VCs wollen Cleantech

Corinne Schindlbeck, Markt&Technik | Corinne Schindlbeck,

Halbleiter-Gründer sind nicht mehr gefragt

Risikokapitalgeber haben 2009 so wenig in junge Hightech-Firmen investiert wie lange nicht mehr. Eine schnelle Markterholung ist nicht in Sicht. Cleantech läuft indessen Halbleiter und Elektronik den Rang ab.

Was kann man jungen Gründern raten, die auf der Suche nach Finanzierung sind und die fff-Geldquellen (friends, family & fools) ausgeschöpft haben? Am ehesten sollten sie dann bei der staatlichen KfW oder dem High-Tech-Gründerfonds ihr Glück versuchen, denn anderswo ist derzeit wenig zu holen. Öffentliche Investoren übernahmen zumindest im vierten Quartal 2009 fast die Hälfte aller Beteiligungen, private Wagnisfinanzierer zeigten sich so wählerisch wie seit Jahren nicht mehr.

Zu diesem Ergebnis kommt das Venture Capital Panel, eine regelmäßige Befragung der wichtigsten Risikokapital-Investoren in Deutschland, die von der Private-Equity-Beratung Fleischhauer, Hoyer & Partner vierteljährlich erhoben wird.

Im Vergleich zu 2008 sank das privat investierte Kapital der wichtigsten deutschen VCs, abgebildet vom VC-Panel der Beratungsgesellschaft FHP, im Gesamtjahr 2009 um rund 40 Prozent auf 334 Mio. Euro. Die Zahl der gehaltenen Beteiligungen ging hier von 493 auf 466 zurück. Exits, also die Verkäufe (Trade Sales) oder Börsengänge (IPO) der Investments, waren wegen der Finanzkrise stark eingeschränkt bis nicht möglich. Die Anzahl der erfolgreichen Exits fiel auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Untersuchungen durch FHP. Die Anzahl der Abschreibungen stieg auf 50 Prozent.

Da vielen Gesellschaften schlicht die Investoren fehlen, um neue Fonds aufzulegen, fällt auch der Ausblick auf das laufende Jahr nicht besser aus: Nur 43 Prozent der privaten Venture Capital Gesellschaften geben an, 2010 mehr zu investieren als 2009. Gut zwei Drittel wollen sich in diesem Jahr verstärkt auf die Weiterentwicklung ihrer Unternehmen im Portfolio sowie den Verkauf von Beteiligungen konzentrieren – weil sie kein frisches Geld haben. Götz Hoyer von FHP Partners rechnet frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2011 mit wieder steigenden Investments, so lange werde es mindestens dauern, bis neue Fonds erfolgreich aufgelegt seien.

 

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Halbleiter-Gründer sind nicht mehr gefragt


Noch die besten Aussichten auf Finanzierung haben Hoffnungsträger aus Umwelt- und Medizintechnik, denn diese Sparten sind aus Investoren-Sicht die »heißesten« für die Zukunft. Schwer wird es hingegen für Start-ups aus den Bereichen Halbleiter und Elektrotechnik. Rund 40 Prozent der von FHP befragten Panelteilnehmer erklären, dass sie sich in diesen Branchen künftig mit Investitionen zurückhalten werden.

Zu den aktivsten Investoren gehörten Wellington Partners (9 Erstinvestments/18 Folgeinvestments), IBB Beteiligungsgesellschaft (8/16) und Holtzbrinck Ventures (4/12). Der Technologiegründerfonds Sachsen schloss die meisten Erstinvestments ab (14). Das meiste Kapital gab es von Wellington Partners (59 Mio. Euro), TVM Capital (21 Mio. Euro) und Earlybird (16 Mio. Euro).

Der Bund hat sein Fördervolumen durch die KfW Mittelstandsbank kräftig erhöht und versucht damit, die Finanzierungslücke zu schließen: 23,8 Mrd. Euro wurden 2009 an kleine und mittelständische Unternehmen gezahlt, das entspricht einer Steigerung um 40 Prozent. Darin enthalten war das zu Beginn des Jahres 2009 gestartete KfW- Sonderprogramm mit Kreditzusagen von insgesamt 7,2 Mrd. EUR bis zum Jahresende.

Um wieder aus der Krise zu kommen, müssen neue Konzepte her. Eines der erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Private Equity-Branche waren so genannte »Leveraged Buy Outs«, also kreditfinanzierte Firmenübernahmen. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. »Banken geben Private Equity-Fonds zwar wieder Kredite, aber zu schlechteren Konditionen. Übernahmen mit minimalem Eigenkapitaleinsatz gehören der Vergangenheit an.«, erklärt Richard Burton, Leiter des Bereichs Private Equity bei Pricewaterhouse Coopers. Einer neuen Studie von PwC zufolge glauben zwar gut 50 Prozent der ausländischen und sogar über 60 Prozent der deutschen Fonds, dass in den kommenden zwölf Monaten mehr Kredite zur Verfügung stehen werden als 2009. Eine Verbesserung der Finanzierungskonditionen erwartet jedoch insgesamt nur jeder dritte Befragte.

Entsprechend sind 90 Prozent der Finanzinvestoren der Ansicht, dass »Leveraged Buy Outs« mit überwiegender Kreditfinanzierung seltener werden, während 60 Prozent eine intensivere Zusammenarbeit mit strategischen Investoren erwarten:  Rund jeder zweite Fondsmanager rechnet verstärkt mit »Club Deals«, auch syndizierte Investments genannt, bei denen mehrere Private-Equity-Gesellschaften ein Konsortium bilden.

Die Krise hat jedoch nicht nur die Finanzierungsbedingungen, sondern auch die Investitionsstrategien der Private-Equity-Branche verändert. So berücksichtigt mittlerweile die Mehrzahl der Fonds bei der Entscheidung über eine Beteiligung auch Nachhaltigkeitskriterien. Dies gilt insbesondere für ausländische Fondsgesellschaften.

 

Halbleiter-Gründer sind nicht mehr gefragt


Auf die Umweltbilanz eines Portfoliounternehmens achten 80 Prozent der ausländischen Fonds, allerdings nur 68 Prozent der deutschen. Der Energieverbrauch spielt für 70 Prozent der Befragten (deutsche Fonds: 62 Prozent) eine Rolle. Dabei sei vier von fünf Private-Equity-Fonds bewusst, dass die Auswahl der Investments auch Konsequenzen für die eigene Reputation und damit die langfristigen Investitionschancen habe, so PwC.

Für den »Private Equity Trend Report« befragte PwC rund 190 Finanzinvestoren, darunter 37 aus Deutschland. Jeder fünfte Fonds verwaltet ein Beteiligungsvermögen von mehr als einer Milliarde Euro. Nahezu 80 Prozent der Fonds rechnen hierzulande mit einer Marktbelebung. Jeder fünfte Finanzinvestor erwartet keine Veränderung gegenüber 2009, eine Verschlechterung befürchtet keiner der Befragten.

Auch die ausländischen Fonds sehen die Entwicklung in Deutschland überwiegend positiv. Bis zum Jahr 2014 planen 70 Prozent von 150 befragten internationalen Gesellschaften eine Beteiligung an deutschen Unternehmen. Derzeit ist erst gut jeder zweite ausländische Fonds in Deutschland aktiv.
Gleichzeitig bewerten nur noch knapp 20 Prozent der ausländischen Fonds das Investitionsumfeld in Deutschland als schlecht oder sehr schlecht. Vor zwei Jahren sahen noch 36 Prozent den Standort überwiegend negativ.

Die Entwicklung ihrer Portfoliogesellschaften bewertet die überwiegende Mehrheit der  Finanzinvestoren ungeachtet der Wirtschaftskrise überraschend gut. Lediglich zwölf Prozent der Befragten äußern sich »unzufrieden« über die Performance im Jahr 2009, während gut die Hälfte »zufrieden« und 13 Prozent sogar »sehr zufrieden« sind. »Der Krise begegnen viele Beteiligungsgesellschaften mit einem drastischen Sparkurs. Ob das auch die Fonds-Investoren überzeugt, bleibt abzuwarten«, kommentiert Burton die Einschnitte. Zudem nutzten drei von vier deutschen Beteiligungsgesellschaften Kurzarbeit.

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