Expertenmeinungen

Stefan Kuppinger,

Prozessautomation inklusive?

Die Mesago plant, ab 2009 die elektrische Prozessautomation in die SPS/IPC/Drives zu integrieren. Was bedeutet ein solcher Schritt?

Wolfgang Tondasch: „Wenn wir die SPS/IPC/Drives um die elektrische Prozessautomation erweitern, folgen wir den Markttrends.

Wolfgang Tondasch, Vorsitzender des Ausstellerbeirates der SPS/IPC/Drives: „Es ist richtig, dass wir uns im Moment mit dem Gedanken beschäftigen die elektrische Prozessautomation als ein Thema für die SPS/IPC/Drives 2009 aufzugreifen. Dabei müssen wir jedoch ganz behutsam vorgehen, um auf keinen Fall den Scope der Veranstaltung zu verlassen. Im Endeffekt holen wir damit erst einmal nach, was schon lange Fakt ist. Seit Jahren tummeln sich nämlich Aussteller der Prozessautomation auf der Messe, da der Übergang zwischen elektrischer Automatisierung und Prozesstechnik immer fließender wird.

 

Wie ein Ausbau der Prozessautomation in Zukunft konkret aussehen kann, werden wir im Rahmen unserer Beiratssitzung im Februar sicher intensiv diskutieren. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass wir dieses Thema nicht nur als Arbeitstitel der „SPS…“ sondern auch im Kongress mit zwei oder drei Themen aus der Prozessautomation aufnehmen um eine Brücke zwischen Kongress und Messe zu schlagen.

 

Was wir mit der Einbeziehung der Prozessautomation auf jeden Fall nicht wollen, ist, auf irgendeine Art und Weise in Konkurrenz zur Interkama zu treten. Wir werden ausschließlich die elektrische Prozessautomation mit einbeziehen. Sprich: Pneumatik oder ähnliche Maschinenteile haben in Nürnberg auch in Zukunft nichts zu suchen. Wir wollen auch keine wissenschaftlichen Vorträge oder Hochschulen damit locken.

Die SPS ist und bleibt das was sie ist: die Fachmesse für den Praktiker und Anwender. Wenn wir uns also in Richtung elektrische Prozessautomation bewegen und über ein solches Thema nachdenken, können Sie versichert sein, dass wir dieses sehr behutsam unter Berücksichtigung der meisten Interessen tun und nur Markttrends folgen.“

 

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Meinung Michael Ziesemer, Endress+Hauser

Michael Ziesemer, Endress+Hauser: „Eine Erweiterung um hybride Technologien kann ich mir vorstellen.

Michael Ziesemer, Chief Operating Officer Endress+Hauser-Gruppe in Reinach und Vorsitzender des Fachbereichs Messtechnik + Prozessautomatisierung im ZVEI: „Deutschland hat zu viele Messen – ganz besonders für die Automatisierungstechnik. Eine weitere Messe für die Prozessautomatisierung brauchen wir also definitiv nicht – zumal die weltweite Leitmesse der Prozessautomatisierung, die Interkama, vor Jahren in die Hannover Messe Industrie integriert wurde und damit eine Plattform für die gesamte Automation existiert.

 

Hier können die relevanten Trends der Branche vorgestellt und diskutiert werden. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass es neben den technologie-orientierten, horizontalen Messen HMI/Interkama und SPS/IPC/Drives branchenorientierte, vertikale Messen gibt, beispielsweise die Messen Achema, Powtech oder IFAT. Dort ist stets auch die Prozessautomatisierung vertreten.

 

Einen Aspekt gilt es jedoch zu beachten: Diskrete Stückprozesse kommen auch in verfahrenstechnischen Industrien vor, zum Beispiel die Flaschen-Abfüllung oder die Verpackung von Pillen. Hier wachsen Prozess- und Fertigungsautomatisierung zusammen. Dem kann sich auch eine SPS/IPC/Drives natürlich nicht verschließen. Schließlich sind Anwendungen in der Fertigungsautomation ein Schwerpunkt dieser überaus erfolgreichen Messe. Eine Erweiterung in Richtung hybrider Anwendungen wie sie in den Branchen Nahrungs- und Genussmittel sowie Pharma aber teilweise auch in der Feinchemie vorkommen, kann ich mir für die SPS/IPC/Drives vorstellen.“

 

Meinung Gunther Kegel, Pepperl+Fuchs

Dr. Gunther Kegel, Pepperl+Fuchs: „Wir brauchen keine weitere Messe für Prozessautomation!"

Dr. Gunther Kegel, Geschäftsführer Pepperl + Fuchs in Mannheim und Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation: „Die Interkama in Hannover repräsentiert nahezu alle Bereiche der elektrischen Prozessautomation und ist weltweit die einzig verbliebene Prozessautomations-Messe, die mit einem vollständigen Spektrum auftreten kann. Allerdings erfüllt die Interkama ihre Hauptaufgabe nach wie vor nicht: Wieder mehr Besucher anzusprechen und für einen Besuch der Messe zu begeistern. Brauchen wir vor diesem Hintergrund eine weitere, neue Messe für Prozessautomation - noch dazu in einer Region mit einer geringen Dichte an Prozessindustrien? Sicher nicht!

Was aber ist mit den hybriden Anwendungen, die sich im Grenzbereich zwischen Fabrik- und Prozessautomation befinden und deren Technologien sich zum Teil angleichen? Es geht dabei nicht um die Ausgrenzung bestimmter Technologien, sondern um die Außendarstellung: Geht die Mesago den Weg einer konsequenten Bewerbung des Themengebiets Prozessautomation bei Ausstellern und Besuchern oder erlaubt der Veranstalter lediglich eine vorsichtige Ausdehnung des Messe-Scopes, um die Technologien für hybride Anwendungen abdecken zu können? Ich finde, die SPS/IPC/Drives sollte die Neuausrichtung auf die behutsame Erweiterung beschränken.“

Meinung Thomas Menze, MTL Instruments

Thomas Menze, MTL: „Den Besucher erwartet die komplette elektrische Prozessautomation auf der Messe.

Thomas Menze, Geschäftsführer MTL Instruments in Kaarst: „Wir unterstützen die Idee, dass der Veranstalter Mesago das Thema elektrische Prozessautomation in die SPS/IPC/Drives integriert – zumal seit Jahren bereits viele Lieferanten von Prozessautomation präsent sind. Die Messe-Besucher erwarten ein vollständiges Produktportfolio auf der Messe, auch bei den Komponenten für die Prozessautomation. Allerdings darf das Thema nicht auf Produkt-Präsentationen begrenzt sein. Technische Vorträge und Podiumsdiskussionen in den Formen müssen die Technologie-Trends in der Prozessautomation vertiefen.“

Meinung Frank Rohn, Turck

Frank Rohn, Turck: „Der frühere Charme der Messe würde noch mehr verloren gehen.

Frank Rohn, Vertriebsleiter Geschäftsbereich Prozessautomation Turck: „Die SPS/IPC/Drives ist vor allem dank ihrer Kompaktheit und Übersichtlichkeit erfolgreich geworden. Besucher haben an einem Tag alles sehen und erledigen können. Dieses Erfolgsrezept wird mit der seit Jahren wachsenden Ausstellerzahl und steigenden Ausstellungsfläche zunehmend verwässert.

 

Wenn 2009 auch noch zahllose neue Aussteller und Besucher aus der Prozessautomation hinzukommen, ist der ursprüngliche Charme der Messe dahin. Darüber hinaus hätten wir im nächsten Jahr neben der Interkama und der Achema eine dritte Prozessautomatisierungs-Messe. Wer will das?“

 

Meinung Rolf Marten, Yokogawa

Rolf Marten, Yokogawa: „Wir haben dieses Jahr ein Validierungsteam nach Nürnberg geschickt.

Rolf Marten, Geschäftsführer Yokogawa Deutschland: „Yokogawa nimmt die SPS/IPC/Drives als wachsende Messe mit steigenden Fachbesucherzahlen sehr genau wahr. Aufgrund der bisherigen Ausrichtung auf die elektrische Automatisierung sahen wir für uns als Hersteller von Automatisierungslösungen für die Prozessindustrie keine erfolgreiche Positionierung auf der SPS/IPC Drives. Uns ist jedoch bewusst, dass gerade Kunden im süddeutschen Raum die Messe als Kontakt- und Informationsplattform nutzen.

Wir beobachten dieses Jahr die SPS/IPC/Drives eingehend unter den Gesichtspunkten thematische Positionierung, Darstellung der Aussteller, Lösungs-Orientierung und Besucherstruktur. Aus unserer Sicht muss der künftige Prozessautomatisierungs-Teil als solcher klar erkennbar sein und darf nicht durch vereinzelte Hersteller in der Masse untergehen. Branchenbezogene Themenschwerpunkte wie Operational Excellence oder Lifecycle-Management und die konzeptionelle Mitarbeit eines Verbands wie Namur, ZVEI, VDI oder Dechema würden die erfolgreiche Positionierung unterstützen.“

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