Form und Funktion
Face-Lifting leicht gemacht
Für ein individuelles Design der Mensch- Maschine-Schnittstelle greifen viele Maschinenbauer auf teure Eigenkonstruktionen zurück. Eine Alternative sind Standardprodukte – die sich per Baukastenprinzip wunschgerecht gestalten lassen.
Das Bediensystem gilt bei vielen Maschinenbauern als „Gesicht der Maschine“. Bei der Gestaltung der Mensch- Maschine-Schnittstelle wird deshalb heute sehr viel Wert auf ein durchgängiges „Look & Feel“ gelegt – nach langen Jahren, in denen Maschinen einer typischen Produktionsstätte mit der grünen Farbe RAL 6011 als Grundfarbe nahezu identisch aussahen. Heutige Maschinenbauer versuchen, ihre Maschinen auch durch ein unverwechselbares Aussehen zu differenzieren. Besonderes Augenmerk liegt dabei zunächst auf der Gestaltung der Bildschirmoberflächen und Bedienelemente. Aber auch die umgebenden mechanischen Komponenten wie die Tragarmsysteme geraten zunehmend ins Blickfeld. Eine wesentliche Anforderung an Tragarmsysteme für Bediengehäuse ist ihre Flexibilität: Unterschiedliche Blickwinkel zur Maschine müssen ebenso berücksichtigt werden wie die wechselnde Körpergröße des Bedienpersonals, das im Sitzen oder aber im Stehen arbeiten kann. Hinzu kommen neben erhöhter Tragkraft bei großen Auslegerlängen sowie erweiterten Funktions-Anforderungen beim Kabelmanagement auch mehr und mehr Optionen für eine individuelle Gestaltung.
Damit eine Maschine ein einheitliches Bild abgibt, verwenden viele Maschinenbauer heute spezifisch gefertigte Bediengehäuse und Tragarmsysteme. Allerdings sind solche Sonderlösungen mit dem Manko behaftet, unflexibel und teuer zu sein. Eine Alternative sind Standardprodukte, deren Design sich per Baukastenprinzip kundenspezifisch anpassen lässt. Die Firma Rittal beispielsweise hat zur Ergänzung ihres Bediengehäuseprogramms ein Tragarmsystem entwickelt, das im Design individuell an eine Maschine adaptierbar ist. Ein spezielles Merkmal dieses Tragarmsystems namens CP-C ist das wie eine Sehne durchlaufende Design: Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten mit Maschinenbezeichnungen sowie Firmenlogos lassen sich in der seitlich durchgängigen Nut im Profil anbringen. Hier lassen sich farblich gestaltete Elemente passend zur Maschinenfarbe aufbringen.
Konkret sieht das Konzept folgendermaßen aus: Ein Tragarm des neuen Systems lässt sich aus den verschiedenen Bestandteilen nach dem Baukastenprinzip zusammensetzen. Zunächst muss der Anwender entscheiden, ob der Tragarm oben auf der Maschine, auf dem Boden oder an einer Seitenwand montiert werden soll. Seiner Wahl entsprechend gibt es Aufsatz- oder Wandgelenke, jeweils mit senkrechtem oder waagerechtem Abgang. So lässt sich der Tragarm, der eine maximale Tragkraft von 1300 N hat, mit dem Tragprofil aus Aluminium- Strangpressprofil, Winkelstücken und Zwischengelenk zusammenstellen. Um die benötigte Länge des Tragarms zu erreichen, gibt es die Tragprofile in vier verschiedenen Längen zwischen 250 mm und 2000 mm. Zur Montage des Bediengehäuses am Tragarm dienen Gehäuse und Winkelkupplungen.
Tragarmsystem mit Zusatznutzen
Neben den individuellen Gestaltungsmöglichkeiten stehen die mechanischen Eigenschaften des Systems. Beispielsweise lässt sich ein bereits montierter Tragarm nachträglich justieren, indem der Anwender lediglich die Abdeckung der Tragarm-Anschlusselemente abnimmt und so die beiden Justierschrauben mit einem Schraubendreher erreichen kann. Damit kann eine nachträgliche Ausrichtung des Tragarms innerhalb weniger Minuten erledigt werden. Das bisher oft typische Szenario eines schief am Tragarm hängenden Bedien-Panels ist somit passé.
Mit 60 mm Innendurchmesser bietet das Tragarmsystem genügend Platz für Kabel und Leitungen, um per Trennsteg beispielsweise Steuer- und Versorgungsleitungen separat führen und so elektromagnetische Störungen vermeiden zu können.
Auch die Eckstücke des Tragarmsystems von Rittal weisen ein nützliches Detail auf: Die Aussparungen zur Montage von weiterem Zubehör wie etwa einer Signalsäule sind bereits vorgesehen und lassen sich einfach herausbrechen. So muss bei der Montage nicht erst gebohrt oder gefräst werden.
Eine häufige Anwenderforderung lautet, auch vorkonfektionierte Kabel und Leitungen einfach durch den Tragarm „fädeln“ zu können – ein typisches Beispiel hierfür ist die Verwendung von Kabeln mit DVI-Steckern für TFT- und Panel-PCs. Um vielen Kabeln und Leitungen gleichzeitig Platz zu bieten, hat Rittal das System so konzipiert, dass durchgängig ein Innendurchmesser von mindestens 60 mm zur Verfügung steht. Das Einkoppeln von Signalen in Datenleitungen durch Versorgungsleitungen kann wirksam mit einem optional erhältlichen Einschubstreifen unterbunden werden, der den Tragarm in zwei Kammern unterteilt. Das Tragarmsystem kann verschiedene Arten von Bediengehäusen aufnehmen. Es passt zu den Bediengehäusen vom Typ Comfort-Panel von Rittal ebenso wie zu anderen Gehäusen, die sich per Gehäusekupplung am Tragarm montieren lassen. Für Anwendungsfälle, in denen nur ein einzelnes Display oder ein Industrie-PC mit eigenem Gehäuse zu montieren ist, stehen entsprechende Adapter zur Verfügung.
Autor: Tim Kramer ist Gruppenleiter im Produktmanagement Schaltschranksysteme bei Rittal in Herborn.











