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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Christoph Müller

Meinrad Happacher,

Die Koffer-Lösung

Die Firma Exor ging vor drei Jahren daran, das HMI-Stammgeschäft zu ergänzen – und zwar als Dienstleister für Fernwartungslösungen. Basis des Geschäftsmodells war ein Koffer, der die gesamte Technik für eine M2M-basierte Fernwartung enthielt. Was ist aus der Geschäftsidee geworden?

© Exor

Herr Müller, Fernwartung aus dem Koffer: Was stand vor drei Jahren hinter dieser Idee?

■ Wir wollten Firmen, die den Bedarf  für Fernwartung erkannt, sich jedoch noch nicht mit dieser Technik auseinandergesetzt hatten, einen einfachen Start in die Fernwartung ermöglichen. In diesen Unternehmen fehlen oft kompetente Mitarbeiter beziehungsweise es fehlt auch an der Zeit, sich mit der Technologie und den verschiedenen Lösungen zu beschäftigen. Sprich, es werden notwendige Investitionen oft gescheut oder verschoben, obwohl der Bedarf eindeutig identifiziert ist.

Wir hatten bereits viel Erfahrung im Umgang mit der Fernwartung und wollten diese unseren Kunden mitgeben und sie so davor bewahren, dieselben Fehler zu machen, beziehungsweise auf dieselben Probleme zu stoßen. Angefangen von der richtigen Auswahl der Tarife – Datenmenge, Taktung, Roaming – über Sicherheit, Verfügbarkeit und Akzeptanz bei den Endkunden!

Wie wird das Angebot angenommen?

■ Eher bescheiden! Wir haben in den vergangenen Jahren genau 11-mal einen Koffer vermietet. Verkauft haben wir gerade mal 15 Stück. Allerdings haben wir über die 11 vermieteten Koffer neun Kunden gewinnen können, die den Servicerouter jetzt ohne Koffer in die Maschine einbauen. Diese Firmen sind so zu Serienkunden von uns geworden. Einmal hat uns sogar ein Aussteller aus Indien während der Interpack das Geld für den Koffer auf den Tisch gelegt und den Koffer vom Stand weg mitgenommen, weil er seine Maschine während der Messe verkauft hatte und sich so eine entspannte Inbetriebnahme-Phase realisieren wollte!

Worin sehen Sie die Gründe für den geringen Erfolg?

■ Zum einen haben wir den Bedarf überschätzt! Dann hat die Wirtschaftskrise einen unserer wichtigsten Kunden für dieses Konzept mit voller Härte erwischt. So mussten wir uns erst mal neue Kunden suchen und das in einer Zeit, wo jeder sparen und nicht investieren wollte.

Generell glaube ich aber, dass sich in einem konservativen Markt wie dem Maschinenbau solche Konzepte einfach schwer tun. Hier gilt eher die Devise: Wenn schon was neues, dann richtig und keine halben Sachen! Typisch deutsch eben und ehrlich gesagt, meines Erachtens nach auch die richtige Haltung. Nur so baut man sich Know-how aus eigener Erfahrung auf und kann später andere Lösungen beurteilen. Aber: Man muss auch die Zeit, das Geld und das entsprechende Personal dafür vorhalten.

Heißt dies nun, dass Sie sich wieder komplett auf das HMI-Stamm­geschäft zurückziehen und das Thema Fernwartung abhaken?

■ Auf keinen Fall! Wir sind ja über das Remote-Service-Geschäft zu dem Koffer gekommen; also über eine Teilmenge der Fernwartung. Damals haben wir erkannt: Nur das Lesen und Schreiben von Datenpunkten in ein Portal reicht nicht aus. Man muss im Fehlerfall auch mal eine neue Software auf das dezentrale Automatisierungssystem laden können oder einfach mal nur ein Update der Firm-ware durchführen. Also forschten wir weiter, um eine Lösung zu finden, die auf der einen Seite dem Anwender schnell und komfortabel den Zustand seiner Anlage – egal ob Pumpstation, Kompressor oder Haussteuerung – mitteilt und auf der anderen Seite auch die Möglichkeit bietet, ein Programm-Update durchzuführen.

Was genau haben Sie vor?

■ Wir wollen unsere Bediensysteme mit einer integrierten Fernwartungs- und Portallösung ausstatten. So können unsere eTOP500-HMI-Panels, egal ob an der Maschine oder im Haus, nicht nur Bedienen und Steuern, sondern auch als Datenrouter agieren. Hierbei spielt die Art des http://www-Zugangs keine Rolle, da wir sowohl eine mobile Anbindung über GPRS/HSPDA bieten als auch einen LAN/WAN-Zugang. Hierüber spannen wir unsere cloud, in der wir nicht nur ein Portal anbieten, sondern auch eine Art Wissensmanagement. Man könnte es als ein Facebook der Maschine, des Hauses oder der Anlage bezeichnen, in der Daten gesammelt werden und in dem auch der Anwender Kommentare hinterlegen kann. Somit geht kein Wissen verloren, die unterschiedlichen Anwender können sich sogar die Informationen teilen.

Wie sieht die Roadmap hierzu aus?


■ Auf der Light & Building werden wir erste Produkte präsentieren. Wichtigster Baustein ist unsere neue Software jMobile, die auch einen integrierten HTML-5-Editor beinhaltet. So können wir die Visualisierung standortunabhängig mittels Browser realisieren. Das heißt, ich kann via Smartphone jederzeit sehen, was bei mir zu Hause los ist. Somit bekomme ich Alarme, kann Trends lesen und die Istwerte anschauen und notfalls auch neue Sollwerte übertragen beziehungsweise einfach die Heizung einschalten. Und das alles dank HTML 5 ohne Flash oder activeX controls. Unsere Hardware agiert dabei als Gateway zu allen anderen Diensten im Haus.

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