E-Mechanik & Interfaces (News)
Hygienisch einwandfrei
Für Nahrungsmittelmaschinen sind die Hygiene-Vorgaben besonders hoch, was Werkstoffe, Oberflächenbeschaffenheit und Dichtigkeit der Maschinen anbelangt. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, fertigt Fleischereimaschinen- Hersteller Seydelmann komplett im eigenen Haus.
Von Uwe Schmidt
Traditionell zeichnen sich die Fleischzerkleinerungs- Maschinen von Seydelmann durch eine hohe Fertigungstiefe aus: Der gesamte Stahlbau wird ebenso im eigenen Hause erledigt wie die Fertigung der Bedieneinheiten. In beiden Fällen gelten hohe Hygiene-Anforderungen, die sich im Design der Maschinen widerspiegeln. So sind die Edelstahl-Oberflächen völlig glatt, damit sich keine Materialreste anlagern können.
Alle Bedienelemente sind ergonomisch angeordnet und die Funktionen können ohne Blickkontakt bedient werden. Dies wird mittels Bedientableaus erreicht, die mit Drucktastern, Wahlschaltern und Leuchtmeldern aus dem N-Programm von Elan sowie mit Kreuzhebeltastern ausgestattet sind. Die letztgenannten Schaltgeräte können über den Betätigungshebel in bis zu vier Richtungen bewegt werden und dabei jeweils unterschiedliche Funktionen auslösen. Jeder Schalter ist mit logisch zusammenhängenden Funktionen belegt, so dass sich die Maschinen intuitiv bedienen lassen und Fehlbedienungen unwahrscheinlich sind. Zudem haben die Konstrukteure gegenseitige elektrische Verriegelungen vorgesehen, die eine kombinierte Betätigung solcher Funktionen ausschließen, die nicht zusammenpassen. Auf diese Weise lässt sich die Menge der Bedienelemente eingrenzen.
Alternativ sind für einige Bedienvorgänge Kreuzschalter anstelle von Kreuztastern im Einsatz. Bei ihnen verrasten die Betätigungshebel in der betätigten Stellung.
Hygienegerechte Konstruktion
Bei der Konstruktion der Bedienelemente ist die Hygiene mindestens ebenso wichtig wie die Ergonomie. Seydelmann nutzt das N-Programm der Bedienelemente von Elan, das speziell für die Nahrungsmittelindustrie entwickelt wurde. Als Grundlage dabei diente die Europa-Norm EN 1672- 2, die allgemeine Gestaltungsleitsätze zu den Hygiene-Anforderungen von Nahrungsmittelmaschinen enthält. Dementsprechend weist die Geräte-Geometrie keine Ecken und Kanten auf, was die Voraussetzung für eine gründliche und rückstandsfreie Reinigung der Geräteköpfe und damit für das Vermeiden von Kreuzkontaminationen schafft. Das Programm umfasst unter anderem Druck- und Leuchttaster, Kurzhubtaster, verschiedene Arten von Wahlschaltern, Pilztaster, Meldeleuchten, Stufenschalter, Potentiometer- Antriebe, Hauptschalter bis 63A, Not- Stopp-Befehlsgeräte und Edelstahlgehäuse. Die hygienegerechte Ausführung des N-Programms wird durch eine Baumusterprüfung mit dem Prüfzertifikat „Hygiene“ der Prüfstelle der Fleischerei-Berufsgenossenschaft bestätigt.
Seydelmann delegiert die Herstellung der Bedieneinheiten nicht an Zulieferer, sondern fertigt sie selbst. Aus Hygiene- Gründen sind die Bedienhinweise und Piktogramme eingeprägt.
Glatte Konturen und Oberflächen sind aber nur ein Aspekt der hygienegerechten Konstruktion – der andere, ebenso wichtige, ist der Schutz gegen Nässe und Feuchtigkeit – besonders in der Fleischerei-Industrie, die gemäß „Risikograf für das Hygienerisiko an Nahrungsmittelmaschinen“ hygienisch hochsensible Produkte der Produktrisikostufe P2 verarbeitet. Entsprechend gründlich erfolgt hier die Reinigung, der Hochdruckreiniger gehört zur Grundausstattung. Obwohl die Bedientableaus nicht mit dem Heißwasserstrahl beaufschlagt werden sollten, lässt es sich oft nicht vermeiden. Daher entsprechen sowohl das N-Programm als auch die Kreuztaster den Anforderungen der Schutzart IP69K, so dass auch bei einem 80 °C heißen Wasserstrahl, dem die Geräteköpfe mit einem Druck von 100 bar allseitig ausgesetzt werden, keine Feuchtigkeit ins Innere der Gehäuse beziehungsweise durch die Abdichtung zum Bedientableau dringt.
Sowohl im Inneren der Fleischereimaschinen als auch im Schaltschrank kommt Sicherheitstechnik der Elan-Schwestergesellschaft Schmersal zum Einsatz. Bei den Kuttern beispielsweise wird die Stellung der Schutzhaube über einen Positionsschalter mit Sicherheitsfunktion abgefragt. Ist die Haube geöffnet, kann die Maschine nicht starten.
Bei den Lärmschutzdeckeln der Kutter hat Seydelmann ein stufenweises Sicherheitskonzept realisiert:
Öffnet der Bediener den Deckel des Kutters, wird die Messergeschwindigkeit automatisch auf die Hälfte der Maximalgeschwindigkeit reduziert.
Als Signalgeber zum Beispiel für die Freigabe von Schutztüren oder von Handschutzhauben am Auslauf der Wölfe dienen keine sicheren Zeitglieder, sondern Stillstandswächter, die die reale Geschwindigkeit der gefahrbringenden Bewegung erfassen und damit den Zugang zum Arbeitsraum der Maschine früher ermöglichen, als es ein Zeitglied tut.
Autor
Uwe Schmidt ist Produktmanager bei Elan Schaltelemente in Wettenberg.












