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Lukas Dehling,

Der modulare Router

Die Firma Insys setzt jetzt das Konzept modularer Baukastensysteme bei ihren Industrieroutern um und stellt erste Vorseriengeräte auf der SPS IPC Drives vor. Marketingleiter Wolfgang Wanner spricht im Interview über die Gründe, Vorteile und Einsatzgebiete der erweiterten ­Geräte Philosophie.

Die MRX-Industrierouter-Serie: Das Grundgehäuse ist mit drei oder fünf Slots lieferbar. Alle MRXcards sind austauschbar und durch ein Bus-System miteinander verbunden.

© Insys

Insys stellt jetzt eine modulare Industrierouter-Serie vor. Herr Wanner, was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Grundsätzlich gilt: Modularität liegt klar im Trend! Denn Globalisierung und dynamische Märkte zwingen die meisten Unternehmen zu mehr Flexibilität in jeglicher Hinsicht. Bereits 2012 nutzten laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger 86 % der Unternehmen in Deutschland modulare Baukastensysteme. Anlagebauer möchten den Anteil ihrer modularen Produkte bis 2015 auf 43 %, Maschinenbauer gar auf 70 % erhöhen. Es ist daher eine logische Schlussfolgerung, dass auch Router als wichtige Kommunikationsschnittstelle im Zeitalter von Industrie 4.0 diesem Trend gerecht werden müssen.

Welchen Hauptvorteil sehen Sie bei modularen Routern gegenüber den bisherigen starren Produktstrukturen?
Das lässt sich mit zwei Begriffen auf den Punkt bringen: Flexibilität und Investitionssicherheit für den Anwender. Eine Maschine wird ja auch deshalb modular gebaut, damit sie sich künftig verändern lässt. Bei der integrierten Kommunikationstechnik ist dies nichts anderes.

Ein Beispiel: LTE erobert gerade den industriellen Bereich, auf der anderen Seite stehen aber schon neue, noch schnellere Übertragungstechnologien in den Startlöchern. Mit einem modularen Gerät können Sie bei Bedarf ohne großen Aufwand upgraden. Solch eine Migration geht bei einem modularen Aufbau weit einfacher vonstatten, da nur das in Frage kommende Modul gewechselt werden muss und der Router ansonsten weiter seinen Dienst verrichten kann. Oder: In vielen Fällen weiß der Techniker nicht, welche Kommunikationsanschlüsse er vor Ort vorfindet. Statt verschiedenste Komplettgeräte mit auf die Baustelle zu nehmen, kann er zukünftig flexibel mit Einsteckkarten auf die Einbau-Situation reagieren, sich eventuell sogar teure Mehrfach-Anfahrten ersparen. Hier zeigt sich aber auch, dass modulare Geräte vor allem dort Sinn machen, wo die restliche Anwendung dies erfordert oder mit hoher Wahrscheinlichkeit künftige Veränderungen zu erwarten sind.

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"Der modulare Industrierouter für den Hutschieneneinsatz ist die logische Konsequenz unserer über Jahre erfolgreichen Serie von modularen Embedded-Kommunikationsmodulen.", so Wolfgang Wanner.

© Insys

Wie sieht es mit den Kosten aus? Hat Modularität ihren Aufpreis?
Im Gegenteil – Modu­larisierung rechnet sich für alle Beteiligten. Einerseits werden die Entwicklungszyklen kürzer. Kurzfristige Anforderungen können damit schneller realisiert werden. Denn es müssen keine komplett neuen Systeme und Strukturen geschaffen werden. Zum anderen reduzieren modulare Produkte den Invest beim Kunden, da diese viel genauer auf die Bedürfnisse hin zusammengestellt und flexibel angepasst werden können. Kurz gesagt: Es wird nur das bezahlt, was benötigt wird.

Kann ein modularer Router mit der Qualität eines "starren" Produkts mithalten?
Hohe Systemstabilität und Langlebigkeit sind sicher die beiden wichtigsten Qualitätskriterien. Krite-rien, die im Endeffekt eine intelligente Architektur voraussetzen. Sprich: Die Module müssen sich beispielsweise leicht und mehrmals tauschen lassen. Zudem haben wir durch die bewusste Auswahl von energiesparenden Komponenten beim Design-In Wert darauf gelegt, die Eigenerwärmung deutlich zu reduzieren. Lüftungsschlitze und damit hohe Staubempfindlichkeit sind somit kein Thema mehr. Durch den Verzicht auf Batterien und die Verwendung von Federsteckklemmen ist bei den Geräten zudem keine Wartung mehr notwendig.

Ansonsten gilt, was für unsere Router generell gilt: Neben der grundlegenden Watchdog-Funktion setzen wir unter anderem auf eine selbstständige Verbindungsüberwachung auf vielen Ebenen und einen automatischen Wiederaufbau der Verbindung – Stichwort: autonomer Betrieb.

Ist ein modularer Router schwerer zu konfigurieren und zu bedienen?
Eine intuitive Bedienbarkeit und eine logische Struktur sind die Grundvoraussetzungen für die Akzeptanz beim Anwender. Deshalb legen wir einerseits Wert auf eine einfache Konfiguration, andererseits haben wir aber auch den Anspruch, IT-Profis die gewünschten Features an die Hand zu geben. Unser Ziel ist es, die Komplexität soweit zu reduzieren, dass jeder die Geräte ohne Probleme installieren und nutzen kann. Die Konfiguration eines MRX erfolgt mit ­einer Web-basierten Bedienoberfläche ohne zusätzlich zu installierende Tools. Diese wurde auf die Bedürfnisse eines modularen Routers zugeschnitten. Alternativ ist die Konfiguration über Command Line Interface, wie beispielsweise SSH, oder ebenso über Dateien möglich. Diese Mechanismen sind darüber hinaus automatisiert nutzbar. Eingesetzte Module werden automatisch erkannt und daraufhin die entsprechend benötigten Konfigurationsseiten und -möglichkeiten bereitgestellt.

Sie trommeln ja bereits seit vergangenem Jahr für mehr IT-Sicherheit in der industriellen Datenkommunikation. Was hat der neue Router diesbezüglich zu bieten?
Zur Grundausstattung der Geräte gehören VPN und eine Stateful-Firewall. Durch unser gehärtetes Betriebssystem minimieren wir die Anfälligkeit für Sicherheitslecks und können Backdoors ausschließen. Bei unerwarteten Ereignissen wie dem An- oder Abstecken von LAN-Kabeln, dem Verletzen von Firewall-Regeln, Konfigurationsänderungen oder Zugriffs­versuchen sendet der Router Meldungen per SNMP, SMS oder E-Mail. Natürlich gibt es noch mehr Features und Zusatzdienste, die wir zur Verfügung stellen.

Mit welchen Modulen gehen Sie an den Start?
Der erste Slot beherbergt immer eine externe LAN-Schnittstelle sowie einen 4-Port-Switch. Der zweite Slot kann wahlweise als reines Powermodul oder als LTE-Variante bestückt werden. Je nach Gehäuse können ein bis drei Zusatzmodule, MRXcards genannt, untergebracht werden. Hier werden zum Start ein 4-Port-Switch-, ein LTE- und ein I/O-Modul inklusive serieller (RS 232, RS 485) und USB-2.0-Schnittstelle erhältlich sein. Weitere eigene und Drittanbieter-Module sind in Planung. Auf Projektbasis können außerdem kundenspezifische Module entwickelt werden. Alle MRXcards, inklusive der Basismodule, sind komplett austauschbar.

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