Manager müssen umdenken

Corinne Schindlbeck,

Wie steuert man richtig aus der Krise?

Es gärt in den Belegschaften. Noch werden Sparmaßnahmen und Einschränkungen aufgrund der Krise toleriert. Doch die Unzufriedenheit wächst und damit auch die Gefahr einer Erosion an Top-Leuten. Manager müssen umdenken, mahnen Unternehmensberater.

Offiziell besteht Einstellungsstopp – »aber unter der Hand wird in der Halbleiterbranche derzeit emsig ausgetauscht – vor allem im Vertrieb«, verrät Personalberater Christian Pape, nicht verhehlend, dass die Personalberaterbranche auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Alles wartet auf einen nachhaltigen Aufschwung. Doch die Stille am Arbeitsmarkt ist trügerisch: Es droht eine Erosion an Leistungsträgern, der Mitarbeiter, die für die Innovationsfähigkeit des Unternehmens so bitter notwendig sind. »Sparen, sparen, sparen – wo aber bleibt bitte die Strategie für unseren künftigen Erfolg?« fragen sich vor allem diejenigen, die auch in Krisenzeiten gute Jobchancen haben, wie etwa Vertriebsprofis, Key Accounter und Business-Development-Spezialisten. Auf ihnen ruht momentan die Hoffnung auf bessere Umsätze. Sie trauen sich aber auch in der Krise, das Unternehmen zu wechseln, das ist die Gefahr.

Was tun? Mehr denn je sollen Führungskräfte nun für die Zeit nach der Krise mobilisieren, ihre Mitarbeiter mitnehmen und die Strategie vor Ihnen ausbreiten, raten Restrukturierungs-Experten. »Sparprogramme allein führen direkt in die nächste Finanzkrise«, sagt etwa Prof. Frank Peschanel von der Gesellschaft für Europäische Weiterbildungskonzepte. »Reflexhafte« Sparmaßnahmen könnten leicht nach hinten losgehen, wenn nicht gleichzeitig die Potenziale freigelegt würden. »Cost Cutting mit Geist«, nennt das Fachmann Peschanel. Er denkt dabei an schnell modifizierbare Produkte für neue Märkte, an neue Formen der Akquisition und Kundenpflege, an eine Überarbeitung der Preisbildung. Aber auch an eine Verbesserung des Images, eine effizientere Nutzung der Medien und »die Optimierung des im Unternehmen vorherrschenden Management- und Führungssystems.«

Was aber, wenn die Strategie nur aus Kostensenkung besteht und ansonsten ein »Weiter so, aber bitte mit Vollgas!« kommuniziert wird? Jetzt, mitten in der Krise, werden die Schönwetterkapitäne entlarvt. Wer schafft es, Kosten zu reduzieren UND gleichzeitig Innovationen auf den Weg zu bringen?

Die wenigsten, glaubt man Dr. Georg Kraus, Inhaber der Changemanagement-Beratung Dr. Kraus & Partner aus Bruchsal. »Viele Manager sind Zahlenmenschen und haben als solche Angst vor Innovationen. Denn deren Erfolg lässt sich nur bedingt vorhersagen und schon gar nicht berechnen. Manager leben stets im Widerspruch: Einerseits müssen sie das Tagesgeschäft meistern, andererseits die Zukunft des Unternehmens sicherstellen. Das operative Tagesgeschäft erfordert von ihnen ein hohes Maß an Pragmatismus und Bodenständigkeit. Wer hier zu sehr Traumtänzer ist, verliert die Bodenhaftung und bringt das Unternehmen in Gefahr.«

Das führe dazu, dass im Auswahlprozess auf dem Weg nach oben zumeist die pragmatischen, analytischen Persönlichkeiten übrig bleiben, die Innovationen primär als Business-Cases betrachten und erst dann angehen, wenn nachgewiesen ist: Das rechnet sich. Aber sind das die Manager, die wir gerade jetzt brauchen? Zumindest an deren Methodik hat Kraus einiges auszusetzen. »Gerade Manager von Unternehmen, deren Geschäftsmodell in der Vergangenheit sehr erfolgreich war, erliegen leicht der Versuchung, dieses einfach fortzuschreiben, so als sei dieses ewig tragfähig. Denn die Parameter dieses Modells sind bekannt, es ist rechenbar und planbar.« Doch nicht immer reichen die Konzepte der Vergangenheit aus. Unternehmensführer sollten häufiger bereit sein, sich auch auf unplanbare, schöpferische Projekte einzulassen, mahnt Kraus. Selbst wenn es sie viel Überwindung koste.

 

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Wie steuert man richtig aus der Krise?

Als Beispiel nennt Kraus den »Quantenworkshop«, den sein Unternehmen zur Innovationsfindung anbietet. In ihm sollen Experten aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam für das Unternehmen Innovationen kreieren. Die Nachfrage könnte besser sein. »Wenn wir mit Unternehmensführern hierüber sprechen, lautet ihre erste Frage meist: Können Sie uns garantieren, dass etwas Umsetzbares dabei herauskommt? Und die zweite Frage: Und wer trägt die Kosten, wenn keine zukunftsfähige Idee dabei herauskommt? Wenn wir dann erwidern, dass die Suche nach Innovationen stets ein ergebnisoffener Prozess ist, für den es keine Erfolgsgarantie gibt, dann reagieren die meisten Manager skeptisch«, weiß Kraus.
Sein Rat: Unternehmensführer sollten für die Suche nach Innovationen ein Budget mit dem Titel »Noch keine Ahnung, was dabei herauskommt« bereitstellen. Denn wer Quantensprünge erzielen wolle, müsse über ganz neue, ungewohnte Wege nachdenken und diese gegebenenfalls beschreiten.

»Verwalter« sollten sich klarmachen, dass sie langfristig scheitern. Denn eine ihrer Kernaufgaben sei es, heute dafür zu sorgen, dass ihr Unternehmen auch in fünf oder gar zehn Jahren noch stabil im Markt stehe. Kraus: »Also sollten sie sich für diese Aufgabe mehr Zeit nehmen und das operative Geschäft noch stärker an die nächste Ebene abgeben.« Stattdessen sollten Manager ihre Mitarbeiter immer wieder in eine »kreative Unruhe« versetzen: »Zum Beispiel, indem sie für diese erlebbar machen, was in den Märkten wirklich abgeht – unter anderem aufgrund der Dynamik, die die Schwellenländer entfalten.«

Denn Menschen ruhten sich gerne auf ihren früheren und aktuellen Erfolgen aus. Wichtig sei auch, innovative Mitarbeiter zu ermutigen und zu belohnen, selbst wenn ihre Initiativen eher magere Erfolge zeigten. »Die Mitarbeiter sollten spüren, dass sie von ihren Vorgesetzten unterstützt werden, wenn sie danach streben, neue und damit oft schwierigere als die gewohnten Wege zu gehen«, ermuntert der Berater.

Das gelte vor allem für Nachwuchskräfte, die die Kultur von morgen prägen. »Mich erschreckt immer wieder, wie obrigkeitsbezogen und konsenskonform, überspitzt formuliert, das Denken und Verhalten vieler High-Potentials ist; des Weiteren, wie schnell sich Nachwuchskräfte, die das Potential zum Quer- und Umdenken haben, meist dem herrschenden Firmengeist unterwerfen. An diesem Punkt sollten Unternehmen einmal ihre Personalauswahl und -entwicklung hinterfragen. Sie sollten zudem erwägen, in ihrer Organisation Kreativinseln zu schaffen, in denen sich High-Potentials als Unternehmer betätigen können. Kleine Start-Ups generieren manchmal großartige Ideen und Geschäftsmodelle.«, berichtet Kraus.

Als »Erste-Hilfe-Maßnahme« ermuntert der Berater, das betriebliche Vorschlagswesen einzustampfen und statt dessen ein »Unternehmer-Budget« zu installieren, das Mitarbeitern die erforderlichen Mittel zum Ausarbeiten und Umsetzen neuer Ideen zur Verfügung stellt. »So könnten Unternehmen zum Beispiel festlegen: Jedem Mitarbeiter werden ohne Prüfung bis zu 3000 Euro zugestanden, um die Tragfähigkeit neuer Ideen auszuprobieren. Und wenn Mitarbeiter ihre Einzelbudgets zusammenlegen, können sie auch größere Ideen realisieren. Möglichkeiten, die Innovationskraft von Unternehmen zu erhöhen, gibt es viele, entscheidend ist der Wille, einen solchen Geist oder eine entsprechende Kultur im Unternehmen zu schaffen.«, so Kraus. Denn eines müsse klar sein: Das Top-Management allein könne nicht alle erforderlichen zukunftsweisenden Ideen generieren. Also muss es sich mit Menschen umgeben, die die nötigen Trendscout-Fähigkeiten haben, um Marktentwicklungen und Technologiesprünge zu antizipieren.

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