Personaler äußern sich verhalten zum MBA

Corinne Schindlbeck,

MBA für Ingenieure – lohnt sich das?

Jede Menge Wirtschaftswissen, kleine Klassen, Top-Manager in Reichweite und praxiserfahrene Dozenten machen MBA-Programme auch für Ingenieure attraktiv. Bei Studienkosten ab 18.000 Euro sollte man allerdings die Investition genau prüfen. Und wissen, dass die Nachfrage nach MBA-Absolventen seit der Finanzkrise ihren Höhepunkt überschritten hat.

Alex Koster hat es geschafft. »Mein Ziel nach dem Studium der Elektrotechnik in Zürich und den USA war, mittelfristig ins Management in der Industrie zu gelangen, um bei großen Projekten mit anderen Menschen gemeinsam etwas zu bewegen«, sagt der Mann, der heute das Büro der Unternehmensberatung Booz Allen in Zürich leitet. Und wie hat er es geschafft? »Das MBA-Studium hat dafür sicherlich eine stabile Basis gelegt und mir geholfen, bei der Analyse komplexer Probleme sattelfest zu werden.«

Der Master of Business Administration (MBA) hat in Deutschland eine rasante Entwicklung hinter sich. Gab es vor 15 Jahren gerade drei bis vier Anbieter mit einer Handvoll Studenten, so sind es mittlerweile mehr als 130 mit mehr als 275 Programmen. Rund 6000 Studienplätze zwischen Flensburg und Rosenheim stehen mittlerweile zur Verfügung. Weltweit gibt es schätzungsweise 1500 Anbieter mit rund 5000 Programmen. Allein in den USA wird die Zahl der MBA-Studenten auf rund 300000 geschätzt, in Großbritannien auf 35000.

Die starke Nachfrage nach MBA-Programmen hat auf der einen Seite dazu geführt, dass heute fast in jeder größeren Stadt Deutschland eine Hochschule oder Business School mit einem MBA-Studiengang präsent ist – ganz abgesehen von den zahlreichen Teilzeit- und Fernstudienangeboten, bei denen es keine Rolle spielt, wo der PC steht, an dem man abends büffelt.

Die Kehrseite der Medaille: Der einst elitäre Nimbus der Meisterökonomen hat mit der wachsenden Zahl der Titelträger und dem offensichtlichen Versagen vieler MBA’ler im Vorfeld der Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt überschritten. Insbesondere in Deutschland messen Personaler Umfragen zufolge dem MBA keine höhere Bedeutung bei als einem anderen Masterstudium oder der Promotion.

Konkret auf die Einstellungschancen der Jung-Meister in ihrem Unternehmen befragt, drücken sich HR-Verantwortliche aus der Elektronikbranche um die Antwort herum. Beliebt sind ausweichende Floskeln wie »Das kann man nicht grundsätzlich beantworten« und »Wir haben in der Vergangenheit immer wieder  MBA-Absolventen eingestellt.“« Oder, wie es Julia Merkel, Leitung Corporate Executive Development der Metro AG in Düsseldorf, sanft formuliert: »Für die Metro Group haben weiterbildende Masterprogramme weiterhin einen hohen Stellenwert.«

In Wahrheit aber gibt es für MBAs weit weniger Stellen, als etwa für Spezialisten. Dazu kommt, dass die Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Management-Riegen abgebaut und ausgedünnt haben. Personalberater warnen schon seit Jahren unisono davor, mit »Karriere machen« immer »Manager werden« zu assoziieren. Denn wer Personalverantwortung übernimmt, bewegt sich weg vom Fach und ist irgendwann nur noch schwer zu vermitteln. Nicht umsonst tummeln sich so viele ehemaligen »Manager« in der Unternehmens- und Personalberaterbranche.

Auch die Softwareschmiede SAP gewinnt dem MBA einiges, aber nicht alles ab. Zwar entsendet der Walldorfer Konzern jedes Jahr eine Handvoll Nachwuchskräfte in das Executive MBA-Programm der Mannheim Business School. »Doch damit ist keine Beförderungsgarantie verknüpft«, warnt Peter Boback vom Global Executive Development vor Illusionen. »Mit dem Abschluss erhöhen die Leute ihren internen Marktwert und damit die Chance, bei der Bewerbung auf interne offene Stellen berücksichtigt zu werden.«

 

 

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MBA für Ingenieure – lohnt sich das?

Nach Angaben des GMAC Corporate Recruiters Survey 2009 ging die Zahl der weltweit neu eingestellten Masters auf 22000 zurück. Im Jahr zuvor waren es noch rund 35000 Kandidaten. Zum ersten Mal in der Geschichte des MBA müssen sich die Absolventen auf einen härteren Wettbewerb um aussichtsreiche Positionen einstellen. Trösten mögen sich die Absolventen damit, dass sie laut GMAC Global Management Education Graduate Survey im zurückliegenden Jahr immer noch weit mehr Jobangebote bekommen hätten, als während der vergangenen Wirtschaftskrisen.

Allerdings ist die Nachfrage nach jüngeren Absolventen ohne Berufserfahrung so niedrig wie nie zuvor. Nur zwei Prozent der Arbeitgeber suchen MBA-Absolventen mit weniger als einem Jahr Berufspraxis. 2008 lag diese Zahl noch bei elf Prozent. Nunzio Quacquarelli, Direktor der World MBA Tour-Messe, erklärt: „Arbeitgeber wollen erfahrene MBA-Absolventen, die ihnen helfen sollen, Probleme zu lösen oder in neue Markte zu expandieren. Man sucht gezielt nach erfahrenen Mitarbeitern, die den Eindruck machen, dass sie sofort etwas in Bewegung setzen können.”

„Ein MBA-Abschluss ist keine Garantie für einen beruflichen Aufstieg“, warnt denn auch Detlev Kran, Hochschulberater aus Brühl und Kenner der weltweiten MBA-Szene vor überzogenen Erwartungen. „Die persönliche Entwicklung, von der die meisten der MBA-Absolventen berichten, kann jedoch viel mehr wert sein als ein höherer Gehaltscheck.“ Zumindest aber verbessert ein MBA-Abschluss die Aussichten auf Gehaltssteigerungen. Und wer als Ingenieur im Management vorankommen will, der hat ohnehin kaum eine Alternative. Ohne BWL und Managementwissen ist schon die Ebene Bereichsleiter fest verschlossen.

Wer allerdings bereits mit Anfang, Mitte 30 eine verantwortungsvolle Position erklommen hat und sich auch weiterhin in seinem Unternehmen oder in seinem Spezialfach gute Karrierechancen ausrechnet, der kann sich das ein- bis zweijährige Vollzeitstudium schenken: Das Risiko, das mit der Aufgabe eines guten Jobs verbunden ist, ist höher als der erhoffte Schub nach oben. „Ein MBA kann sich zwar durchaus auch noch im fortgeschrittenen Alter lohnen, doch haben Einsteiger von 29 bis 35 Jahren den größten Karriereschub zu erwarten“, sagt Kran, „sie rücken im Mittel um mindestens eine Funktionsebene auf.“

Der Master of Business Administration kostet einschließlich Unterkunft und Verpflegung etwa so viel wie eine gut ausgestattete Mittelklasselimousine. An der Harvard Business School in Boston sind für das Standardprogramm rund 44000 Dollar fällig, die renommierte spanische Managerschmiede IESE in Barcelona verlangt fast 68000 Euro Studiengebühren, die Mannheim Business School berechnet für das Vollzeit-Programm 29000 Euro und die britische Open University für das Fernstudium mit immerhin noch rund 18000 Euro. Vollzeitprogramme dauern meist ein oder zwei Jahre, Teilzeitprogramme verschlingen etwa die doppelte Zeit. Doch dafür behält man seinen Job und spart man sich die Miete am zweiten Wohnsitz.

Weil fast alle Schulen mit Stipendien locken – für besonders begabte Studenten, für Frauen, für Familienmütter und –väter, für Angehörige bestimmter Nationalitäten –, sollte man sich immer nach Förderungsmöglichkeiten erkundigen. Wie manch andere Business School auch vergibt die niederländische TiasNimbas Stipendien für Ingenieure. Damit kommt sie sowohl den Interessen der Techniker wie denen der Wirtschaft nach. Die sieht in Ingenieuren und Naturwissenschaftlern nämlich die Idealkandidaten für einen MBA, und nicht etwa in Wirtschaftswissenschaftlern.

Die beste Anlaufstelle bei der Suche nach einem passenden MBA-Programm sind die jährlichen Rankings, die jedes Jahr von der Financial Times, dem Economist, der Business Week und dem Wall Street Journal herausgegeben und auch im Internet veröffentlich werden. „Wer allerdings dabei nicht ganz genau die Kategorien betrachtet und nur auf die Listenplätze achtet, wird zweiter Sieger sein“, gibt Kran zu bedenken. „Es ist ganz entscheidend, ob etwa Professoren oder Studierende oder Unternehmen gefragt werden.“

In Deutschland gibt es noch keine Rankings der MBA-Programme. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Infos

Rankings internationaler MBA-Programme:

Business Week              

Economist                       

Financial Times             

Wall Street Journal         

Informationen über MBA-Programme und Business Schools, Tipps zur erfolgreichen Bewerbung und Hinweise zur Finanzierung des MBA Studiums:

http://www.mba.de/

http://mba-gate.de/

http://www.mba-channel.com/

http://www.topmba.com/

http://www.mba-guide.de/


Buchtipps

William Cox: MBA für Executives: Die besten berufsbegleitenden Schulen Europas. Frankfurt 2004, 34 Euro.

William Cox: Die besten MBA-Programme in Europa. Frankfurt 2006, antiquarisch ab 10 Euro.

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