Innotec

Stefan Kuppinger,

Nach der Übernahme durch Siemens

An der Unabhängigkeit der Firma Innotec und ihrer PLM-Lösung Comos (Plant-Life-Cycle-Asset-Management) wird sich auch nach der Beteiligung des Siemens-Konzerns nichts ändern. Dennoch will Geschäftsführer Jochen Schüler von der großen Mutter profitieren und internationale Groß-Projekte an Land ziehen.

Comos-Industry-Solutions-Geschäftsführer Jochen Schüler: „Die Beteiligung von Siemens erschließt uns die internationalen Märkte für Großprojekte.“

Herr Schüler, im August 2008 überraschte Siemens den Markt mit der Übernahme von Innotec. War der Preis für die bisherigen Inhaber einfach zu verlockend oder gab es wirtschaftliche Probleme?

 

Schüler: Seit der Gründung von Innotec haben wir immer unsere ehrgeizigen Wachstumsziele stets ohne Fremdfinanzierung erreicht. In den vergangenen Jahren, wie auch aktuell, wachsen wir mit 25 bis 30 % ausgezeichnet. Dennoch wollen wir künftig schneller wachsen, insbesondere in den Märkten außerhalb Europas. Dazu brauchen wir einen besseren Zugang zum Projektgeschäft, letztlich Know-how für unseren Vertrieb. Gemeinsam mit Siemens wird es künftig einfacher, solche Projekte zu gewinnen.

 

Wie sieht die Integration in die Konzernstrukturen von Siemens aus?

 

Schüler: Im Oktober ist die auf drei Jahre angesetzte Integrationsphase gestartet und die bisherige Innotec wird von der Division „Industry Automation“ als eigenständiges Unternehmen geführt. Ab sofort heißen wir Comos Industry Solutions GmbH.

 

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Generelle Strukturen beibehalten - Strategien anpassen

Wie passt das zusammen: Eigenständigkeit auf der einen Seite, aber andererseits läuft das Integrations-Projekt?

 

Schüler: Wir müssen hier unterscheiden zwischen unserem Kerngeschäft als Softwareentwickler und als Unternehmung, die sich in die Siemens-Strukturen hineinfinden muss. Dazu haben wir ein Integrationsteam mit Siemens gebildet. Dessen wichtigste Aufgabe ist, die optimale Strategie für ein noch schnelleres Wachstum zu erarbeiten - vor allem außerhalb Europas. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch das gegenseitige Know-how zwischen der Prozessautomatisierung und den Planungsprozessen vertiefen und verzahnen.

 

Wird es Veränderungen in den Organisationsstrukturen, der generellen Ausrichtung und der Produktstrategie geben?

 

Schüler: Bei den generellen Strukturen und der strategischen Ausrichtung bleibt alles wie bisher. Bei der Produktstrategie sind wir alles andere als statisch.

Schließlich hat Siemens mit dem Simatic Automation Designer eine Lösung für die Planung von Produktionsanlagen in der Fertigungsindustrie entwickelt. Unsere Engineering-Plattform ist wiederum für die Anlagenplanung in der Prozessindustrie konzipiert und enthält effiziente Funktionen, die sich sehr gut auch für die Fertigungsindustrie eignen. Daher prüfen wir gerade, wie wir die Funktionalität mit dem Simatic Automation Designer kombinieren können. Ziel ist, das Beste aus beiden Produktlinien zu einem neuen Angebot zu schnüren.

 

Was hat sich denn in den letzten Monaten bei der Produkt-Entwicklung konkret getan?

 

Schüler: Die Engineering-Software Comos bringen wir als Release 9.0 heraus. Bei dieser technologisch gesehen vierten Generation nutzen wir die Möglichkeiten der .Net-3.5-Plattform von Microsoft für eine stärkere Performance, wichtige Funktionserweiterungen und zukunftsweisende Bedienoberfläche. Beispielsweise können mehrere Anwender künftig gleichzeitig in ihrer Landessprache an einem Projekt arbeiten. Dieses Simultanious Engineering ist beim Arbeiten an globalen Projekten ein wichtiger Aspekt.

Vom Aufwand her betrachtet, ist die neue Version das mit Abstand größte Entwicklungsprojekt, das wir seit Bestehen der Software in Angriff genommen haben – rund 45 Mannjahre haben wir in den letzen zwei Jahren in das neue Release investiert. Das unterstreicht unseren Anspruch, die Technologieführerschaft auszubauen.

 

Viele ihrer Kunden haben andere Leitsystem- und Feldgeräte-Lieferanten. Können Sie deren Bedenken ausräumen, was die langfristige Unterstützung dieser Hardware-Lieferanten in ihrer Engineering-Umgebung betrifft?

 

Schüler: Mit Comos haben wir aus meiner Sicht alle großen Benchmarks im Elektrobereich gewonnen, dabei denke ich im Automobilbau an die Daimler AG oder die Krones AG, den weltweit führenden Hersteller für Abfüllanlagen von Getränken. Zudem haben wir erst vor wenigen Wochen im Bereich Energie einen weiteren Konzern für unsere Lösung gewinnen können. Kann es einen klareren Vertrauensbeweis für unsere Unabhängigkeit und Neutralität geben?

 

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