Karriere-Do's and Don'ts mit Twitter und Co.
Tipps zur Jobsuche im Web 2.0
Immer mehr Personaler suchen online nach geeigneten Kandidaten für vakante Positionen und überprüfen mit Google die Angaben der Bewerber. Ingenieure können durch den gezielten Einsatz von Social Media die Position Ihrer Wahl bekommen. Wie stellt man es an?
Die Jobsuche hat sich in den letzten Jahren mit dem Aufkommen von Online-Stellenbörsen, sozialen und Business-Netzwerken wie z.B. Xing massiv verändert. Ingenieure suchen heute nicht mehr vorrangig in den großen Tageszeitungen, sondern auch online nach neuen Stellen und informieren sich über potenzielle Arbeitgeber. Umgekehrt nutzen auch die Personalverantwortlichen das Internet, um mehr über Kandidaten zu erfahren. In einer Studie des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. aus dem Jahr 2007 gab bereits gut ein Drittel von ihnen an, Profile ihrer Bewerber regelmäßig mit Google und Co. zu überprüfen.
Ingenieure auf Jobsuche können also nur profitieren, wenn sie im Internet aktiv auftreten, anstatt passiv nach Stellenangeboten zu recherchieren. Die Möglichkeiten zur Eigendarstellung sind vielfältig und reichen vom ausgefeilten Profil in einer Stellenbörse bis zur eigenen Website mit Weblog.
1. Analyse und Positionierung als Sprungbrett
Auch die Jobsuche im Internet beginnt mit der gründlichen Analyse der eigenen Situation: »Was ist mir neben dem Einsatz meines fachlichen Know-hows an meinem neuen Arbeitgeber wichtig?«, »Welche Fähigkeiten bringe ich mit und wie kann ich sie belegen?«, »Was ist meine größte Stärke und was entzündet in mir die Begeisterung für diese Tätigkeit?«, »In welchem Umfeld möchte ich tätig sein?«. Ausgehend von einer persönlichen Stärken/Schwächen-Analyse formt sich so eine individuelle Positionierung, bei der sich der Kandidat mit jedem Feinschliff weiter von seinen Mitbewerbern abhebt.
2. Planung
Anschließend folgt die Planung, wie sich persönliche Eigenschaften und Erfahrungen darstellen lassen. Eines sollte der Ingenieur immer im Hinterkopf behalten: das Internet vergisst nie, der erste Schritt muss bereits gut überlegt sein und »sitzen«. Ist ein Kandidat fest im Boot eines Arbeitgebers und sucht nach neuen Positionen, sollte er daran denken, dass auch der Chef mitlesen kann. Daher ist eine detaillierte Planung unabdingbar, mit welchen Inhalten er im Internet auftreten will und auf welche Weise er sie am besten aufbereitet.
3. Erstmal aufräumen
Durch die Google-Suche nach dem eigenen Namen erfährt der Kandidat, ob eventuell Inhalte unter seinem Namen gefunden werden, die ihn in ein schlechtes Licht rücken. Dies können Fotos sein, die unbedarfte Kommilitonen nach einer Studentenparty online gestellt haben, oder eine hitzige Diskussion in einem Online-Forum, in der sich der Kandidat im Ton vergriffen hat. Wer hier ganz sicher gehen will, kann auch professionelle Dienstleister wie die Firma ReputationDefender beauftragen. Sie suchen mit speziellen Methoden nach Einträgen zum eigenen Namen und kümmern sich gegebenenfalls auch um die Löschung.
4. Stellenbörsen: nur einer unter vielen
Das Profil in einer Stellenbörse lässt sich am einfachsten anlegen. Der Bewerber wird hier durch alle Schritte geführt, und seine Daten werden vom System automatisch aufbereitet. Andererseits steht das Profil dann zumeist nur in einer Stellenbörse und als eines von vielen zur Verfügung. Man bleibt passiv, das »Cherrypicking« übernimmt der Arbeitgeber. Um in einem Ozean aus Stellenbörsen Land zu gewinnen, müsste ein Ingenieur also mehrere unterschiedliche Profile anlegen und regelmäßig pflegen, um möglichst viele potentielle Arbeitgeber zu erreichen. Das kostet wertvolle Zeit.
5. Eigene Homepage als Startpunkt
Stattdessen bietet es sich an, eine eigene Homepage anzulegen. Sie hat den großen Vorteil, dass sie der eigenen Situation individuell angepasst werden kann, egal ob Berufsanfänger oder erfahrener Ingenieur. Idealerweise umfasst eine solche Seite eine kurze Vorstellung, in der der Bewerber darstellt, wonach er sucht und welche Qualifikation er mitbringt, den Lebenslauf und einen Downloadbereich, aus dem Personaler Zeugnisse und Lebenslauf herunterladen können. Dabei sollte unbedingt beachtet werden, dass die Dateien im PDF-Format vorliegen und somit auf allen Systemen gleich angezeigt werden. Zusätzlich können noch einzelne Unterseiten angelegt werden, in denen über bisherige Berufserfahrung oder bei Berufsanfängern über Studienprojekte und ähnliches berichtet wird. Wem das zu transparent und öffentlich erscheint, kann den CV-Bereich mit einem Passwort versehen.
6. Unterstützung von Fachleuten einholen
Wer wenig Erfahrung mit Webseiten-Design hat, sollte sich bei dieser Arbeit unbedingt von einem Profi helfen lassen. Eine einfache Seite ist zwar schnell erstellt, leider ist ihr die mangelnde Erfahrung des Autors in der Regel auch anzusehen. Der Image-Schaden ist schnell selbst konstruiert. Dasselbe gilt für die Fotos, die ebenso am besten von einem Profi gemacht werden.
7. Im Gespräch durch Social Media
Um die Karriere aktiv ins Rollen zu bringen, ist eine Vernetzung mit Social Media der Schlüssel zum Erfolg. Ob Communitys zu Fachthemen wie z.B. Erneuerbare Energien oder das eigene Weblog, Facebook oder der Microblogging-Dienst Twitter. In diesen dezentralen Netzwerken kann jeder Teilnehmer zum Nachrichtenproduzenten werden.
So könnte es laufen
8. So könnte es laufen
Nehmen wir an, Dennis Bahr hat vor zwei Jahren sein Diplom als Maschinenbauer erworben und führt seit drei Jahren einen Blog, in dem er über verschiedene Themen aus seinem Berufsalltag schreibt. Er hatte ihn vor drei Jahren während seines Studiums begonnen und darin über die Fortschritte bei seiner Diplomarbeit geschrieben. Zuerst enthielt der Blog noch viele private Berichte aus seinem Arbeitsalltag, aber als in Kommentaren von anderen Maschinenbauern konkrete Fragen zu seinem Projekt gestellt wurde, schrieb er immer häufiger über Themen, die direkt sein Fach betrafen. Als er nach dem Diplom seine erste Stelle bei einem Dienstleister für Automatisierungsanlagen antrat, führte er den Blog mit der Einwilligung seines Vorgesetzten fort. Heute berichtet er regelmäßig über einzelne Fragestellungen, die ihn bei der täglichen Arbeit beschäftigen.
9. Jobsuche per Twitter
Wem Blogging zu zeitintensiv ist, könnte den Micro-Blogging Dienst www.twitter.com nutzen. Mit einem kostenlosen Account erstellt der Jobsuchende sein eigenes Profil, was er wiederum mit seiner Homepage oder mit seinem Xing-Account verknüpfen kann. In 140 Zeichen sagt man der Welt, was man denkt, sucht und hilft anderen bei der Beantwortung von Fragen. Durch das Folgen von Leuten erzielt man eigene »Verfolger«, sog. Follower, deren Nachrichten man in einem Newsfeed mitlesen kann. So lassen sich Aufmerksamkeitsströme lenken und die eigene Kreativität in der Suche nach vakanten Positionen erhöht die Trefferquote.
Wie man sich einen neuen Job »ertwittert«? Bemühen wir noch einmal Dennis Bahr. Nehmen wir an, er hat sich vor einem dreiviertel Jahr einen Twitter-Account zugelegt und folgt mit ihm heute vor allem einigen Bekannten und mehreren Bloggern. Als er sich vor zwei Monaten entschied, sich beruflich neu zu orientieren und aus seinem Hobby, Softwareentwicklung für Linux, einen Beruf zu machen, suchte er nach Möglichkeiten, per Twitter an mögliche Arbeitgeber heranzutreten. Er wusste, dass viele von ihnen selbst Blogs betrieben und bei Twitter aktiv waren. Welche es waren, fand er heraus, indem er gezielt nach jobrelevanten Stichworten suchte und die Kontakte anderer Twitternutzer mit ähnlichen Interessen durchsuchte. Bald folgte er bei Twitter mehreren Softwareentwicklern, deren Projekte ihn besonders interessierten. Als einer von ihnen in seinem Blog ein Problem beschrieb, mit dem sich Dennis Bahr selbst schon einmal beschäftigt hatte, nahm er zum ersten Mal Kontakt mit ihm auf und schrieb in einem Tweet einen kurzen Kommentar zu dem Problem und eine längere Erläuterung in einem Kommentar zu dessen Blog. Nachdem sie sich einige Male ausgetauscht hatten, sprach Dennis Bahr ihn direkt auf seinen Wunsch an, sich beruflich der Softwareentwicklung zu widmen. Unter anderem schrieb er ihm, an welchen Projekten er bisher mitgearbeitet hatte und welche ihn besonderes interessierten. Leider waren in dem Unternehmen des Entwicklers zu jener Zeit keine Stellen frei. Kurze Zeit später erhielt Dennis Bahr allerdings eine E-Mail vom Personaler eines ähnlichen Unternehmen, der ihn auf eine offene Stelle hinwies. Der Softwareentwickler hatte ihm von Dennis Bahrs Jobsuche berichtet und ihn aufgrund seiner fachlichen Kommentare im Blog und dessen E-Mail empfehlen können.
10. Jede Social Media Plattform hat ihre eigene Sprache
Egal für welche Form der Selbstdarstellung sich ein Ingenieur entscheidet - einige Grundregeln gilt es im Netz zu beachten. Dazu gehört, dass unterschiedliche Plattformen verschiedene Tonlagen erfordern. So kommuniziert man über Facebook oder MeinVZ in der Regel mit Freunden oder guten Bekannten. Entsprechend locker ist dort der Umgangston, während in einem Business-Netzwerk wie Xing oder LinkedIn größerer Wert auf professionelle Förmlichkeit gelegt wird. Trotz der unterschiedlichen Kommunikationsstile sollte der Ingenieur im Internet insgesamt ein stringentes Bild abgegeben. Wer auf einer Plattform versucht, einen guten Eindruck zu hinterlassen, darf ihn nicht durch unbedachte Äußerungen auf einer anderen Plattform unterlaufen.
Gerade die losen Verbindungen sind besonders wertvoll: Wer online ein Bewerberprofil angelegt hat, kann seine bestehenden Verknüpfungen in sozialen Netzwerken nutzen, um möglichst viele Menschen darauf aufmerksam zu machen. Im Bekanntenkreis des Ingenieurs findet sich vielleicht jemand, der jemanden kennt, der jemanden wie ihn sucht. Über entfernte Bekannte, mit denen der Bewerber wenige gemeinsame Kontakte hat, findet sein Stellengesuch schnell seinen Weg zu Menschen, an die er selbst bei seiner Stellensuche nicht gedacht hat. So führen die sozialen Netzwerke oftmals auch zu Stellen, die offiziell gar nicht ausgeschrieben waren.









