Prozessmesstechnik / Sensoren

Stefan Kuppinger,

80-%-Regel umgesetzt

Im April 2009 definierte die Namur – Interessensgemeinschaft Automatisierung in der Prozessindustrie – ihre Anforderungen an Standard-Sensoren für wichtige Messgrößen. Endress+Hauser hat die Hausaufgaben gemacht und bringt sukzessive entsprechende Gerätereihen auf den Markt. Marketingleiter Christian Rützel zeigt auf der SPS/IPC/Drives die Roadmap in Sachen „Namur-Standardgeräte“ auf.

Christian Rützel, Abteilungsleiter Marketing Durchfluss bei Endress+Hauser: „Leider gibt es derzeit nur für die chemische Industrie eine so eindeutige Anforderungsspezifikation wie die Namur-Empfehlung Standardgerät, an der sich Hersteller orientieren können.“

Herr Rützel, welchen Ansatz verfolgt die Namur mit ihren Standard-Sensoren?

Rützel: Die Empfehlung NE131 Namur-Standardgerät formuliert die Anforderungen an Feldgeräte, mit denen sich 80 % der üblichen Einsatzfälle lösen lassen. Der Fokus liegt dabei auf der tatsächlich benötigten Gerätefunktionalität und Performance. Darüber hinaus spezifiziert die NE 131 einige Anforderungen, für die es bislang in der Durchflussmesstechnik noch keine Lösung gab. Beispiele dafür sind die Zweileitertechnik für alle Messverfahren, einheitliche Einbaulängen für Coriolis-Durchflussmessgeräte und die konsequente Umsetzung der Selbstüberwachung und Diagnose von Feldgeräten wie sie die NE 107 definiert. Für uns als Geräte-Anbieter lag die Herausforderung im Optimieren der Geräte auf diese Standard-Anwendungen, ohne wichtige Leistungsmerkmale auszuklammern.

Was genau spezifiziert der Kriterienkatalog?

Rützel: Im Fokus stehen vor allem die typischen Kennwerte wie Prozessdruck, Prozesstemperatur, Nennweiten, die meistens benötigte Genauigkeit aber auch Umgebungsbedingungen und Anschlusskonzepte. Insgesamt sind in der Namur-Empfehlung mehr als 50 Gerätemerkmale für die Durchfluss- und Füllstandmessstellen aufgeführt. Einige davon stellten bis vor kurzem noch ungelöste technologische Probleme für die Feldgerätetechnik dar, darunter auch die Zweileitertechnik für die Coriolis-Messgeräte, die wir bis zur Nennweite DN 50 umsetzen konnten.

Unser einheitliches Zweileiterkonzept für Durchfluss und Füllstand eröffnet weit reichende Einsparpotenziale bei der Planung, Beschaffung und dem Betrieb von Anlagen. Beispielsweise beziffern Anwender die Kosteneinsparung für die Instrumentierung in Zweileitertechnik mit rund 1000 Euro pro Messstelle. Einige spezielle Prozessdiagnosemöglichkeiten konnten dagegen noch nicht realisiert werden, da es für diese Anforderungen heute noch keine technisch ausgereiften Lösungen gibt. Genau auf solche Herausforderungen freuen sich unsere Entwickler.

Für welche Messverfahren hat Endress+Hauser jetzt entsprechende Sensor-Baureihen aufgelegt?

Rützel: Die Namur-Anforderungen haben wir bei der Geräteserie Promass E 2-wire gelöst – ohne nennenswerte Einschränkungen bei der Genauigkeit, Prozessstabilität oder Anwendungsbandbreite im Vergleich zu Vierleiter-Geräten. Mit dem Zweileiterkonzept werden alle wichtigen Technologien der Durchfluss- und Füllstandmesstechnik vereinheitlicht. Aktuell verfügbar sind Coriolis-Durchflussmessgeräte und die Füllstandmessgeräte Levelflex, die mit geführtem Radar arbeiten. Die übrigen Technologien folgen zeitnah.

Gibt es für andere Messgrößen ähnliche Bestrebungen, Standard-Geräte zu definieren?

Rützel: Die Namur fokussiert auf Durchfluss und Füllstand, da laut Namur bei der Druck- und Temperaturmesstechnik die Anforderungen von Standard-Anwendungen bereits weitgehend umgesetzt sind. Trotzdem haben wir uns zum Ziel gesetzt, unser gesamtes Feldgeräte-Programm in Richtung Einheitlichkeit und Durchgängigkeit weiter zu entwickeln. Hierzu haben wir firmeninterne Entwicklungsstandards definiert. Das Zweileiterkonzept für Durchfluss und Füllstand ist daher nur der Startschuss.

Ordern Anwender auch die Standard-Sensoren oder wird noch jede Messstelle individuell ausgelegt und der entsprechende Sensor geordert?

Rützel: Viele Anwender in der Chemischen Industrie haben standardisierte, meist typengeprüfte und betriebsbewährte Geräte im Einsatz. Da braucht es einige Zeit, neue Standards umzusetzen. Die sehr positive Resonanz auf unsere Konzepte bestätigt allerdings die Treffsicherheit der Namur-Empfehlung und den Bedarf für solche Geräte.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Hikmicro

Visualisierung unsichtbarer Verluste

Hikmicro betont die wachsende Bedeutung der akustischen Bildgebungstechnologie in der Automobilproduktion, wo Ineffizienzen in der Druckluftversorgung, pneumatische Instabilitäten und Leckagen die Produktionsleistung, Energieeffizienz sowie...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Marktübersicht 2026

Messtechnik

Von Analysatoren über Messgeräte mit und ohne integrierten Sensor, von Komponenten bis Messdatenerfassungssysteme – vergleichen Sie mit unserer interaktiven Marktübersicht Messtechnik Hersteller und deren Produktportfolio.    

mehr...
Anzeige

Jumo

Phosphor clever zurückgewinnen

Die Rückgewinnung von Rohstoffen gewinnt nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist die mobile Phosphorrückgewinnungsanlage von SF-Soepenberg, die mithilfe eines...

mehr...

ASA Schalttechnik

Anschlusskopf für Niveauschalter

ASA Schalttechnik, Hersteller von Niveauschaltern zur Füllstandsabfrage und Niveauüberwachung in industriellen Anwendungen, bringt einen Anschlusskopf mit Klappdeckel auf den Markt, der sich werkzeuglos öffnen und schließen lässt und Schutzart IP65...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren