Yaskawa Europe

Nicht kollaborativ, aber dennoch zaunlos

In der Industrieproduktion 4.0 können klassische Industrieroboter unter Umständen zaunlos arbeiten. Doch was sind die Voraussetzungen dafür? Christopher Schneider, Produktmanager Kollaborative Roboter bei der Robotics Division der Yaskawa Europe in Allershausen, gibt Auskunft.

Christopher Schneider, Yaskawa Europe: "Auch Industrieroboter mit externer Sicherheitstechnik lassen sich schutzzaunlos betreiben."

© Yaskawa Europe

Markt&Technik: Welche Trends zeigen sich derzeit in der kollaborativen und nicht-kollaborativen Industrierobotik?

Christopher Schneider: Aktuelle Robotiktrends orientieren sich an der Vision der Smart Factory, in der physische und digitale Technologien zunehmend zu cyber-physischen Produktionssystemen zusammenwachsen. Ziel dieser neuen Fertigungsstrategie ist es, auf die steigenden Anforderungen der Mass Customization hinsichtlich Effizienz und Produktivität zu reagieren. Um die variantenreiche Fertigung bis hin zur Losgröße 1 zu verwirklichen, sind neue Möglichkeiten der Integration, Programmierung, Vernetzung und Datenanalyse erforderlich. Kollaborierende Roboter und schutzzaunlose Fertigungskonzepte mit Industrierobotern ermöglichen den direkten Einsatz des Roboters im Feld ohne die Abgrenzung durch einen Schutzzaun, der neben verringerter Flexibilität auch einen größeren Platzbedarf bedeutet.

Auch klassische Industrieroboter lassen sich also ohne Schutzzaun in Industrie-4.0-Produktionssysteme integrieren?

Industrie-4.0-Produktionssysteme sind gekennzeichnet durch eine konsequente Integration und Vernetzung aller Produktionsressourcen. Das bedeutet auch: Es werden klassische Fertigungskonzepte der Industrierobotik mit Schutzzaun und hoher Produktivität komplementär zu schutzzaunlosen Arbeitsplätzen für hochflexible Fertigungsprozesse existieren. Dabei ist zu beachten, dass auch Industrieroboter mit externer Sicherheitstechnik schutzzaunlos betrieben werden können.

Unter welchen Bedingungen ist dies möglich?

Christopher Schneider: Während ein Industrieroboter beim Betreten des Arbeitsraums durch den Mitarbeiter stehen bleibt, kann ein kollaborierender Roboter in verringerter Geschwindigkeit arbeiten. Der hybride Charakter des Motoman HC10 von Yaskawa ermöglicht das sichere Umschalten zwischen industrieller und kollaborierender Geschwindigkeit. Abhängig von der Häufigkeit der Interaktion zwischen Mensch und Roboter gestalten sich diese beiden Varianten entsprechend wirtschaftlich. Der Leichtbaucharakter der neuen Robotertechnologie ermöglicht zudem eine einfachere Verkettung, etwa durch die Installation auf einer mobilen Plattform.

Inwiefern tragen mobile Plattformen hier zur Flexibilisierung bei?

Christopher Schneider: In Verbindung mit mobilen Plattformen können Robotermanipulatoren noch flexibler auf hochdynamische Kapazitätsschwankungen reagieren, weil ein Roboter an mehreren Arbeitsplätzen arbeitet und damit stärker ausgelastet wird.

Welche weiteren Trends sehen Sie bei der Integration von Robotern in Smart Factories?

Christopher Schneider: Die hohe Bauteilvarietät erfordert schnelles Umrüsten sowie eine schnelle Programmadaption des Roboters, was vereinfachte Programmiermethoden wie das Direct Teaching oder der Smart Frame im Yaskawa Smart Pendant ermöglichen. Auch intelligente Kamerasysteme, unterstützt durch Machine Learning und Künstliche Intelligenz, können ein breites Werkstückspektrum abdecken und entsprechende Greifstrategien ableiten. Auf Anlagen- und Produktionsmanagementebene wird Data Analytics beispielsweise für die Auswertung von Systemen mittels verschiedener KPIs oder zur Prognose von Wartungsintervallen (Predictive Maintenance) genutzt.

Welche drahtgebundenen und drahtlosen Datenkommunikationstechniken eignen sich zur Anbindung der Roboter?

Christopher Schneider: Drahtgebundene Feldbussysteme, wie etwa Profinet oder EtherNet/IP, sind in der Industrierobotik Standard und sorgen vor allem für eine zuverlässige Datenkommunikation, auch im Hinblick auf sicherheitstechnische Aspekte. Drahtlose Systeme werden meist über WiFi realisiert, wobei hier der Fokus klar auf dem Austausch sicherheitsunkritischer Daten liegt.

Wie entwickelt sich die Steuerungstechnik der Roboter auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0? An welcher Stelle im Automatisierungssystem wird sie künftig angesiedelt sein?

Christopher Schneider: Die Steuerungstechnik der Roboter hat aktuell noch keinen 100-prozentigen Ersatz gefunden, weil die kinematischen Berechnungsmodelle komplex sind und dieses Know-how nur in einer Robotersteuerung steckt. Einfachere Kinematiken sind jedoch auch heute schon mit Steuerungen wie etwa der MP3000iec von Yaskawa programmierbar. Als sehr praktikabel hat sich unsere Programmierschnittstelle MotoLogix herausgestellt, mit deren Hilfe Motoman-Roboter über die SPS direkt programmiert werden können. Auch die Datenschnittstelle OPC UA, über die unsere neuesten Roboter verfügen, erlaubt eine Anbindung in Industrie-4.0-Umgebungen. Ob in einer Smart Factory die eine oder andere Steuerung die „Führung“ hat, wird nicht so wichtig sein wie die Tatsache, dass alle miteinander kommunizieren können.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

J. Schmalz

Plug-and-Work als Maxime der Greiftechnik

Greifer für die kollaborative Industrierobotik müssen die Flexibilität der Roboter unterstützen – bei Adaption und Inbetriebnahme und bei der Bedienung. Dr. Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter des Vakuumtechnik-Herstellers J. Schmalz,...

mehr...

Schunk

Der Greifer wird zum Prüfgerät

Greifer für die Industrierobotik nehmen künftig Bauteile nicht mehr nur auf und positionieren sie, sondern unterziehen sie einer Gut/Schlecht-Prüfung und dokumentieren die Prozessstabilität. Prof. Markus Glück, Geschäftsführer Forschung &...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Advertorial

Digitale Zukunft der Reifenproduktion

Prometeon Tyre Group, Rockwell Automation und Plex revolutionieren die Reifenherstellung. Durch integrierte MES-, QMS- und IoT-Technologien erreichen sie Standardisierung in vier globalen Werken und verbessern Compliance, Datentransparenz sowie...

mehr...

Turck

Mehr Invest in Software-Know-how

Die Konjunktur hinterlässt ihre Spuren: Im Vergleich zum Vorjahr erwartet Turck für das Geschäftsjahr 2019 einen Gesamtumsatz von rund 640 Mio. Euro und damit einen Rückgang von 3 %. Und dennoch gibt sich Geschäftsführer Christian Wolf optimistisch.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

OPC UA

Auf dem Weg zur Weltbibliothek

Seit Ende 2014 steht die Vision: OPC UA soll bis spätestens 2019 den Status eines weltweit anerkannten Standards des Industriellen Internet der Dinge IIoT erlangen. Während der Pressekonferenz auf der SPS bezog die Foundation Stellung zu diesem Plan.

mehr...

SPS 2019

A look back at the fair

The 30th SPS was the highlight of the automation industry at the end of November. The keywords 'digitization' and 'digital transformation' were visible right through the halls. The main trends can be seen in the film below.

mehr...

Video

Die SPS 2019 im Rückblick

Mit der 30. SPS fand Ende November das Messehighlight der Automatisierungsbranche statt. Quer durch die Hallen waren die Schlagworte 'Digitalisierung' und 'Digitale Transformation' sichtbar - das Wichtigste im Film.

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren