Überflüssig oder nützlich für die Karriere?
Für welche Ingenieure sich ein MBA lohnt
Ingenieure sollen sich weiterbilden, um für den Arbeitsmarkt interessant zu bleiben. Firmen wünschen sich für die technische Laufbahn vor allem Spezialkenntnisse, für Führungskräfte sind Soft-Skills und BWL-Wissen unerlässlich. Lohnt sich also ein (Vollzeit-) MBA? Darüber sind sich Personalberater nicht einig.
Die Wiege des MBA liegt in den USA. Harvard, Stanford, Yale – diese klangvollen Namen hat jeder schon mal gehört und wer einen Vollzeit-MBA von solch einer renommierten Hochschule vorweisen kann, ist mit Sicherheit ein Kandidat für eine steile Karriere, zum Beispiel im Consulting. In Deutschland gibt es keine Schule mit einem vergleichbaren Ruf. Das liegt daran, dass es MBA-Programme hierzulande noch nicht sehr lange gibt. Zu Beginn der 90er Jahre waren es gerade mal eine Handvoll in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heute haben weiterbildungswillige Berufstätige die Qual der Wahl unter rund 400 Angeboten. Anders als in den USA werden hierzulande die meisten Programme in Teilzeit neben der Berufstätigkeit angeboten, speziell mit der Fachrichtung „General Management“ sind es nur rund ein Viertel, schreibt Detlef Kran, Kenner der Szene und Autor des „MBA-Guide“ aus dem Verlagshaus Wolters Kluwer.
So bietet zum Beispiel die FH Landshut einen sehr anwendungsnahen Teilzeit-MBA „Systems and Project Management“ an. Studienleiter Prof. Dieter Nazareth will sich bewusst von herkömmlichen MBA-Programmen absetzen: „Unsere Ausbildung ist sehr technisch orientiert – als MBA hart an der Grenze.“ Denn nicht der Titel, sondern das Wissen sei doch für das Weiterkommen entscheidend. Projektverantwortung, oft für Großprojekte, das geht oft einher mit einer Beförderung – das nötige Rüstzeug könne man hier in Landshut lernen. Firmen aus dem Umkreis schätzen das praxisnahe Angebot und schicken den Nachwuchs häufig in die alte Fürstenstadt. Die Kosten halten sich mit rund 15.000 Euro vergleichsweise im Rahmen – auch das ist ein nicht unwesentlicher Faktor, schließlich muss sich der MBA für die weitere Karriere auszahlen.
Ob er das wirklich tut, da sind sich längst nicht alle Personalberater einig. Zu den Befürwortern eines Vollzeit-MBAs gehört Marlen Erber-Ludwig von Erber-Ludwig und Partner. Wird die Zusatzqualifikation "MBA" Ihrer Erfahrung nach von den Unternehmen honoriert und bedeutet es für die Kandidaten einen Karrieresprung und mehr Geld? „Eine zusätzliche MBA-Qualifikation ist insbesondere bei Ingenieuren, die eine Position im Marketing, Vertrieb oder Management anstreben, ein wichtiges Entscheidungskriterium für Unternehmen und wird auch entsprechend honoriert“, sagt sie. Bei Kandidaten mit betriebswirtschaftlichem Studium dagegen habe der MBA keinen so hohen Stellenwert. Wesentlich sei, wo der MBA gemacht wurde. „Er sollte auf jeden Fall international und bei einer anerkannten Universität erworben sein, z.B. auch in den USA. Die hohen Kosten hierfür zahlen sich aus.“, glaubt Erber-Ludwig. Auch berufsbegleitende Teilzeitangebote zum MBA kann die Personalberaterin empfehlen. „Je nach Position ist auch ein MBA mit einem spezifischen Schwerpunkt wie z.B. im Projektmanagement absolut lohnend, auch wegen der hohen Methodenkompetenz, die in komplexen Strukturen erforderlich ist.“
Ob es sich um einen MBA als Teilzeit- oder Vollzeitangebot handele, mache keinen Unterschied. Ein Teilzeit-MBA habe schlicht den Vorteil, dass der Beruf ohne Unterbrechung weiter ausgeübt werden könne, allerdings erfordere diese Vorgehensweise auch sehr viel Disziplin und koste Freizeit und Urlaub über einen Zeitraum von oft mehreren Jahren. „Unsere Erfahrung mit diesen Kandidaten ist, dass sie sehr zielorientiert und einsatzbereit sind und über eine überdurchschnittliche Frustrationstoleranz verfügen.“ Und welcher Personalentscheider liebt solche Attribute nicht?
"Nur was fürs Ego"
Ganz anderer Meinung ist da Michael Winkler, Personalberater und Geschäftsführer der Sonar GmbH aus München. Seiner Erfahrung nach honorieren Unternehmen die Zusatzqualifikation "MBA" nicht, „eher im Gegenteil, der Mittelstand interpretiert zu lange Ausbildungen oder Weiterbildungen sogar negativ.“ Etwas anders sehe es aus bei Teilzeit-Programmen. „Unserer Erfahrung nach hat die berufsbegleitende Version des MBAs in ca. 25 Prozent der uns bekannten Fälle einen Sinn ergeben: Hier hatten die Bewerber ohnehin schon in die gewünschte Richtung gearbeitet (technisches Marketing, Vertriebsunterstützung, Produktmanager, Projektmanager, etc…) und hatten im jeweiligen Bereich Defizite gezeigt. Da hatte es Sinn gemacht, nicht nur einen entsprechenden „Kurs“ zu buchen, sondern gleich einen MBA-Abschluss mit zu machen.“
Für welche Ingenieure ist seiner Meinung nach ein MBA geeignet? Winkler: „’Herz-Blut-Ingenieure’, die es lieben, im Bereich R&D, Produktion, etc. zu arbeiten sollten sich „technisch orientiert“ weiterbilden und spezielle Fachausbildungen machen (LED, Messtechnik, Laser, PCB, IT, etc.), das wird wirklich honoriert. Diejenigen, die sich als Ingenieure gern in Richtung Vertrieb erklärungsbedürftiger Produkte, technisches Marketing, Produktmanagement, etc. entwickeln wollen, sollten sich sehr genau informieren, welcher MBA-Schwerpunkt für sie der sinnvollste ist und ob ggf. das eigene Unternehmen dies auch honorieren wird und dann diese Weiterbildung zügig durchziehen.“
Dr. Michael Schanz ist Experte für den Ingenieurberuf beim Branchenverband VDE. „Je weiter man sich von der Entwicklung von Technik entfernt – also in Richtung Management, Marketing oder Vertrieb - desto mehr lohnt sich für die Karriere tieferes Wissen darüber, wie sein Unternehmen oder andere Unternehmen funktionieren.“ Unternehmensorganisation, Vertragsrecht, Rechnungswesen, Unternehmenskennzahlen, Marketingstrategien, volkswirtschaftliche Zusammenhänge usw. - all dies lerne man in einem MBA-, BWL- oder Wirtsch.-Ing-Studium. „Es lässt sich allerdings darüber diskutieren, ob es gleich ein ganzes Studium sein muss oder ob man sich das nötige Wissen in Trainee-Programmen, Seminaren oder einfach 'on the job' erwirbt“, gibt Schanz zu bedenken. „Für ein Job bei einem Unternehmensberater oder im Controlling eines großen technischen Unternehmens wäre ein richtiges wirtschaftsorientiertes Studium aus meiner Sicht angeraten. Für eine Position im mittleren oder höheren Management ist wirtschaftliches Hintergrundwissen sehr wichtig, ein entsprechendes Studium aber keine notwendige Voraussetzung.“
Personalberater Norbert Ritter aus Moosburg bei München hat im Wesentlichen mit Vertrieb und Applikation zu tun. „Hier sehen wir die MBA-Weiterbildung meist nur bei Technikern, die viel mit Ingenieuren zu tun haben. Nachdem sie bereits technisch voll im Leben stehen, ist die Qualifikation meist im betriebswirtschaftlichen Bereich. Ob es finanzielle und karrieremäßige Auswirkungen hat, kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall ist der MBA gut für das Ego.“
Christian Pape, Vorstand der Personalberatung Pape Consulting, mahnt an, die Bedeutung von Bildung nicht zu überschätzen: „Berufserfahrung, Soft Skills und der persönliche Eindruck, den der Bewerber im Gespräch hinterlässt, sind häufig wichtiger für Unternehmen.“ Während ein MBA besonders in der Finanzbranche und bei Unternehmensberatungen gefragt sei, könne in naturwissenschaftlichen Berufen eher eine Promotion das Gehalt aufbessern. „Ein Doktortitel kann hier die Aufstiegschancen verbessern. Gerade große Unternehmen legen Wert auf die Repräsentationskraft, die der Titel ausstrahlt“, so Pape, „und ich sehe das genauso, man sollte die Bedeutung nicht überschätzen, nur in konservativen Unternehmen hat der MBA als Schlüsselqualifikation noch Bedeutung, bei moderneren Firmen zählt einzig die Persönlichkeit für die Karriere.“ Pape rät nur denjenigen zum MBA, die ihr Fachwissen aufbessern oder die Auszeit möchten, um den eigenen Berufswunsch zu schärfen. Und schränkt ein: „Größere Gehalts- oder Karrieresprünge sind damit nicht automatisch zu erwarten“.










