Karriere (News)
Beliebt ist, was Rang und Namen hat
Keine Überraschung, keine dramatische Umwälzung: Die beliebtesten Arbeitgeber sind nach wie vor die Großen, die Internationalen und die Geschäftstüchtigen der Branche.
Die meisten Hochschulabsolventen und Professionals würden liebend gern bei den Big Shots arbeiten und übersehen dabei allzu leicht die »Hidden Champions«, die nicht nur in punkto Innovation und Jobsicherheit einiges zu bieten haben.
Anders leben wollen sie, anders arbeiten und anders aussehen als die Generation zuvor ohnehin. Doch wenn es um ihre Wunsch- Arbeitgeber geht, erweisen sich Anfang Zwanzigjährige als erstaunlich konservativ. Zwar bewundern Jungingenieure kleine, innovative, aggressiv den Markt »machende« Unternehmen – aber mit ihren ersten Schritten ins Berufsleben treten sie lieber auf vermeintlich sicheres Terrain.
Es zieht sie dorthin, wo ihre Väter vermutlich auch gern angefangen hätten. Wie eh’ und je wollen junge Autobauer gern »beim Daimler schaffen«, Maschinenbauer zieht es zu Gildemeister & Co. und die meisten Elektroingenieure wollen direkt nach ihrem Abschluss am liebsten zu Rohde & Schwarz, zu TI, Infineon, zu Phoenix Contact und zu Analog Devices. Hinter dieser Handvoll ähnlicher Kaliber diffundieren die bevorzugten Anfangsstationen in voller Breite aus.
Das jedenfalls lässt sich aus den gebündelten Aussagen von Headhuntern, Karriereberatern und Arbeitgeberrankings schließen: Ein paar Erkundungsjahre bei den großen und national wie international erfolgreichen Unternehmen verschaffen Ingenieuren und Technikern eine gute Ausgangsposition im späteren Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt. Im Kern sehen die Arbeitgeber- Charts also kaum anders aus als zu der Zeit, da Helmut Kohl noch Kanzler, die New Economy a sexy thing und weltweite Finanzkrisen ein Spezialgebiet für dröge Wirtschaftshistoriker waren: Die beliebtesten Arbeitgeber bei Hochschulabgängern und Professionals sind die Klassiker der jeweiligen Branche.
Nichts anderes belegt das »Absolventenbarometer«, das vom Berliner Trendence-Institut in diesem Jahr zum zehnten Mal vorgelegt worden ist. Studierende und Absolventen wählen dazu aus einer Liste mit vorgegebenen Namen diejenigen aus, die sie für besonders attraktiv halten.
Top 100 der Sparte »Engineering«
Ganz vorne in der Top 100 der Sparte »Engineering« rangieren die Autobauer Audi, Porsche und BMW, gefolgt von den Energie-, Chemie- und Maschinenbaukonzernen. Als erstes reinrassiges E-Unternehmen führt Rohde & Schwarz auf Platz 38, gefolgt von Infineon (44), Sennheiser (48), Intel (54) und Texas Instruments (81). Beim internationalen Wettbewerb »Great Place to Work« hingegen entscheiden nicht die Arbeitnehmer der Zukunft über den Platz im Ranking, sondern andere Unternehmen.
Benchmarks sind Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness des Managements gegenüber den Mitarbeitern, Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Tätigkeit und dem Unternehmen sowie der Teamgeist. Aktueller Jahressieger in der Kategorie der Großunternehmen ist zum dritten mal in Folge die SAP AG, bei den mittelgroßen hat Cisco die Nase vorn, und bei den kleinen Firmen bis 500 Mitarbeiter heißt der Gewinner wie im Vorjahr ConSol Software. Im Weiteren sind mit Rohde & Schwarz, Phoenix Contact und Texas Instruments die üblichen Verdächtigen dabei – allerdings ohne Rangziffer, denn außer den ersten drei werden alle anderen nur in alphabetischer Ordnung genannt.
»Topjobs « in der Elektronik und Elektrotechnik
Mit einer dritten Methode kürt die Studie »Topjob« jedes Jahr die 100 besten Arbeitgeber im Mittelstand. Wissenschaftler der Universität St. Gallen untersuchen dazu die sechs Kategorien Kultur und Kommunikation, Führung und Vision, Motivation und Dynamik, Entwicklung und Perspektive sowie Familien- und Sozialorientierung. Neben anderen werden dazu Mitarbeiter und Berater gehört. »Arbeitgeber des Jahres 2008« ist in dieser Konkurrenz Phoenix Contact.
Pluspunkte gab es für Fitnessräume, Geldautomaten auf dem Betriebsgelände, Mitspracherechte der Beschäftigten bei der Formulierung der Unternehmensziele und betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarung von Privat- und Familienleben. Vor drei Jahren trug die Zollner Elektronik AG in Zandt denselben Titel nach Haus.
Mit nicht gelindem Stolz, wie Josef Pielmeier, Leiter Personalcontrolling des Unternehmens, zu Protokoll gibt: »Wir vergleichen uns regional und überregional in der Personalarbeit mit Spitzenunternehmen.« Das Personalmarketing habe dagegen eine untergeordnete Rolle gespielt, an der Ausscheidung teilzunehmen. »Nach außen hin waren wir bei der Kommunikation des Preises bescheiden.« Dennoch stieg die Zahl der Bewerbungen bei Zollner nach der Auszeichnung an, immerhin um ein Viertel mehr als in Normaljahren.
»Topjobs « in der Elektronik und Elektrotechnik
Zu den weiteren Anbietern von »Topjobs « in der Elektronik und Elektrotechnik gehören Wago in Minden, die Pilz GmbH in Herne, Phytron- Elektronik in Gröbenzell, TTS in Wendlingen, ddm hopt + Schuler in Rottweil, Lüdtke in Herxheim, Berger Lahr in Lahr, Yamaichi Electronics und Huber + Suhner in München sowie EnOcean in Oberhaching.
All das sind florierende mittelständische Unternehmen, die kein bundesweit suchender Student der E-Technik ohne weiteres auf dem Radar hätte. Und doch zeigt der Blick auf die Homepage, dass Bewerbungen von Examenskandidaten und erfahrenen Fachleuten sehr gern entgegengenommen werden. Mangels massenhaft eintrudelnder Blindbewerbungen wie bei den allzeit beliebten dürften sie auch schneller die Bearbeitungsroutine passieren.
Personaler schnüren individuelle Einstiegspakete
»Rankings sind eine gute Orientierung, dürfen aber nicht die einzige sein«, meint Udo Bohdal, Partner im Bereich Personalberatung bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in Frankfurt. Er weist dem Image eines Unternehmens einen großen Einfluss auf dessen Position in der Arbeitgeberbewertung zu. Das Image wiederum hat viel mit sichtbarer Präsenz zu tun.
Insbesondere die Konzerne verpassen kaum eine Gelegenheit, um sich auf Jobbörsen, Hochschulmessen und an den Universitäten selbst in Szene zu setzen und für ihre Nachwuchsprogramme zu trommeln. Das darüber vermittelte Bild aber, so der Deloitte-Manager, lasse sich nicht automatisch auf Arbeitsinhalte und Karrieremöglichkeiten übertragen. Er rät deshalb zur eigenen Recherche und zur Nutzung vieler Informationsquellen.
Gut beraten ist deshalb, wer seinem Lemminginstinkt Einhalt gebietet und den Blick bei der Arbeitgeberwahl um 360 Grad kreisen lässt. Karrierechancen eröffnen nämlich nicht nur die, bei denen alle anderen Banknachbarn auch anheuern wollen, sondern auch die geheimen Champions in und am Rande der Elektronikbranche. Zahlreiche Firmen, an deren Ständen man auf den großen Fachmessen sonst ahnungslos vorbeilaufen würde, sind derzeit noch gut im Geschäft und suchen dringend Verstärkung.
Personaler schnüren individuelle Einstiegspakete
Für Hochschulabsolventen und junge Praktiker schnüren die Personaler individuelle Einstiegspakete mit zum Teil überraschend zügiger Übernahme von Verantwortung. Hier die heißen Tipps der Personalberater: Neben dem Siemens- Spin-off EnOcean, Spezialgebiet Hochfrequenztechnik, Sensorik und Gebäudeautomation, gehörten dazu Elmos Semiconductor, die Kathrein-Werke in Rosenheim, die Lapp Group in Stuttgart, Würth Elektronik, Heraeus, der Chipkartenhersteller Mühlbauer, Delo als Produzent von Hightech- Klebstoffen sowie Austriamicrosystems in Graz.
Dazu die häufig genannte Begründung: Angesichts der unsicheren Wirtschaftsaussichten und des nachlassenden Glanzes der Halbleiterbranche könnte sich heute der Blick nach links und rechts, zu den Zulieferern von Komponenten und zur anwendungsorientierten Industrie ganz besonders lohnen. Um die Liste der in Frage kommenden Arbeitgeber mit subjektiven, möglicherweise aber doch ganz aufschlussreichen Urteilen aus erster Hand, nämlich von den Mitarbeitern, abzugleichen, könnte man noch rasch bei Kununu. com und jobvoring.de vorüberschauen.
Auf diesen Plattformen bewerten Mitarbeiter anonym ihren Arbeitgeber, manchmal sogar mit ausführlicher Kommentierung. Ein Nutzer von Kununu urteilt zum Beispiel über die Infineon Technologies AG: »Synergie ist schwierig, da wenig Gelegenheit zum spontanen Wissens- und Erfahrungsaustausch. Ansonsten ein starkes Team.« Zu EnOcean äußern sich sogar weit mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Alles super, doch in einer einzigen Kategorie fällt der Siemens-Ableger ab. Ausgerechnet bei Karriere und Weiterbildung.









