Karriere

Petra Basler / Redaktion: Alexandra Hose,

Die ‚roten Knöpfe‘ von Kollegen

Oft reagieren Menschen im beruflichen Alltag auf das Verhalten anderer gereizt, hoch emotional und der Situation völlig unangemessen. Es ist so, als hätte eine Person einen ,roten Knopf´ gedrückt. Ein inneres Alarmsystem springt an, ein Reiz-Reaktionsmechanismus startet. 

© stock.adobe.com/Fotograf

Frau F., Abteilungsleiterin in einem IT-Unternehmen, stellt ihren Plan für das strategische Vorgehen in einer schwierigen Verhandlung vor, Kollege X bügelt ihren Vorschlag in harschem Ton ab. Daraufhin fährt Frau F. aus der Haut und kanzelt ihn vor versammelter Mannschaft ab. Das passiert ihr nicht zum ersten Mal, sie gilt als unberechenbar. Als Folge wagt kaum noch jemand, die eigene Meinung zu äußern. Das schwächt die gesamte Teamperformance. Eine fatale Situation für Frau F. in ihrer Rolle als Führungskraft.

Was sind die ,roten Knöpfe‘?

,Rote Knöpfe´ werden auch Trigger genannt. Gemeint sind damit Reize in der Gegenwart - Situationen, Verhaltensweisen oder Dinge, die starke unangenehme Gefühle und Reaktionen auslösen. Diese Reaktionen stammen aus dem Unterbewusstsein. Sie haben mit der aktuellen Situation meist nichts zu tun. Der Druck auf den roten Knopf löst die Erinnerung an emotional belastende und fordernde Situationen in der Vergangenheit aus.

Wie in einem emotionalen Rucksack werden diese unverarbeiteten Erfahrungen mitgetragen. Ist der rote Knopf gedrückt, öffnet sich dieser emotionale Rucksack und das innere Alarmsystem springt an, das seit  uralter Zeit vor dem Säbelzahntiger schützen will. Dieses Alarmsystem übernimmt in der gegenwärtigen Situation die Kontrolle über die Reaktion und nicht die Vernunft. Es erzeugt den Zustand von Kampf, Flucht oder Erstarren. Es bedeutet Kontrollverlust. Die unbewussten Überzeugungen, die wir in der Vergangenheit gebildet haben, wirken dann wie eine mentale Software, die entscheidet, wie wir Situationen wahrnehmen, interpretieren und bewerten.

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So gelingt es, dem Reiz-Reaktionsmechanismus zu entkommen

Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Triggern und Situationen, die zum Ausbruch führen, lassen sich wunde Punkte erkennen und heilen. So komt die Handlungsfähigkeit zurück. Folgendes Vorgehen hat sich dabei bewährt:

  • Abstand nehmen
    Handeln Sie nie, wenn Sie getriggert sind. Wichtig sind zunächst Strategien zur Selbstregulation, um sich wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Reagieren Sie nicht und konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Wie Victor Frankl sagte: »Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.«
  • Bewusstsein entwickeln
    Um die Reaktion auf einen Reiz bewusst wählen zu können, ist es wichtig zu verstehen, warum bestimmte Verhaltensweisen oder Situationen diese starken Emotionen auslösen. Ein roter Knopf kann nur gedrückt werden, wenn er vorhanden ist, das heißt, wenn es etwas in der Vergangenheit gibt, was den roten Knopf auslöst. Es geht darum, sich dessen bewusst zu werden.

Das ABC-Modell

Das ABC-Modell nach Albert Ellis © Albert Ellis

Die Arbeit mit dem ABC-Modell des Psychologen Albert Ellis ist eine effektive Möglichkeit, Bewusstsein über den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu gewinnen. Ellis fand heraus, dass zwischen dem auslösenden Reiz (A) und der Reaktion darauf (C) ein Zwischenschritt (B) liegt, nämlich eine Bewertung, in Form von Gedanken. Diese Bewertung der Situation ist ursächlich für die folgende Reaktion. Indem  man sich bewusst macht, wie man eine Situation bewertet, lassen sich Gedanken und als Folge auch das Verhalten ändern.

Petra Basler, M.A., Professional Certified Coach (ICF), Lehrcoach, Future Mentorcoach, Bankkauffrau, Associate Partner bei Leadership Choices. © Julia Bruns, einzigARTig Fotografie, Kaarst

Indem Frau F. jetzt rechtzeitig den Stopp setzt, sich durch bewusstes Atmen entspannt und sich auf die neue Bewertung der Situation konzentriert, kann sie mit Kritik konstruktiv umgehen. Sie hat sich selbst wieder im Griff, so dass sie für die anderen berechenbar ist. Das Vertrauen der Mitarbeitenden in sie ist gewachsen. Das stärkt sie als Mensch und in ihrer Rolle als Führungskraft. 

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