Selbstmarketing
So positionieren sich Ingenieure bei LinkedIn
Viele offene Stellen für Programmierer, IT-Experten oder Ingenieure werden heute aktiv besetzt - über Netzwerkkontakte oder Headhunter. Ein gutes Internetprofil ist wie eine Visitenkarte. Philipp Mühlenkord, Marketingverantwortlicher beim Business-Netzwerk LinkedIn erklärt, wie sich Technikprofis optimal im Netz positionieren können.
"Personal Branding" lautet der Fachbegriff für den Aufbau einer "Ich-Marke" im Netz. Für Kommunikations- oder Personalprofis ist diese Disziplin in vielen Fällen bereits karriererelevant. Sie legen sich Profile auf den relevanten Plattformen an, vernetzen sich und teilen Wissen, um von Kollegen, Kunden und Arbeitgebern als Experten für bestimmte Themen wahrgenommen zu werden.
Technische Experten sind ebenfalls zahlreich in Foren oder sozialen Netzwerken vertreten und auch sie tauschen Know-how aus, doch Personal Branding ist eher selten ein Thema, das strategisch angegangen wird. Der Arbeitsmarkt für Techniker ist ein Nachfragemarkt, Eigenmarketing scheint überflüssig.
Diesen Rückschluss sollten Technikprofis aus unserer Sicht noch einmal überdenken, denn in zwei Punkten ist der Technik-Arbeitsmarkt anderen Bereichen sehr ähnlich: Erstens googeln potenzielle Arbeitgeber den Namen von Bewerbern. An der Basis des Personal Brandings – einem professionellen Profil im Netz, das bei den Suchtreffern idealerweise ganz oben auftaucht – kommen also auch Techniker nicht mehr vorbei.
Zweitens werden Stellen eher an Kandidaten vergeben, die dem Unternehmen bereits bekannt sind oder die mit Empfehlungen aufwarten können. Je mehr ein Arbeitgeber über einen Kandidaten weiß, desto geringer sein unternehmerisches Risiko. An diesen Personal Branding-Aspekten können Arbeitnehmer gezielt und langfristig arbeiten, auch wenn sie nicht unmittelbar auf Stellensuche sind. So erhöhen sie ihre Chancen, dann angesprochen zu werden, wenn diese eine besonders begehrte Stelle frei ist.
Schritt 1: Für was will ich stehen?
Doch wie funktioniert Personal Branding nun wirkungsvoll und ohne die Gefahr, als Selbstdarsteller wahrgenommen zu werden? Im ersten Schritt muss man sich selbst darüber klar werden, wohin der eigene Weg führen soll. Die meisten IT-Leute, Ingenieure, Entwickler dürften bereits Online-Profile in Foren oder Netzwerken angelegt haben. Oft geht es hier um den Austausch mit Fachkollegen über ganz konkrete Herausforderungen.
Im Zuge einer Personal Branding-Strategie empfiehlt es sich, die bestehenden Profile zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. In welcher Art und Weise entscheidet die gewünschte Eigenpositionierung. Wo liegen die eigenen Stärken und Interessen und wohin sollten einen diese bringen – zu welchem nächsten Karrieremeilenstein? Diese Fragen stehen im Zentrum bei der Entwicklung der Ich-Marke und geben auch zum großen Teil vor, welche Aspekte in den eigenen Online-Profilen auftauchen sollten.
Der Profileintrag selbst hängt dann auch von den Möglichkeiten ab, die die entsprechenden Plattformen bieten. Foren von Fachmagazinen sind beliebt, bieten aber oft wenig Platz für Hintergrund. Auf Twitter – ein spannendes Netzwerk für kommunikationsgewandte Techniker, fast alle IT- und Elektronik-Medien und viele Kollegen sind inzwischen aktiv dort – sind die Vorgaben für den Profileintrag minimalistisch.
160 Zeichen müssen für die wichtigsten Aspekte reichen. "Security Officer bei FIRMA, #IT-Grundschutz #ISO27001 und in der Freizeit #Paragliding, München. Views are my Own." – so oder ähnlich könnte ein aussagekräftiges Profil dort aussehen. Entscheidend sind nicht nur das Bild, das so von einem selbst entsteht, sondern auch die Schlüsselbegriffe, die man verwendet und unter denen man dann gefunden wird.
Schritt 2: Wo treffe ich Entscheider?
Wo netzwerken diejenigen, die mir auf meinem Karriereweg am besten helfen können? Und nach was halten diese Personen Ausschau? Diese Fragen helfen bei der Auswahl der Netzwerke, auf die in der Kommunikation ein besonderer Fokus gelegt werden sollte, sowie der Gestaltung des eigenen Auftritts dort.
Personalabteilungen sind auf jeden Fall an der Vorauswahl von Bewerbern beteiligt. Sie nutzen vor allem Business-Netzwerke, um Kandidaten zu finden.
Das oben beschriebene aussagekräftige Profil lässt sich hier um wichtige Aspekte wie Beschreibungen erfolgreich abgeschlossener Projekte ergänzen. Auch besteht hier die Möglichkeit, besondere Fähigkeiten hervorzuheben. Bei LinkedIn können Menschen aus dem eigenen Netzwerk diese Fähigkeiten per Mausklick bestätigen. So kann jeder sehr einfach Referenzen sammeln.
Bei der Auswahl der Fähigkeiten lohnt sich ein Abgleich mit als spannend empfundenen Job-Ausschreibungen: Die dort geforderten Eigenschaften können Techniker teilweise auch schon in ihre Profile einbauen. Das erleichtert Personalern oder Headhuntern das Auffinden.
Ausführliche Empfehlungen, die ebenfalls auf Business-Netzwerken gesammelt werden können, sind noch einmal wertvoller. Sinnvoll sind Empfehlungen aus Personalersicht vor allem dann, wenn sie von hierarchisch höher gestellten Personen oder Kunden stammen.
Kollegen in anderen Unternehmen, die mit ihren Empfehlungen ebenfalls die Bewerberauswahl beeinflussen können, werfen wahrscheinlich nur einmal einen Blick auf das Profil eines neuen Mitglieds – dann, wenn eine Kontaktanfrage eingeht. Anhand des Profils entscheiden sie, ob sie sich mit der Person vernetzen und auch Updates der Person im eigenen Stream lesen wollen.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind "IT und IT-Service", "Automotive" und "Computer Software" unter den Top-Vier der am häufigsten vertretenen Berufen. Es bestehen also gute Chancen, sich sowohl national als auch international ein gutes Netzwerk auf dieser Plattform zu schaffen. Doch auch Google+, ebenfalls sehr beliebt vor allem bei IT-Profis, bietet sehr gute Möglichkeiten, ganz gezielt zu netzwerken und seine Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen.
Schritt 3: Wie baue ich mir ein tragfähiges Netzwerk auf?
Gut Ding will Weile haben und auch ein tragfähiges Netzwerk braucht Zeit. Deshalb netzwerken Menschen nicht dann, wenn sie gerade auf Jobsuche sind, sondern permanent.
Laut einer Umfrage sind bei LinkedIn beispielsweise nur 11 % der Mitglieder aktuell auf Stellensuche. Für die große Mehrzahl stehen interessante Inhalte und der Austausch mit anderen klar im Vordergrund.
Der eigene "News Stream" generiert hier den eigentlichen Wert, und hier findet die "Hauptarbeit" beim Personal Branding statt. Hier gilt es, die Angaben, die man im Profil über seine eigenen Qualifikationen macht, mit wertvollen Beiträgen zu unterfüttern. Neben dem Austausch über Expertenthemen ist es hier das Ziel, einen Multiplikatoreneffekt zu erreichen: Finden andere die eigenen Updates hilfreich, teilen sie diese wiederum mit ihrem eigenen Netzwerk. So erreichen es Experten, von vielen anderen Personen entdeckt zu werden.
Netzwerke wie Twitter, Google+ und LinkedIn erlauben das Teilen von kurzen Updates, Links, Bildern und Videos. Wertvoll für andere können hier zum Beispiel Links zu aktuellen Studien oder Büchern sein, ein kleiner Live-Bericht von einem Vortrag – aber auch Blogposts, Podcasts oder Videos. Techniker, die oft selbst Vorträge halten, können ihre Präsentationen zudem auf Slideshare einstellen und diese dem Vortrags- sowie einem erweiterten Online-Publikum zugänglich machen.
Das klingt nach Arbeit? Das ist viel Arbeit. Doch wer es auf diese Art und Weise schafft, ein Profil aufzubauen, wird nicht nur für andere Unternehmen und seinen Traumarbeitgeber interessanter, sie oder er wird auch wertvoller für das eigene Unternehmen und kann so die Wertschätzung durch Kollegen und Vorgesetzte steigern.
Nach außen hin sichtbare Experten in den eigenen Reihen aufzubauen ist übrigens in einigen Unternehmen bereits Bestandteil des Marketing- beziehungsweise Kommunikationsplans. Wer sich für Personal Branding interessiert sollte deshalb auch die unternehmensinterne PR-Abteilung ansprechen, die möglicherweise bereits Expertenprogramme betreut oder vorbereitet. Wichtig hier: Niemand sollte sich im offiziellen Einsatz für die eigene Firma verbiegen müssen. Die eigenen Updates sollten immer irgendwie zum "Markenkern" des Profils aber auch zur eigenen Persönlichkeit passen.
Weitere Erfolgsfaktoren für Business-Netzwerker
Wer kompetent ist und dies zu kommunizieren weiß ohne arrogant oder aufdringlich zu wirken, hat sehr gute Karten in der Disziplin des Personal Branding. Hier einige weitere Erfolgsfaktoren, die dem eigenen Netzwerk einen Schub verleihen können:
Gesprächspartner kennen: Neuen Netzwerkern werden zuerst die vielen Unternehmens-präsenzen auffallen. Alle DAX30-Konzerne sind beispielsweise bei LinkedIn vertreten. Diese Kanäle werden meist vom Marketing betrieben. Wenn dieses einen guten Job macht und auf übermäßige Werbebotschaften verzichtet, dann lassen sich hier spannende Einblicke in die Firmenkultur gewinnen. Ein Austausch mit Corporate-Profilen ist nett, aber nicht besonders wertvoll in Hinblick auf Netzwerkkontakte. Hier gilt: Ausschau halten nach den Fachleuten und deren Profilen.
Erst geben, dann nehmen: In einem großen Netzwerk macht man auf sich aufmerksam, wenn eigene Beiträge oft geteilt oder positiv kommentiert werden. Doch wer diese Form der Anerkennung erwartet, muss auch bereit sein, selbst Anerkennung zu geben. Wer interessante Beiträge anderer entdeckt, sollte sie seinem Netzwerk nicht vorenthalten. Der Autor sieht außerdem, wer seine Beiträge mag und teilt, und wird sich gegebenenfalls auch eher mit den Beiträgen seines Unterstützers beschäftigen. Eine gegenseitige Verpflichtung besteht hier jedoch nicht.
Nach Partnern Ausschau halten: Online ist es sehr einfach, neue Kanäle, Medien oder Kampagnen aufzusetzen. Die meisten werden mangels guter Inhalte bald wieder eingestellt. Expertenwissen ist ein kostbares Gut im Kampf um Aufmerksamkeit. Deshalb: Wer dieses besitzt kann sich selbstbewusst nach Partnern umsehen, die ihm helfen, sich selbst besser zu vermarkten. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) beispielsweise sammelt aktuell Erfolgsgeschichten auf einer eigenen Website https://ingenieurgeschichten.vdi.de. Der Verein will so dem Berufsstand zu mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verhelfen und verfügt über ein weitreichendes Netzwerk, um dies zu tun. Die Inhalte aber müssen von Ingenieuren kommen. Werden diese auf der Website abgebildet, profitieren beide. Der VDI sowie der Ingenieur, der den Link zu seiner Geschichte wieder in seinen Netzwerken teilen kann.
Technik-Profis, die Personal Branding betreiben, nehmen ihr berufliches "Schicksal" selbst in die Hand. Sie beeinflussen, was Suchmaschinen ausgeben, wenn jemand ihren Namen eingibt. Sie bestimmen maßgeblich auch das Bild mit, das andere von ihnen haben – nichts anderes versuchen Marketing-Spezialisten auch für ihre Unternehmensmarken zu schaffen. Ja, Personal Branding ist aufwendig – kann aber auch viel Freude bereiten. Im Grunde beschäftigen sich Experten ja hier auch mit den Dingen, für die sie wirklich brennen – nur eben öffentlich. Wer Personal Branding gekonnt betreibt, hat auf jeden Fall einen Vorsprung gegenüber seinen klassisch veranlagten Kollegen – wie der Igel in der Fabel.










