Frauen in Führungspositionen

Jan Sentürk | Corinne Schindlbeck,

Welche Gestik an die Spitze führt

Die Frage ist nicht, ob und wie Führungs-Frauen Entscheidungen treffen, sondern ob Männer sie akzeptieren – auch wenn sie auf „sozialverträgliche“ Weise kommuniziert wurden. Denn das ist in der Manager-Welt nicht die Regel. Ein kleiner Exkurs über die Körpersprache von Chefs - und Frauen.

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie ihr männlicher Vorgesetzter sich verhält, wenn Sie mit ihm sprechen? Folgende Verhaltensweisen könnten Ihnen aufgefallen sein, vor allem, wenn es sich um einen höherrangigen Chef handelt. Oft handelt es sich dabei um diese typischen Machtgesten:

  • mechanisches Lächeln
  • reduzierter Blickkontakt
  • Beschäftigung mit anderen Dingen, während jemand spricht
  • zielgerichteter und entschiedener Bewegungsablauf
  • kurze, knappe und eindeutige Gesten
  • raumgreifende Ausweitung eigener Distanzzonen
  • fehlende Rücksichtnahme auf Distanzzonen anderer

Bei Frauen sieht man diese Körpersprache nicht annähernd so oft. Sind die ersten drei Punkte zwar durchaus noch geschlechtsübergreifend anzutreffen, fallen die weiteren in der Häufigkeit ihres Auftretens eindeutig in den männlichen Bereich. Die fehlende Rücksicht auf Distanzzonen anderer beispielsweise wird in dem Klassiker, in dem der Chef hinter seiner Mitarbeiterin steht und ihr über die Schulter guckt - oder sich gar über sie beugt - besonders deutlich. Das gleiche gilt für den Herrn, der einer Dame die Tür aufhält, um sie zuerst hindurch gehen zu lassen, ihr dabei jedoch wie selbstverständlich die Hand auf den Rücken legt, um sie förmlich hindurch zu geleiten. Das ist nicht höflich, sondern eine Verletzung der Intimdistanz.

Weibliche Körpersprache hingegen ist rücksichtsvoller und bescheidener als männliche. Sie enthält weichere, fließendere Bewegungen, hat einen geringeren Platzbedarf und nimmt Rücksicht auf den Raum anderer. So nehmen Frauen beispielsweise im Stand weniger Raum ein, weil ihre Füße näher beieinander stehen, während dieser Abstand bei Männern größer ist und – je nach Situation - bis zur „Revolverheld-“ oder „Türsteher-Position“ reicht. Zwangsläufig liegt der Fokus dabei auf ihrer Männlichkeit, die dabei buchstäblich „präsentiert“ wird.

Verkündet eine Frau im beruflichen Kontext eine Entscheidung beziehungsweise will diese durchsetzen, wird sie im Normalfall dabei nicht von ihrer persönlichen Kommunikationsform abweichen – warum auch? Ganz selbstverständlich geht sie davon aus, dass man ihre Kompetenz und ihren Status akzeptiert. Dabei signalisieren sowohl ihre Worte wie auch die dazu stimmige Körpersprache nach wie vor die Bereitschaft, Spielräume zu lassen. Zum Beispiel: Während ein Mann sagt: „Erledigen sie das bis morgen!“, fragt eine Frau: „Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?“ Dabei unterstützt sie ihre Aussage vielleicht mit einer nach oben geöffneten Handfläche und weicheren – nicht harten, kantigen – Bewegungen. Da kann beim männlichen Gegenüber, der einen – männlichen - Hinweis mit dem Zeigefinger auf die bis morgen zu erledigende Arbeit als klare Order verstanden hätte, durchaus schon mal das Gefühl entstehen, man habe ihm soeben einen Vorschlag unterbreitet, dem man ja mal nachgehen könnte – oder eben auch nicht.

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Chef-Gestik entwickelt sich mit der Zeit

Da stellt sich die Frage, wie die Frau vorgehen sollte? Würde sie sich breitbeinig in die Mitte des Raumes stellen und mit pfeilschnell abgeschossenen Befehlen Gehorsam einfordern, erhielte sie diesen allenfalls aufgrund einer hierarchisch höher gestellten Position; darüber hinaus erntete sie statt Respekt und Akzeptanz für einen solchen Auftritt jedoch allenfalls ein heimliches Grinsen.

Körpersprache ist immer Ausdruck unseres Inneren; wo sonst sollte sie herkommen? Und in neue Aufgaben muss jeder erst hineinwachsen. Dies ging auch Angela Merkel nicht anders: Aufnahmen aus der Zeit bis 2002 zeigen, wie verschiedene Politiker, unter ihnen Norbert Blüm und Helmut Kohl, wie selbstverständlich ihre Intimdistanz verletzten, in dem sie sie zur Seite schoben oder ihr die Hand auf die Schulter legten oder diese umfassten. Auf Mitschnitten ihrer Reden vor ihrer Zeit als Kanzlerin hielt sie zudem ihre Ellbogen oft eng am Körper, eine Geste, die man heute – zum Beispiel bei ihrer Rede zur Haushaltsdebatte 2010 - wesentlich seltener an ihr sieht. Menschen in Macht- und Führungspositionen entwickeln im Lauf der Jahre ein anderes Kommunikationsverhalten: Die Sprache wird deutlicher, (man kommt auf den Punkt), der Blick intensiver, (Signal für Selbstbewusstsein und Macht), Gesten werden knapper, (Zeit ist Geld) und der beanspruchte Raum wird größer, (Ich bin Chef, ich kann mir nehmen, was mir beliebt).

Neben fachlichen Kompetenzen sind sowohl der Ehrgeiz, der Wille, als auch die Fähigkeit zur Führung notwendige Charaktereigenschaften, die man entweder von vornherein mitbringen oder sich erarbeiten muss. Zwangsläufig entwickelt sich dabei eine Körpersprache, die diesbezüglich deutliche Signale sendet. Und bei allem Verständnis für soziale Harmonie: Wer darauf zuviel Rücksicht nimmt, wird zwar von Vielen gemocht – doch nur von wenigen als Führungskraft akzeptiert. Dies gilt für Männer wie für Frauen. Wobei sich letztere aufgrund mangelnder Einsichtsbereitschaft der Männer mehr anstrengen müssen.

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