Peter Scholz von Additive zu aktuellen Trends in der Messtechnik

Nicole Kothe-Wörner | Stefan Kuppinger,

»Die Anforderungen an Messsysteme haben sich durch die Krise verändert«

Die mobile experimentelle Messtechnik sowie die Prüfstandsmesstechnik waren von der Wirtschaftskrise besonders betroffen. Seit Mitte 2010 scheint dies überwunden und die Entwicklungs- und Testabteilungen im Maschinenbau und in der Fahrzeugindustrie erleben einen überraschend starken Aufschwung.

Peter Scholz, Additive: »Es ist zu beobachten, dass die Systemgrenzen bei stationären sowie bei dezentralen Messsystemen verschwinden.«

© imc Test & Measurement

»Die Anforderungen an Messsysteme haben sich in der Folge der Krise verändert«, erklärt Peter Scholz, Geschäftsführer des Systemhauses Additive. »Man hat erkannt, dass die Messtechnik in ihrer Multifunktionalität immer schwieriger handhabbar und auch fehleranfälliger wird. Das Gebot der Stunde und der treibende Faktor aller derzeit zu beobachtender Trends ist es, die Produktivität zu erhöhen, die Messgeräte zu vereinfachen, sie noch stärker auf die jeweilige Anwendung hin anzupassen und damit nicht nur schneller und sicherer zum Ergebnis zu kommen, sondern auch qualitativ bessere Mess- und Analyseergebnisse - zu geringeren Kosten - zu erhalten.«

Der Berliner Messtechnik-Hersteller imc und dessen Partner, das Systemhaus Additive, haben die »Atempause« der Krise dazu genutzt, erkennbare Paradigmenwechsel in konkrete Produkte umzuwandeln. Dazu Scholz: »Das Ergebnis ist mehr als nur ein neues Produkt. Es ist ein neues Denken, das sich an der Tatsache festmacht, dass Entwickler mechatronischer Komponenten und Systeme Produkte in immer kürzerer Zeit zur Serienreife bringen müssen.«
Scholz’ Überzeugung nach kristallisieren sich derzeit folgende Trends heraus:

Trend Nr. 1: Ein Messsystem für den gesamten Messprozess

»Gefordert wird ein Tool, das neben der Bedienoberfläche den gesamten Messprozess von der Messverstärkereinstellung über die Echtzeit-Datenanalyse, Speicherverwaltung, Datenanzeige bis hin zur Messdatenauswertung unterstützt«, verdeutlicht Scholz. »Eine Schnittstelle in einer gängigen Simulationsumgebung (HiL) ist immer häufiger Pflicht, weil die Komponenten im Verbund ihrer Einbausituation in ein Gesamtsystem geprüft und erprobt werden. Dabei sollen möglichst viele Aufgaben unbeobachtet bzw. ohne oder mit geringem Nutzereingriff, halb- oder vollautomatisiert erfolgen.« Daten und Ergebnisse sollen in die IT-Welt des Anwenders übertragen und dort ausgewertet, dokumentiert, verwaltet und abgelegt werden. Das Thema Multimedia, Internet und drahtlose Datenübertragung spielen dabei eine immer größere Rolle.

»All diese Aufgaben abzudecken darf jedoch nicht in unbeherrschbarer Komplexität enden«, fährt Scholz fort. »Gefordert sind einfach anpassbare Lösungen mit flexiblen Systemgrenzen und einer praxisgerechten Skalierbarkeit. Dies bieten, ähnlich wie in der kommerziellen IT-Welt, nur integrierte Systeme mit unterschiedlichen Nutzerrollen: Der Endanwender sieht lediglich seine App. Erstellt wird diese in der Administratorenrolle. Hier besteht ein uneingeschränkter Zugriff auf alle Systemfunktionen, die für die eigentliche Anwendung konfiguriert, eingeschränkt und angepasst werden.« Solle die Lösung in einen größeren Zusammenhang eingebettet werden, erwarte man von einer modernen Software, dass sie auf Basis von Standardkomponenten und sicheren Schnittstellen die nötigen Verbindungen in andere Welten herstellt, etwa ins Internet, zu Datenbanken oder ins mobile Telefonnetz. »Am Ende steht ein preiswertes und für den Endanwender leicht bedienbares Messsystem.

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Trends in der Messtechnik

Trend Nr. 2: Systemgrenzen auflösen

»Es ist zu beobachten, dass die Systemgrenzen sowohl bei stationären als auch bei dezentralen Messsystemen verschwinden«, erklärt der Experte. »Dies geschieht allerdings nicht auf Basis eines einzigen, allen Aufgaben gerecht werdenden und dominierenden Bussystems, nach dem in der Vergangenheit gerne gefragt wurde. Die Lösung liegt vielmehr in offenen Systemen mit flexiblen Systemgrenzen und in einer skalierbaren Hard- und Software-Plattform.« Skalierbar sind solche Systeme im Sinne ihrer Funktionalität und ihrer Nutzerebenen. Flexibel sind sie im Sinne ihrer Topologie, ihrer baulichen Größe und nicht zuletzt im Sinne ihrer Kosten.

»Gerade beim Thema Kosten ist zu beobachten, dass Betriebs- und Folgekosten bei der Anschaffung oft nicht genug berücksichtigt werden«, fährt Scholz fort. »Daraus folgen häufig schlecht angepasste Investitionen, die bei entspannter Budgetlage zu überdimensionierten Messsystemen führen. Ist das Geld jedoch knapp, werden oft Lösungen erzwungen, die nur das Nötigste der Aufgabenstellung abdecken, nachträglich nicht erweiterbar sind und damit ihr Ziel ebenfalls verfehlen.«

Trend Nr. 3: Monitoring birgt Wachstumspotential

Monitoring ist der Sammelbegriff, unter dem sich Themen wie Condition Monitoring, Structural Health Monitoring oder auch Predictive Maintenance finden. Dabei geht es um die systematische Überwachung von Maschinen, Fahrzeugen oder Anlagen unter realen Betriebsbedingungen. Aus den Monitoring-Daten entstehen optimierte Simulationsmodelle, Prüfstandskonzepte und Wartungspläne sowie objektivierbare Gewährleistungsfragen. All dies führt zu unmittelbaren Kostenvorteilen und ist daher von hoher Relevanz für die Hersteller. »Bereits heute gibt es eine Vielzahl meist sehr spezieller und recht kostspieliger Monitoring-Lösungen«, so Scholz. »Einer weiten Verbreitung dieses Themas standen bis dato im wesentlichen eine unangepasste Messtechnik und Sensorik im Wege, sowie Limitierungen bei der sicheren Datenübertragung über Funknetze in entsprechende Datenbanken. Im Zuge der immer leistungsfähigeren Telekommunikation, Internettechnologie und innovativen Messtechnik ergeben sich jetzt jedoch neue Chancen für breite Anwendungsgebiete, die sich universell und kostengünstig adressieren lassen. Es ist zu erwarten, dass dieser bisherige Nischenmarkt ein großes Wachstumspotential hat.«

Nicole Kothe-Wörner, Markt&Technik

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