ZVEI-Jahresauftakt 2026
Elektroindustrie erwartet 2026 wieder Wachstum
Nach drei schwachen Jahren rechnet die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 2026 wieder mit einem realen Produktionsplus von 2 %. Exporte nach Europa stabilisieren das Geschäft, während Zölle, Netzausbau und KI-Regulierung zentrale Herausforderungen bleiben.
Nach drei Jahren Stagnation und Rückgang blickt die deutsche Elektro- und Digitalindustrie vorsichtig optimistischer in die Zukunft. „Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen“, sagte ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Branchenverbandes.
Für 2025 rechnet der ZVEI noch mit einem realen Produktionsminus von 0,5 %, nachdem ursprünglich ein Rückgang von 2 % befürchtet worden war. Nominal dürfte der Branchenumsatz 2025 auf rund 226 Milliarden Euro gestiegen sein, ein Plus von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr. Die Beschäftigung blieb mit rund 877.000 Mitarbeitenden relativ stabil, sank aber um 1,7 %. Die Auftragseingänge legten um 5 % zu.
Europa trägt Exportwachstum
Die Exporte entwickelten sich 2025 mit einem Plus von 4,6 % auf 236,2 Milliarden Euro (Januar bis November) robust. Rückgänge in den USA (-8 %) und China (minus gut drei Prozent) wurden durch Lieferungen in den europäischen Binnenmarkt und nach Großbritannien kompensiert. Einschließlich des Vereinigten Königreichs entfallen inzwischen 57 % der Elektroexporte auf Europa; acht der zehn wichtigsten Zielländer liegen in der EU, Spitzenreiter sind die Niederlande. China und die USA bleiben mit jeweils rund 9 % dennoch die wichtigsten Einzelmärkte.
Der ZVEI sieht den europäischen Binnenmarkt als strategische Absicherung in geopolitisch unsicheren Zeiten. Gleichzeitig fordert der Verband den Abbau interner Handelshemmnisse, die laut Internationalem Währungsfonds einer Zollwirkung von bis zu 44 % entsprechen können, sowie ein Ende nationaler Sonderregulierungen im Umwelt- und Ressourcenschutz.
Industrielle KI als Wachstumstreiber
Große Erwartungen knüpft die Branche an industrielle KI-Anwendungen in Fertigung, Produktentwicklung, Qualitätskontrolle und Wartung. Hier kommen hybride Systeme aus klassischen Algorithmen und KI-Methoden zum Einsatz. Laut einer Studie von IW Consult könnte Deutschland bis 2035 zusätzliche Wertschöpfung von 144 Milliarden Euro erzielen. Der ZVEI fordert jedoch Anpassungen am EU-AI-Act und plädiert dafür, industrielle B2B-Systeme aus dem Regelwerk auszunehmen.
Mikroelektronik, Netze und Speicher
Nach Lieferengpässen Ende 2025 mahnt der Verband einen Ausbau der europäischen Mikroelektronik-Produktion an, insbesondere bei Leiterplatten und Elektronikfertigung, wo Europa nur zwei beziehungsweise 10 % Weltmarktanteil hält. Chancen sieht der ZVEI beim „Advanced Packaging“.
Bei der Elektrifizierung wuchsen stationäre Batteriespeicher 2025 um fast 30 % auf 6,6 GWh. Der Ausbau der Übertragungsnetze hat sich beschleunigt, Verteilnetze und Smart-Meter-Gateways hinken jedoch hinterher. Um den Hochlauf der Elektromobilität zu stützen, fordert der Verband niedrigere Strompreise, den Abbau der Stromsteuer sowie einen schnelleren Netzausbau.
Verteidigung, Zölle und Standortfragen
Impulse aus der Sicherheits- und Verteidigungspolitik kommen nach Einschätzung des ZVEI erst schrittweise an. Viele Unternehmen positionieren sich neu, große Aufträge in zweistelliger Milliardenhöhe seien kurzfristig aber nicht zu erwarten.
Belastend wirken US-Zölle von rund 15 % seit Sommer 2025, in Einzelfällen zuzüglich Aufschlägen auf Stahl- und Aluminiumanteile. Besonders Elektromotoren geraten dadurch unter Margendruck. Weitere Zölle, etwa auf Halbleiter, werden geprüft. Gleichzeitig nennen Branchenvertreter Produkte wie industrielle Kommunikationssysteme Profibus/Profinet – in rund 40 % der US-Industrienetze im Einsatz – oder Sensorik und Steckverbinder als kurzfristig kaum substituierbar.
Mit Blick auf Produktionsverlagerungen verweist der ZVEI auf die seit Jahrzehnten bestehende internationale Arbeitsteilung: Nur 3 % der weltweiten Elektro- und Digitalproduktion finden noch in Deutschland statt, fast die Hälfte in China. In Deutschland verblieben vor allem innovationsgetriebene Produkte mit noch geringen Stückzahlen.
Hannover Messe mit neuem Hallenkonzept
Zum Abschluss stellte der Verband Veränderungen auf der Hannover Messe 2026 vor. Eine neue Hallenstruktur soll Besucherströme besser lenken und überfüllte Bereiche entzerren. Trotz geringerer Ausstellerflächen infolge von Pandemie und Konjunkturflaute bleibe die Messe das wichtigste internationale Schaufenster der Branche.














