Nachgehakt bei Steffen Himstedt
Industrie 4.0 - Projekt läuft!
Die Bundesregierung hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Thema Industrie 4.0 mit 200 Mio. Euro zu fördern. KapaflexCy ist eines der drei ersten angestoßenen und geförderten Industrie-4.0-Projekte. Steffen Himstedt erläutert die Hintergründe zu dem Projekt.
Herr Himstedt, KapaflexCy ist eines von drei Projekten, die im Rahmen der Industrie-4.0-Initiative eine Förderung erhalten. Welches Ziel verfolgt KapaflexCy?
Kern des Forschungsprojektes ist die Entwicklung einer Kapazitätssteuerung für den Personaleinsatz, die auf einer Selbstorganisation beruht. Wir ersetzen dabei die heute üblichen hierarchischen Ansätze durch gemeinschaftliche Entscheidungen in und zwischen den Arbeitsgruppen. Sprich: Die Teamleiter oder Schichtführer sollen nicht mehr mühsam mit allen Mitarbeitern Schichtänderungen aushandeln müssen. Einfacher und schneller geht es zukünftig mit Produktions-Kiosk-Systemen sowie mobilen Applikationen für Smartphones, Tablets und Social-Media-Methoden.
Wer arbeitet alles mit?
Das Projektteam setzt sich sowohl aus Mitgliedern der Forschung, industriellen Anbietern als auch produzierenden Unternehmen zusammen. Aktuell sind neben Trebing + Himstedt, das Fraunhofer IAO, die Uni Stuttgart, SAP, Kaba, BorgWarner, Seca, Introbest, der Flughafen Stuttgart und Bruker Optik beteiligt.
Wie viel Fördergeld steht Ihnen zur Verfügung?
Das Projekt ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt und umfasst ein Projektvolumen von 5,2 Mio. Euro, davon knapp 2,7 Mio. Euro BMBF-Förderung.
Kapazitätssteuerung ist ja per se nichts Neues. Was hat dies mit Industrie 4.0 zu tun?
Industrie 4.0 adressiert die Interaktion zwischen Dingen – Cyber Physical Systems – und Diensten wie ERP und MES sowie den Menschen im Produktionsprozess. Das Projekt KapaflexCy setzt dabei den Schwerpunkt auf selbstorganisierte Entscheidungsprozesse der Menschen in einem zukünftigen Industrie-4.0-Szenario. Es geht letztlich darum, mit IT-Unterstützung den Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, trotz komplexer Prozesse die richtige Entscheidung zu treffen. Wichtig ist dabei, dass die Benutzeroberflächen einfach zu bedienen und leicht verständlich sind, um den Anwender vor Informationsüberflutung zu schützen.
Der Mensch soll sich also noch stärker auf die Bedürfnisse der Maschinen einrichten?
Ganz im Gegenteil: Die Rolle des Menschen im Entscheidungsprozess wird gestärkt, da der Mensch sich jetzt auf die komplexen Ausnahmen konzentrieren kann. Die einfachen Entscheidungsprozesse, die durch Regeln getroffen werden können, passieren in der Industrie 4.0 automatisiert. Der Menschen wird von zeitfressenden Routine-Entscheidungen und manuellen Tätigkeiten wie dem Eingeben von Mengen und Verbräuchen, entlastet. Diese Entlastung soll dem Einzelnen mehr Freiheiten geben.
Welcher technische Background ist nötig für die Umsetzung der Forderung nach bedarfsgerechterer Koordination von Mensch und Maschine?
Die bis dato üblichen starren Planungsansätze sind nicht flexibel genug für kurzfristige Bedarfsschwankungen. Damit stehen entweder zu viele oder zu wenige Mitarbeiter bereit, mit der Folge, dass oftmals Maschinen nicht ausgelastet sind. Mit KapaflexCy wollen wir hier eine neue Qualität bezüglich der flexiblen Kapazitätsplanung von Mensch und Maschine schaffen.
Was brauchen wir hierzu? Einerseits durchgängige Schnittstellen zwischen ERP-Systemen und Maschinen, auf der anderen Seite aber auch die Integration des Menschen über eine moderne Benutzerführung in den Informationsfluss. So erhält beispielsweise bei Zusatzbedarf ein geeigneter Personenkreis – und eben nur dieser – über ein Smart-Device automatisch eine Anfrage für Mehrarbeit. Jeder einzelne entscheidet dann individuell auf Grundlage des aktuellen Stundenkontos und seiner persönlichen Verfügbarkeit, ob er die Anfrage annehmen möchte. So organisiert sich die Schichtbelegung selbstständig. Ein Eingreifen ist nur noch in Ausnahmefällen notwendig.
Wie ist der Status quo des Projektes und welches sind die nächsten Schritte?
Der Startschuss des Projektes fiel im September 2012. Zunächst haben wir Flexibilitätsbedarfe analysiert und passende Szenarien definiert. Darauf aufbauend entwerfen wir aktuell parallel erste Bedienoberflächen. Der Abschluss dieser beiden Phasen erfolgt noch im Jahr 2013. In einem nächsten Schritt ist der Aufbau und Test von realen Anwendungsszenarien in Pilotbetrieben geplant. Bis zum Abschluss der Forschung im Herbst 2015 liegen dann Erfahrungen aus den Pilotprojekten vor, von denen alle produzierenden Unternehmen in Deutschland profitieren können.










