Maschinen- und Anlagenbau
Internationalisierung ist Pflicht, keine Kür
Bei seiner Antritts-Pressekonferenz am 2. November nannte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner die „Internationalisierung des Mittelstands“ als Schwerpunkt seiner dreijährigen Präsidentschaft. Dabei steht die Region Asien im besonderen Fokus.
Know-how bleibt in Deutschland: Die Blitz-Umfrage des VDMA auf seiner Mitgliederversammlung zeigt, dass nur 19 % ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Asien verstärken wollen. Die Schwerpunkte liegen in den klassischen Feldern Vertrieb und Service.
© VDMAInternationalisierung - speziell in Richtung Asien - ist ein essenzielles Thema für den Deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Das zeigen einmal mehr die Marktzahlen vom September. Das Inlandsgeschäft stieg danach mit + 33 Prozent zwar stärker als die Auslandsnachfrage (+ 26%) im Vergleich zum Vorjahresniveau. Allerdings ergibt der von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflusste Dreimonatsvergleich von Juli bis September 2010 ein anderes Bild: Dem Plus von 34 Prozent bei den Inlandsaufträgen steht ein Zuwachs von 43 Prozent bei den Auslandsaufträgen gegenüber.
Allein die Region Asien trägt mit rund 50 Prozent Exportzuwachs in den letzten Jahren dabei maßgeblich zum Erfolg des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus bei. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Anstieg der Exporte nach Asien von 21,1 Milliarden Euro im Jahr 2004 auf 31,4 Milliarden Euro in 2008. Nur im Krisenjahr 2009 gingen die Exporte geringfügig auf 29,6 Milliarden Euro zurück. Von Januar bis August 2010 sind die Exporte nach Asien wieder um über 19 Prozent gestiegen. „Spitzenreiter und seit 2008 unser Top-Exportmarkt ist China mit plus 26 Prozent", präzisiert Lindner, „und ist damit gleichzeitig der Schlüsselmarkt in Asien."
Große Wachstumschancen bieten sich ebenso in den ASEAN-Ländern (Association of Southeast Asian Nations), die eine Freihandelszone mit China eingegangen sind. Auch das Indien-Geschäft wächst äußerst dynamisch. Eine VDMA-Umfrage im Rahmen der Mitgliederversammlung am 8. Oktober in München zeigt, dass die Unternehmen ihre Aktivitäten in Asien verstärken wollen, insbesondere bei Vertrieb und Service. Auch die Produktion vor Ort soll weiter ausgebaut werden. Laut dieser Umfrage bleiben die Kapazitäten für Forschung und Entwicklung dagegen weitgehend in Deutschland.
Als größte Behinderungen im Asiengeschäft werden der Mangel an Management-Kapazitäten, IPR-Verletzungen (Intellectual property rights - geistige Eigentumsrechte) sowie bürokratische Hemmnisse im Zielmarkt angegeben. „Für den weiteren Ausbau des Asiengeschäfts braucht der deutsche Maschinen- und Anlagenbau die Unterstützung der Politik," betont Lindner, „nur sie kann die Rahmenbedingungen für ein Level-Playing-Field (Chancengleichheit) mit den internationalen Wettbewerbern setzen und damit zum Erhalt der industriellen Fertigung in Deutschland beitragen."
Deshalb hat der VDMA seine Anforderungen an die Politik formuliert. Die „Asienforderungen" sind:
- Ausbau der Wissensbasis in Deutschland, um Asien noch besser zu verstehen. So untersuchen zurzeit nur wenige Wissenschaftler und Forscher die aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten in Indien, dem mit Abstand zweitwichtigsten Markt in Asien.
- Wechselseitige Freiheit des Personenverkehrs zwischen Asien und Deutschland für Geschäftsleute und Ausbildungsmaßnahmen.
- Überprüfung der deutschen Exportgenehmigungspolitik, insbesondere für China und Indien. Es kann nicht sein, dass durch politische offene Vorgaben monatelang über einer Genehmigung gebrütet wird, während der asiatische Wettbewerb bereits liefert.
- Konsequente Maßnahmen zum Schutz des geistigen Eigentums vor Produktpiraterie, insbesondere in China.












