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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Kai Bergemann

Meinrad Happacher,

Die US-amerikanische Sicht

Industrie 4.0 gilt als ein deutscher Ansatz. Doch auch asiatische und US-amerikanische Anbieter setzen sich – wenn auch unter anderen Vorzeichen – mit dem Thema der Smart Factory auseinander. Kai Bergemann erläutert das Thema Industrie 4.0 aus dem Blickwinkel eines US-Anbieters.

"Die deutsche Industrie-4.0-Diskussion ist etwas aus dem Ruder gelaufen!", so Kai Bergmann von Rockwell Automation.

© Rockwell Automation

Herr Bergemann, wie geht die US-amerikanische Industrie mit dem Thema Industrie 4.0 um?
Die technologische Diskussion, die sich hinter dem Begriff Industrie 4.0 verbirgt, ist ja nicht neu – und letztlich auch keine deutsche, sondern eine globale Diskussion, die vor Jahren mit der Entwicklung und Einführung neuer Technologien wie Cloud Computing, Virtualisierung sowie der Einführung von Smartphones und Tablets begann.

Speziell auf die USA bezogen gibt es auch dort durchaus mit Industrie 4.0 vergleichbare Ansätze und Initiativen.  Die Smart Manufacturing Leadership Coalition (SMLC) etwa beschäftigt sich mit der Entwicklung von Smart Manufacturing Systemen. Also mit der Frage: Wie sieht eine moderne industrielle Infrastruktur aus und auf welche Art und Weise wird diese durch die zunehmende Intelligenz der Geräte verändert.

Gibt es Unterschiede in der Herangehensweise der deutschen und der US-amerikanischen Industrie?
Sowohl Industrie 4.0 als auch Smart Manufacturing fußen auf derselben Technologie: der Vernetzung von Geräten in Alltag und Industrie –  dem Internet der Dinge (IoT) – sowie der Erfassung und intelligenten Nutzung großer Datenmengen unter dem Stichwort Big Data. Beide Begriffe sind in den USA entstanden und dort auch maßgebliche Bestandteile aktueller Initiativen.

In Deutschland ist die ganze Industrie-4.0-Diskussion vielleicht etwas unglücklich aus dem Ruder gelaufen, weil man mit sehr abstrakten Visionen – etwa einem Fertigungsprozess, bei dem sich das herzustellende Produkt selbst den Weg durch die Fertigung sucht – das Thema vorantreiben will. Viele potenzielle Anwender fragen sich da natürlich: Brauche ich das überhaupt alles?

Letztlich verfolgen aber die deutschen als auch die US-Initiativen dasselbe Ziel: Die Schaffung der intelligenten Fabrik. Für den Fabrik-Eigner heißt das konkret: Informationen müssen nicht mehr manuell zusammengestellt werden, sondern stehen in Echtzeit und ohne großes Fehlerrisiko zur Verfügung. Es kann energieeffizienter produziert werden. Ausschuss lässt sich durch reale und zeitnahe Informationen minimieren. Bei der Planung von Neuanlagen können die Erfahrungen mit bestehenden Anlagen hinzugezogen und Vermutungen mit realen Daten aus den Anlagen untermauert werden.

Was kommt Ihnen bei der derzeitigen ­Industrie-4.0-Diskussion zu kurz?
Das Gros der Diskussionen dreht sich derzeit um Konzepte, mit denen die Automatisierer die Endkunden bei der Realisierung unterstützen und die Vision Industrie 4.0 zum Leben erwecken können.

Schwierig könnte die Situation jedoch für den Maschinenbau werden: Denn einerseits fokussiert die Industrie-4.0-Diskussion vor allem auf die deutsche Industrie, andererseits dürfen die Maschinenbauer aber auch die globalen Aspekte nicht außer Acht lassen; um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie mit weltweiten Standards konform sein. Gerade für den Maschinenbau ist es deshalb sicherlich sinnvoll, einen offenen Blick auf andere Initiativen zu behalten und den direkten Austausch zwischen den unterschiedlichen Organisationen zu forcieren.

Wie beurteilen Sie in Hinsicht auf Industrie 4.0 die Ankündigung von IBM und Apple, die  Firmenwelt ähnlich umkrempeln zu wollen wie die Consumer-Welt?
In unserem privaten Umfeld sind wir es mittlerweile gewohnt, E-Mails und wichtige Informationen wie Aktienkurse, Wetter und Verkehr jederzeit und überall abrufen zu können. Smartphone und Tablet sind fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Diese Entwicklung vom PC zum mobilen Gerät sehen Apple und IBM auch im Business-Umfeld. In Kombination mit Analysemöglichkeiten und Big Data sollen Intelligenz und Mobilität verbunden werden – ein sehr nachvollziehbarer Ansatz!

Die Visionen Industrie 4.0 und Connected Enterprise haben ihren Fokus auf dem Fertigungsumfeld und dem damit verbundenen Maschinenbau.  Deshalb ergänzen sich meines Erachtens die Aktivitäten von IBM und Apple im Business- und die Industrie-4.0-Aktivität im Fertigungs-Umfeld. Sprich produktionsnahe Informations-Plattformen liefern letztlich Informationen für übergeordnete Business-Intelligence-Lösungen. Ergebnisse von Business-Analysen, denen reale Produktionsdaten zugrunde liegen, machen bereits heute enorme Einsparpotenziale sichtbar. Die Umsetzung und Beurteilung von Verbesserungsmaßnahmen haben nur mit der Einbindung einer produktionsnahen Informations-Plattform gute Erfolgschancen. Die Automatisierer sollten meines Erachtens die Aktivitäten von IBM und Apple deshalb weniger als Bedrohung denn als Bereicherung, vielleicht gar als Türöffner begreifen.

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