Engineering / Montage
Schaltschrank-Verdrahtung 2.0
Die digitale Fabrik wird auch im Mittelstand gelebt – zumindest beim belgischen Schaltschrankbauer P&V Elektrotechniek. Das Unternehmen hat zusammen mit Eplan Software einen durchgängigen Engineering-Ablauf von der Bestellung und Projektierung übers Web bis zur vollautomatischen Schaltschrankverdrahtung realisiert. Mit dem neuen Geschäftsmodell will P&V-Chef Vanherle das riesige Marktsegment der Elektroinstallateure erschließen.
Die Basis für das im Schaltschrankbau bislang einzigartige Geschäftsmodell von P&V lieferte Eplan mit dem Engineering-Center (EEC) als Daten-Drehscheibe und Pro-Panel für die Schaltschrank-Konfiguration. Diese Tools sorgen in Verbindung mit dem von P&V entwickelten Workflow für Datendurchgängigkeit über alle Disziplinen der Schaltschrankfertigung, die NC-gestützte Fertigung der Montageplatten und die Routing-optimierte Geräteverdrahtung per Roboter eingeschlossen.
Der Kunde definiert dazu online auf dem Webportal den Aufbau seines Schaltschranks und erhält als Ergebnis eine Konfiguration, die er per Tastendruck absendet. Das EEC übernimmt die Konfiguration und erstellt daraus automatisiert die Kalkulation. Der Kunde erhält wiederum weitestgehend automatisiert ein Angebot, das mit der Bestätigung als Auftrag in das ERP-System von P&V überführt wird. Parallel dazu bereitet das EEC die Daten für den Verdrahtungsroboter und die CNC-Bearbeitung des Schaltschranks auf. Bis auf die Platzierung und Befestigung der Komponenten wie Schütze und Kabelkanäle auf der Montageplatte erfolgt alles automatisch.
„Mit Hilfe dieser Tools haben wir einen webbasierten Bestell- und Konfigurationsablauf entwerfen können, der es den vielen kleinen Elektroinstallationsbetrieben ermöglicht, bei uns ihre Schaltschränke aufbauen und verdrahten zu lassen“, betonte P&V-Geschäftsführer Gislain Vanherle. Bislang wurde dieses Marktsegment aufgrund der Kosten für Angebotserstellung und Projektierung – zwischen 15 und 18 % der Angebotssumme entfallen allein darauf – überhaupt nicht aktiv angegangen. In Verbindung mit dem Verdrahtungsroboter am Ende des Workflows ergibt sich künftig eine ganz andere Kostenstruktur. „Nur so können wir die riesige Zielgruppe Elektroinstallateure überhaupt erreichen“, betont Vanherle, der über die nächsten Jahre mit einem Umsatzzuwachs von 10 Mio. Euro kalkuliert. Entsprechend zügig sollen sich die Investitionen von insgesamt 500 000 Euro (davon 240 000 Fördergelder von Belgien) in die Programmierung der Web-Oberfläche, Anbindung ans eigene ERP-System und Entwicklung des Verdrahtungsroboters amortisieren.
Den Verdrahtungs-Roboter „Averex“, hat P&V zusammen mit der belgischen Firma Atos Engineering und dem Maschinenbauer Kiesling entwickelt. Ghislain Vanherle: „Anhand der Daten, wie Verdrahtungsschema, Klemmen- und Geräteliste aus dem Eplan Engineering Center, nimmt der Roboter automatisch die Verdrahtung vor.“ Selbständig führt der Roboter alle fertigungsrelevanten Schritte durch, angefangen mit der Auswahl des richtigen Werkzeugs für die Aderendbehandlung beschriftet der Roboter auch die Adern und schließt diese an die entsprechenden Klemmen an. Das Feintuning bei der Positionierung erfolgt dabei lasergesteuert. Erstmals auf der Hannover Messe vorgestellt, übernimmt Kiesling die weltweite Vermarktung des Roboters.








