VDE-Studie 'Young Professionals'

Corinne Schindlbeck | Davina Spohn,

Hohe Wechselbereitschaft unter Elektroingenieuren

Weniger als fünf Bewerbungen, drei Vorstellungsgespräche und zwei Angebote: Keine andere Berufsgruppe blickt laut einer aktuellen VDE-Studie so positiv in die Zukunft wie junge Elektroingenieure. Sechs von zehn Befragten sind sich sicher, eine deutlich bessere Perspektive zu haben als Juristen oder Betriebswirte.

Elektroingenieure empfinden ihre Gehälter als geringer als bei anderen Berufsgruppen. Ihr Anfangsgehalt liegt bei durchschnittlich 37.600 Euro. Frauen erhielten im Schnitt zehn Prozent weniger als Männer, FH-Abgänger zwölf Prozent weniger als Uni-Abgänger.

© VDE

Für die aktuelle VDE-Studie 'Young Professionals' hat der VDE über 400 Berufseinsteiger der Elektro- und Informationstechnik befragt.  Im Vergleich zu ihren Kommilitonen aus wirtschaftswissenschaftlichen oder juristischen Studiengängen fühlen sich Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik deutlich besser gestellt. Neun von zehn Young Professionals beschreiben ihren Beruf als intellektuell herausfordernd, spannend und gesellschaftlich nützlich. Für 80 Prozent der Befragten gewährleiste er  Arbeitsplatzsicherheit und eine hohe Arbeitszufriedenheit (83 Prozent). Auch was die Entwicklungsmöglichkeiten und den Gestaltungsspielraum angehen, sehen sie sich Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern gegenüber deutlich im Vorteil.

Der Trend ist eindeutig: Zwei von drei Hochschulabsolventen der Elektro- oder Informationstechnik benötigten weniger als fünf Bewerbungsschreiben. Im Durchschnitt stellten sie sich bei drei Arbeitgebern vor und wählten dann unter zwei Angeboten aus. Obwohl sie erst zwei bis drei Jahre  ihrem Beruf nachgehen, haben zwölf Prozent bereits Personalverantwortung. 28 Prozent erwarten, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre in eine entsprechende Position aufsteigen werden. Allerdings bemängeln 68 Prozent, dass Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern mehr gesellschaftliche Anerkennung zu teil wird. Und das trotz der gesellschaftlichen Nützlichkeit, die knapp 90 Prozent der Befragten ihrem Beruf zuschreiben.

 

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Zudem empfinden sie ihre Gehälter als geringer als bei den beiden anderen Berufsgruppen. Dabei lag das Anfangsgehalt der Befragten bei durchschnittlich 37.600 Euro. Frauen erhielten im Schnitt zehn Prozent weniger als Männer, FH-Abgänger zwölf Prozent weniger als Uni-Abgänger. In kleinen Unternehmen lag das Anfangsgehalt zehn Prozent niedriger als in Großunternehmen und Studienabgänger ohne Auslandserfahrung mussten mit zwölf Prozent weniger Vorlieb nehmen. Allerdings verdienen die Elektroingenieure nach durchschnittlich zweieinhalb Jahren Berufstätigkeit im Mittel bereits 21 Prozent mehr als zu Beginn.

Familie und Privatleben sind für 90 Prozent der Young Professionals wichtiger als die Karriere. Zwar sind sie sich darüber im Klaren, dass eine Karriere nur möglich ist, wenn Abstriche beim Privatleben gemacht werden. Aber sie sehen sich beim Thema „Work-Life-Balance“ anderen Berufsgruppen gegenüber klar im Vorteil: Jeder zweite Young Professional ist überzeugt, dass seine Arbeitszeiten geregelter sind und dass Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren sind als bei Akademikern mit juristischer oder wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung. Trotzdem ist für drei Viertel aller Befragten der Beruf des Ingenieurs gelegentlich auch durch ständige Verfügbarkeit, häufige Überstunden oder Wochenendarbeit geprägt. Teilzeitarbeit oder gar das Aussetzen für mehrere Jahre sind für die meisten keine Option. Für über 80 Prozent der befragten Frauen sind Auszeiten 'einfach nicht machbar'. Fast 90 Prozent aller Befragten sind dennoch davon überzeugt, Familie und Beruf letztlich doch miteinander in Einklang bringen zu können

Welche Arbeitsbedingungen sich junge Elektroingenieure wünschen

Elektroingenieure wünschen sich heute in erster Linie eine berufliche Tätigkeit, mit der sie sich identifizieren können. Sie wollen das Gefühl haben, etwas bewegen zu können und Neues zu lernen (mehr als 50 Prozent empfinden das als 'sehr wichtig'). Weder die Möglichkeit des digital vernetzten Arbeitens noch Reisemöglichkeiten gelten als so erstrebenswert wie eine kollegiale, persönliche Arbeitsatmosphäre (8 und 9 Prozent zu 66 Prozent Zustimmung). Ein wichtiger Wunsch der Young Professionals ist zudem, dass der Arbeitgeber eine langfristige Perspektive bietet. Ein überdurchschnittliches Gehalt und Internationalität werden als angenehm empfunden, haben aber keine Priorität. Hierarchien werden durchaus akzeptiert. Das Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben (Work-Life- Balance) spielt bei Männern und vor allem bei Frauen zwar eine wichtige Rolle, aber die Trennung von Geschäftlichem und Privatem ist in der gegenwärtigen Generation von Berufseinsteigern generell kein mehrheitlicher Wunsch mehr. Weder bei Frauen noch bei Männern.

Gut die Hälfte aller Young Professionals trägt sich mit dem Gedanken, in den kommenden drei bis fünf Jahren den Arbeitgeber oder den Tätigkeitsbereich zu wechseln: F&E, Projektierung und Engineering sind dabei die beliebtesten Tätigkeitsbereiche, in die es Wechselbereite zieht. Gut ein Viertel der Befragten möchte sogar die Branche wechseln. Die Bereitschaft, über Wechsel nachzudenken, ist bei Frauen um rund fünf Prozentpunkte geringer ist als bei Männern. Für die meisten Wechselinteressierten sind Unternehmen mit 100 Beschäftigten und mehr dabei attraktiver als kleine Unternehmen. Nur wer bereits in einem kleinen Unternehmen arbeitet, hat auch eine höhere Neigung, wieder ein kleines Unternehmen zu wählen. Zwei Drittel aller Young Professionals, die in Hochschulen beschäftigt sind, nutzen die Zeit für die Promotion und streben danach eine Karriere in einem Unternehmen an. Nur jeder Siebte möchte nach der  Promotion an der Hochschule bleiben und strebt eine wissenschaftliche Karriere an. Fast 40 Prozent haben bereits ernsthaft über Selbstständigkeit nachgedacht. Fünf Prozent haben ihre Selbstständigkeit sogar bereits durchgeplant und 13 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass sie in den nächsten drei bis fünf Jahren ihre Absicht realisieren werden. Dabei ist der Anteil der Frauen, die allgemein oder konkret darüber nachdenken, Unternehmerinnen zu werden, nur halb so groß ist wie bei Männern.

Acht von zehn möchten ins Ausland

Die Studie belegt ein hohes Interesse der Young Professionals, für eine kurze Zeit auch im Ausland berufliche Verantwortung zu übernehmen: 60 Prozent haben Interesse daran, für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ins europäische Ausland zu gehen, 23 Prozent könnten sich einen längeren Aufenthalt vorstellen. Sieben von zehn würden gerne ein Arbeitsangebot in den USA annehmen. Asien ist für rund 50 Prozent der Befragten interessant. Die Bereitschaft ist dabei durchgängig dann am größten, wenn während des Studiums bereits Semester oder Praktika im Ausland absolviert wurden. Beruflicher Anteil von Frauen in den Unternehmen In den Unternehmen und Institutionen, in denen junge Ingenieure und Ingenieurinnen beschäftigt sind, liegt der Anteil der Frauen mit MINT-Ausbildung bei durchschnittlich 13 Prozent: In Hochschulen und Forschungsinstituten sind es 18 Prozent, in Unternehmen 11 Prozent. Bei den Führungskräften sind Frauen mit einem Anteil von knapp 8 Prozent vertreten.

Rahmendaten der Erhebung

Befragt wurden insgesamt rund 400 Young Professionals, davon waren 13 Prozent weiblich. Gut die Hälfte der Befragten hat ausschließlich an einer Universität studiert. 11 Prozent haben während des Studiums zwischen FH und Uni gewechselt. Die meisten Befragten sind in Unternehmen beschäftigt. In Hochschulen und Instituten arbeitet ein Viertel der Befragten. Die meisten der Young Professionals arbeiten im Bereich der Elektroindustrie (23 Prozent), gefolgt von Energiewirtschaft, IuK, Automotive, Maschinenbau und Medizintechnik. Die Befragten arbeiten am häufigsten in F&E-Abteilungen, gefolgt von Projektierung und Engineering. Gut Zwei Drittel sind Spezialisten oder Sachbearbeiter, jeder Zehnte ist Gruppen- oder Abteilungsleiter. Neun von zehn Young Professionals arbeiten in einem deutschen Unternehmen, 4 Prozent in einem amerikanischen. Die Hälfte der Berufseinsteiger ist in Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern beschäftigt, in kleinen (Beratungs-)firmen mit bis zu zehn Beschäftigten dagegen nur drei Prozent.

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