KI-gestützte Automatisierung
Die Brücke von Innovation zur Regulatorik schlagen
Automatisierung und KI tragen zur Steigerung der Produktivität von Unternehmen bei. Die Nutzung der Technologien erfordert aber auch die Einhaltung regulatorischer Vorgaben, sodass Unternehmen ihre betriebliche Belastbarkeit und IT-Sicherheit neu bewerten müssen. Eine Automation-First-Mentalität und eine KI-basierte Automatisierung können dabei entscheidende Hilfsmittel sein, um die Herausforderungen zu bewältigen.
In einer Zeit des zunehmenden Wettbewerbsdrucks und auch angesichts geopolitischer Verwerfungen sind europäische Unternehmen gezwungen, schnell neue Technologien einzusetzen und Innovationen voranzutreiben. Hierbei müssen sie die Balance zwischen Kosten, Sicherheit und gesetzlichen Vorgaben finden.
Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sollten Unternehmen zum einen ihre IT-Infrastruktur kontinuierlich weiterentwickeln und zum anderen auch eine unternehmensweite Automatisierung umsetzen. Das bedeutet für viele Firmen eine grundlegende strategische Neuausrichtung, und zwar weg von einer siloartigen IT-Automatisierung mit vielen unterschiedlichen Tools hin zu einem zentralen Ansatz. Er sollte einerseits Investitionsschutz, aber andererseits auch Flexibilität hinsichtlich neuer Anforderungen bieten. Eine solche ganzheitliche Strategie ermöglicht es Unternehmen, die Standardisierung zu beschleunigen und Best Practices umzusetzen. Arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konsistent mit identischen Tools, Cloud-Services oder Anbietern kommt dies in letzter Konsequenz auch der abteilungs- und standortübergreifenden Zusammenarbeit zugute.

Interview mit Stefan Bergstein, Red Hat
„Die Sicherheit in der Industrie darf nicht mehr nur reaktiv verstanden werden“
KI-gestützte Automatisierung ist im Maschinen- und Anlagenbau bereits Realität. Ob vorausschauende Wartung, visuelle Qualitätskontrolle oder agentenbasierte Steuerung: Stefan Bergstein, Chief Architect Manufacturing bei Red Hat, erläutert im Interview, wie KI Effizienz, Sicherheit und Resilienz in der Produktion neu definiert.
Die KI-gestützte Automatisierung
Eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Optimierung von Automatisierung spielt KI. Herkömmlicherweise dominieren in automatisierten Systemen statische, regelbasierte Arbeitsabläufe. Mit KI können sie zu dynamischen, intelligenten Prozessen transformiert werden. Die Möglichkeiten der KI-gestützten Automatisierung sind dabei vielfältig. Sie reichen von der Prognose von Systemausfällen über die Ressourcenzuweisung in Echtzeit bis hin zur Code-Generierung. Gerade bei der Programmierung und Automatisierung von Skripten wird der Einsatz von KI künftig deutlich steigen, da sich die Modelle kontinuierlich verbessern. Sie basieren auf immer größeren Datensätzen – auch unter Nutzung von unternehmensspezifischem Wissen. Die automatische Code-Generierung kann so optimal auf den jeweiligen Use Case zugeschnitten werden.
Außerdem darf nicht übersehen werden, dass die KI-gestützte Automatisierung auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein kann. Beispielsweise können auch weniger erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler mit Hilfe von KI in natürlicher Sprache programmieren.
Generell kann ein KI-gestützter IT-Betrieb helfen, Routineaufgaben deutlich einfacher und schneller zu erledigen. Auf diese Weise wird der manuelle Aufwand reduziert, sodass die entlasteten Teams Freiräume für die Fokussierung auf strategische Aufgaben gewinnen.
Mit Automatisierung zu mehr Resilienz
Bei der zunehmenden Nutzung von KI und Automatisierung müssen aber auch die – teilweise neuen – regulatorischen Vorgaben berücksichtigt werden. Von entscheidender Bedeutung ist dabei unter anderem die Umsetzung der DORA (Digital Operational Resilience Act)-Verordnung. Sie zielt darauf ab, dass EU-Finanzsystem zu schützen und die IT-Sicherheit der europäischen Finanzinstitute, einschließlich von Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen, weiter zu erhöhen. Diese Notwendigkeit besteht vor allem auch deshalb, weil immer mehr Finanzdienstleister aufgrund geänderter Marktbedingungen ihre Aktivitäten auf digitale Plattformen verlagern. Das heißt: Finanzdienstleister nutzen für ihre geschäftskritischen Prozesse und vertraulichen Daten auch die Services von Drittanbietern. So kann eine Abhängigkeit von einigen wenigen Anbietern entstehen, die eine deutliche Risikoerhöhung in der gesamten Wertschöpfungskette der Finanzdienstleistungen mit sich bringt.
Die digitale und betriebliche Resilienz muss für Unternehmen folglich eine herausragende Rolle einnehmen. Dabei geht es aber um weit mehr als nur um eine schnelle Störungsbeseitigung. Um wirklich resilient zu sein, muss ein Unternehmen flexibel genug sein, um Veränderungen prozessorientiert in den regulären Betrieb zu integrieren, anstatt nur auf Ereignisse zu reagieren. Dies erfordert die Implementierung offener, agiler und veränderungsfähiger Organisationsstrukturen, Betriebsprozesse und IT-Infrastrukturen.
Auch hierbei kann die Automatisierung punkten, da sie eine schnelle Bereitstellung der Infrastruktur und Anwendungen als Reaktion auf externe Störungen unterstützt. Damit können Unternehmen sowohl Routineaufgaben als auch komplexe Szenarien ohne großen Mitarbeiteraufwand abdecken. Die IT-Teams gewinnen damit Zeit für Deployments und Migrationen bei unvorhergesehenen Unterbrechungen.
Darüber hinaus hilft die IT-Automatisierung, Konfigurationsabweichungen zu kontrollieren und die Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien und gesetzlichen Vorschriften zu gewährleisten, etwa auch im Hinblick auf die vorgegebenen Ziele der DORA-Verordnung. Manuelle Failover- und Migrationsmethoden würden hier zu Verzögerungen, Fehlern, Geschäftsunterbrechungen und rechtlichen Problemen führen.Insgesamt können Unternehmen durch den Einsatz einer flexiblen IT-Automatisierungsplattform ihre gesamte Infrastruktur automatisieren und so die Geschwindigkeit, Effizienz und Konsistenz verbessern. Die KI-basierte Automatisierung unterstützt dabei sowohl bei der schnellen Umsetzung von Innovationen und Bewältigung steigender Workloads als auch bei der Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Das heißt, die Automatisierung schlägt die Brücke von der Innovation zur Regulatorik und Unternehmen können sich damit in einem zunehmend komplexen und wettbewerbsintensiven Umfeld erfolgreich behaupten.













