IDF 2014
Intels 'Edison' als Raspberry-Pi-Killer?
Intel hat erstmals technische Daten seines Kleinrechner-Moduls 'Edison' veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die beiden Silvermont-CPUs von einem dritten Energiespar-Core des Typs Quark unterstützt werden. Wird Edison damit zu einer ernsthaften Pi-Alternative?
Viele Stärken und eine Schwäche: Intels Rapberry Pi-Konkurrent Edison
© IntelIntels 'Edison' ist ein nur 3,5 x 2,5 cm großes Kleinrechner-Modul mit einem 70-Pin-Konnektor, dessen SoC einen auf 500 MHz heruntergetakteten Dual-Core-Atom-Prozessor auf Basis der Silvermont-Mikroarchitektur und eine Quark-CPU mit 100 MHz Taktfrequenz kombiniert. Die Quark-CPU wird als 'Mikrocontroller' angegeben. Eine GPU ist nicht verbaut, dafür ein Wifi-Modul von Broadcom, ein Bluetooth-Chip, ein 1 GByte großer Arbeitsspeicher und 4 GByte embedded-Flash-Speicher für das Betriebssystem.
Der Wifi-Chip 43340 von Broadcom nutzt die Frequenzbänder 2,4 und 5 GHz in den Standards 802.11 a/b/g/n, das Bluetooth-Modul unterstützt den Standard in Version 4.0. Ob Bluetooth LE unterstützt wird, wird nicht erwähnt.
Insgesamt gibt es 40 GPIOs, die als SD-Karten-Schnittstelle, 2 UARTs, 2 I2C, ein SPI, 1 I2S, 1 USB-2.0.-OTG-Controller und einen Taktausgang von 32 kHz oder 19,2 MHz konfiguriert werden können. 12 GPIOs können für sonstige Zwecke genutzt werden, davon 4 als PWMs.
Der 'Edison' benötigt eine Versorgungsspannung zwischen 3,3 und 4,5 V, die Leistungsaufnahme soll im Standby-Modus ohne WiFi und Bluetooth bei 13 mW liegen, mit aktivem Bluetooth bei 21 mW und mit aktivem Wifi bei 35 mW.
Zwei Breakout-Boards
Das Intel Breakout Board ist nur wenig größer als das Edison-Modul selbst und hat zu den Pins korrespondierende Lötlöcher im Abstand von 0,1 Inch. Zusätzlich verfügbar sind eine UART-zu-USB-Brücke mit USB-Mikro-Typ-B-Konnektor, eine USB-OTG-Schnittstelle mit Typ-AB-Konnektor und einen Stromversorgungs- (7 bis 15 V Gleichspannung Eingang) sowie Batterieanschluss.
Ein zweites Arduino-Board ist deutlich größer. Zusätzlich zu den USB-Schnittstellen des kleinen Breakout-Boards hat es 20 Digital-Ein-/Ausgangs-Pins (davon 4 für PWMs), 6 Analogeingänge, 1 UART, ein I2C, 1 SPI, zwei USB 2.0-Host-Schnittstellen, einen Micro-SD-Karten-Slot und den Stromversorgungsanschluss ebenfalls für 7 bis 15 V Gleichspannung.
Intel stellt sich das ganze so vor, dass auf den Silvermont-Cores Yocto-Linux in der Version 1.6. und auf der Quark-CPU ein RTOS laufen soll – welches auch immer. Damit ist Edison echtzeitfähig. Das Konzept kennt man u.a. von Freescales Vybrid-Chips, die es freilich mit ARM-Cores abbilden.
Das Edison-Modul zusammen mit dem Arduino-Board kostet 107 Dollar, Edison alleine 50 Dollar und zusammen mit dem kleinen Breakout-Board 75 Dollar. Die Firma Sparkfun hat bereits 14 eigene Erweiterungsmodule für 'Edison' entwickelt.
Wie schlägt sich Edison gegenüber dem Raspberry-Pi?
Im Vergleich zum nur 35 Dollar teuren – bzw. billigen – Bestseller Raspberry Pi sticht zuerst einmal die Rechenleistung des Edison hervor: Die beiden Silvermont-Cores spielen in einer ganz anderen Liga als der antiquierte ARM11-Core des mit 700 MHz getakteten Broadcom BCM2835, dazu ist ein Programmiermodell High-Level-OS plus Echtzeit-OS nicht möglich. Dem Pi fehlt ebenso der On-Chip-Flashspeicher, der RAM-Speicher ist mit 512 KB nur halb so groß wie beim Edison. Man muß dabei auch bedenken, dass bei Anwendungen, die der Pi noch rechnen kann, diese auf dem Edison in erheblich kürzerer Zeit laufen können und er anteilig damit länger im Sleep-Modus verharren kann. Man muß daher bei batteriebetrieben Anwendungen mit fixer Energiemenge genau rechnen, wie sich das Integral P x t über der Zeit darstellt.
Bei der Konnektivität werden zwei unterschiedliche Ansätze gegenüber: Der Ethernet-Schnittstelle des Pis (10/100 Mbit) stehen die Funkmodule des Edison gegenüber, wobei per WiFi 802.11n Datenraten von bis zu 450 Mbit/s möglich sind.
Was dem Edison fehlt, ist eine GPU, die der Broadcom-Chip integriert. Kameramodule u.ä., die für den Pi lieferbar sind, sind somit in der Edison-Welt ein Ding der Unmöglichkeit.
In Summe ist Edison, auch wenn es für die Maker-Community entwickelt wurde, der wesentlich professionellere – aber eben auch geringfügig teurere – Ansatz. Beide Rechner werden nach unserer Ansicht somit in Zukunft ihre Märkte finden und eine Existenzberechtigung haben.
















