringen Dichte-Unterschiede zwischen Produkt und Fremdkörper meist nicht erkennen lassen. 

Auch die Größe des Produkts spielt für die erzielbare Erkennungsgenauigkeit bei der Röntgeninspektion eine wichtige Rolle. Für die Inspektion großformatiger Erzeugnisse muss der Röntgengenerator weiter vom Produkt entfernt werden, damit der erzeugte Röntgenstrahl das gesamte Produkt erfassen kann. Mit der Vergrößerung des Abstands zwischen Generator und Detektor verringert sich gleichzeitig die Erkennungsempfindlichkeit des Systems.

Besondere Herausforderung: Aluminium

Aluminium mit seiner absoluten Barrierefunktion zählt mit zu den wichtigsten Rohstoffen im Verpackungsmarkt. Verarbeitet in gewichts- und materialsparenden Verbundfolien und flexiblen Verpackungen wie Standbodenbeutel, aber auch als bewährtes Verpackungsmaterial bei Fertiggerichten und TK-Ware, wird dem Leichtmetall auch für die kommenden Jahre weiteres Wachstum prophezeit. Röntgeninspektionssysteme sind hier die ideale Wahl, um in Aluminiumfolie verpackte Produkte auf metallische Fremdkörper zu untersuchen. Während Metallsuchsysteme über eine schlechtere Erkennungsempfindlichkeit gegenüber Fremdkörpern innerhalb dieser aluminiumhaltigen Verpackungen verfügen, können Röntgeninspektionssys­teme durch die Alufolie mit ihrer geringen Dichte quasi hindurchsehen, um das Innenleben auf Metallverunreinigungen zu untersuchen. Ist hingegen mit potenziellen Aluminiumverunreinigungen im Produkt zu rechnen, ist die Metallsuchtechnik in der Regel die bessere Wahl.

Weitere Kriterien bei der Technologiewahl

Metallsuchsysteme sind aus wirtschaftlichen Gründen meist die bessere Lösung, wenn lediglich die Erkennung metallischer Fremdkörper erforderlich ist. Die Wahl sollte daher vorrangig anhand des möglichen Risikos metallischer versus nichtmetallischer Verunreinigungen getroffen werden. Sind Schutzmaßnahmen vor nicht metallischen Verunreinigungen wie Glas, Steine, Knochen oder Gummiverbindungen und Kunststoffe hoher Dichte erforderlich, so ist die Investition in ein Röntgeninspek­tionssystem unabdingbar. Neben den zu erwartenden Kontaminationen können weitere Indikatoren wie etwa Liniengeschwindigkeit, Platzbedarf, Größe und Beschaffenheit des zu überprüfenden Produkts sowie die Anschaffungs- und Betriebskosten entscheidend für die Auswahl eines oder mehrerer Prüfsysteme sein. Sowohl Metallsuchgeräte als auch Röntgeninspektionssysteme eignen sich sowohl für variable wie auch für hohe Verpackungs- und Produktionsliniengeschwindigkeiten. So bewältigen Röntgeninspektionssysteme Bandgeschwindigkeiten bis zu 120 Meter in der Minute, Metallsuchgeräte eignen sich für eine zuverlässige Fremdkörper-Erkennung bei Geschwindigkeiten mit bis zu 400 Meter pro Minute – bei gepumpten flüssigen Anwendungen sind sogar noch höhere Inspektionsgeschwindigkeiten erzielbar. 

Ein Metallsuchgerät am Anfang der Produktionslinie kann große Metallverunreinigungen frühzeitig erkennen, bevor diese in weiteren Produktionsschritten in kleinere, schwerer zu erkennende Fremdkörper zerkleinert werden und Schäden in nachgelagerten Produktionsanlagen verursachen können. Ein weiteres Metallsuchgerät mit hoher Erkennungsempfindlichkeit am Ende der Produktions- oder Verpackungslinie kann zur abschließenden Inspektion genutzt werden, um fremdkörperfreie Endprodukte zu gewährleisten. Zudem erlaubt ein an dieser Stelle installiertes Röntgeninspektionssystem eine noch breiter angelegte Untersuchung auf mögliche Fremdkörper-Verunreinigungen und weitere Qualitätsmerkmale, um die Verpackungsintegrität und Produktkonformität der ausgelieferten Produkte sicherzustellen.

Autor:
Miriam Krechlok ist Head of Marketing bei ­Mettler-Toledo Produktinspektion Deutschland

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