Nachgehakt bei Tobias Kiwitt
Der Status der Sanierung des GSM-Fernwirknetzes der Telekom
Viele Maschinen, Zähler und Automaten werden noch über das Übertragungsverfahren GSM Circuit Switched Data (CSD) ausgelesen und gesteuert. Seit Anfang 2011 stellt die Telekom in Deutschland schrittweise auf IP-basierte Netztechnik um – mit Konsequenzen für Anwender. Tobias Kiwitt erläutert die Hintergründe.
Herr Kiwitt, worin genau besteht das Problem bei der Umstellung?
Die wesentliche Änderung, die sich für Nutzer von CSD-Verbindungen bemerkbar macht, liegt bei der Round-Trip-Time, kurz RTT, auch Paketumlaufzeit genannt. Hier definiert die Telekom neue Toleranzen. Vor der Umstellung lagen diese bei vier bis sechs Sekunden. Dieser Wert wurde drastisch verändert und darf nun zwischen zwei und acht Sekunden schwanken.
Welche Auswirkungen hat das?
Im Bezug auf die RTT kann diese Änderung Kommunikationsstörungen generieren. Diese Verbindungsprobleme liegen aber selten bei der Hardware, sondern bei der Software der angebundenen Fernwartungs-Applikationen. Wurde diese Software zum Zeitpunkt der Anlagenerrichtung auf eine RTT von maximal sechs Sekunden eingestellt, können Verbindungsprobleme auftreten. Nur bei sehr alten Geräten, die den 3GPP*)-Standard nicht unterstützen, kann es unter Umständen auch Probleme mit der Hardware geben. Daher ist es wichtig, dass
die verwendeten Modems oder ähnliche Geräte, welche die CSD-Verbindung aufbauen, diesen Standard unterstützen – was jedoch meist gegeben ist. Bei sehr alten Geräten sollte dies aber überprüft werden, da auch diese Geräte aktuell noch CSD-Verbindungen nutzen können. Aber selbst bei solchen Alt-Installationen besteht noch die Möglichkeit, per Software nachträglich eine Lösung zu implementieren. Anwender sollten sich dazu mit der Telekom, dem Software-Entwickler oder dem Hardware-Lieferanten in Verbindung setzen.
Woran kann ich erkennen, dass meine Geräte nicht mehr kompatibel sind?
Pauschal kann man das leider noch nicht sagen. Dazu fehlt es an Erfahrungswerten. Da die Telekom Vorreiter bei der Umstellung des CSD-Service ist, liegen auch keine Erfahrungen anderer Betreiber vor. Auf der sicheren Seite sind Anwender, wenn die Hardware den 3GPP-Standard unterstützt.
Wie viele Modems sind überhaupt von dem Problem betroffen?
Nachdem die ersten Regionen auf die IP-basierte Technik umgestellt wurden, gibt es erste Erfahrungsberichte. Die Telekom macht keinen schlechten Job. Wir erhalten unerwartet wenig komplexe Support-Anfragen aus diesem Bereich. Den meisten Kunden ist mit der softwareseitigen Erhöhung der RTT auf maximal acht Sekunden geholfen, um das Auftreten von Laufzeitfehlern zu unterbinden.
Wie ist der aktuelle Stand der Umstellung?
Mit dem Rollout begonnen hat die Telekom im Januar in Norddeutschland. Bis zum März wurden bereits alle nördlichen Bundesländer umgerüstet. Aktuell erfolgt die Umstellung in Ostdeutschland und in Deutschlands Mitte bis Juni. Bleiben noch die Regionen Süd und West, die bis August mit dem paketorientierten Kommunikationsverfahren ausgestattet werden. Voraussichtlich Ende August steht die neue Technik dann flächendeckend zur Verfügung.
Sind nur Kunden der Telekom von der Umstellung betroffen?
Vorerst ja. Andere Netzbetreiber beobachten die Umstellung aber sehr genau und werden in naher Zukunft wohl nachziehen.
Die Umstellung dürfte die Anbieter von Fernwartungslösungen nicht stören. Schließlich generiert sie ordentliche Zusatzumsätze?
Dies ist ein Trugschluss. Bei der Umstellung des CSD-Dienstes handelt es sich mehr um eine interne Sanierung bei der Telekom. Die Umstellung macht den CSD-Dienst weder technisch noch kommerziell interessanter. Es zeigt sich schon heute, dass die Verbindung via CSD ausstirbt. Fast alle Neuentwicklungen und Modernisierungen von Altanlagen gehen heutzutage in Richtung TCP/IP. Auf lange Sicht wird der CSD-Dienst nach meiner Einschätzung abgeschafft.










