M2M-Hotspot
Der M2M-Summit 2013
My machine talks to me – unter diesem Slogan stand der diesjährige M2M Summit, veranstaltet von der M2M Alliance Anfang September in Düsseldorf. Deutlich wurde: Die Branche hat ihre Selbstfindungsphase noch nicht abgeschlossen. Immer mehr Anbieter sprechen nun zudem nicht mehr von Machine-to-Machine-Kommunikation, sondern vom Internet der Dinge.
Der M2M Summit erzielt von Jahr zu Jahr eine höhere Resonanz: Insgesamt 991 Besucher und 59 Aussteller aus über 30 Ländern hatten sich angemeldet, damit ist der Summit die wohl wichtigste M2M-Veranstaltung in Deutschland.
Bereits im Vorfeld der Veranstaltung veröffentlichte die M2M Alliance eine Studie zur M2M-Akzeptanz. Insgesamt wurden hierbei 4.800 Experten und Entscheider der Anbieterseite befragt. 95 % der Teilnehmer gehen von einem deutlichen Marktwachstum aus. 73 % der Befragten erwarten bis 2018 sogar zweistellige Wachstumsraten. Fast jeder vierte Teilnehmer (23 %) geht von 25 % Marktwachstum pro Jahr aus. Der Studie zufolge nutzen die Anwender M2M-Lösungen, um neue Märkte zu erschließen, Kosten zu senken und ihr Wachstum zu steigern. Mit anderen Worten: Die Anbieterseite ist offensichtlich sehr optimistisch, was die M2M-Entwicklung betrifft. Eine positive Grundeinstellung, die im Wesentlichen auch die Stimmung in Düsseldorf prägte.
Dr. Thomas Kiessling, Deutsche Telekom: "Die M2M-Kommunikation ist ein Baustein im Internet der Dinge. Bis 2018 ist eine jährliche IoT/M2M-Wachstumsrate von 26 % zu erwarten."
© Sönke PetersIn seiner Keynote mit dem Titel „M2M unlimited – Connected life & work“ geht Dr. Thomas Kiessling von der Deutschen Telekom auf das Bild von Menschen und Maschinen ein, die einen Mesh bilden, also ein Internet der Menschen und Dinge. Kiessling erwartet, dass schon bis 2018 mehr als 8 Mrd. vernetzte M2M-Systeme existieren. Insbesondere der Automobil-Markt würde hohe Stückzahlen generieren. Kiessling sieht die Chance, jedes Auto mit mindestens einer SIM-Karte auszustatten.
Deutlich wird auch, dass sich die Deutsche Telekom als „One-Stop Shopping“-Anbieter für M2M-Projekte positioniert und dafür ein umfangreiches Partnerprogramm aufgesetzt hat. Zu diesem Programm gehören mit dem „Developer Garden“, einem „Market Place“ und einem speziellen Partnerportal unterschiedliche Plattformen. In der Fragerunde am Ende des Vortrages macht Kiessling deutlich, dass die Telekom mit dem M2M-Geschäft auch Umsatzrückgänge bei Sprache und SMS kompensieren will. Ein Aspekt, der durchaus die eingangs geäußerte hohe Erwartungshaltung an die zu erreichenden Stückzahlen vernetzter M2M-Baugruppen erklärt.
Jan Geldmacher, Vodafone: "Durch M2M gewonnene Daten in Geschäftsprozesse einzubinden, ist noch einmal was ganz anderes als Sensoren in einen Getränkeautomaten einzubauen."
© Sönke PetersAuf die möglichen Schwierigkeiten von M2M-Projekten geht Jan Geldmacher von Vodafone Global Enterprise ein. Mit seinem Vortrag „How Technology enables Companies to stay competitive“ verdeutlicht er, dass „Sensoren in einen Getränkeautomaten einzubauen, die eine Sache ist. Die Daten in Geschäftsprozesse zu integrieren, ist eine ganz andere Sache!“. Laut Geldmacher kann nur ein global aufgestelltes Unternehmen entsprechender Größe alle anstehenden Integrationsprobleme lösen.
Die obligatorische Paneldiskussion war in diesem Jahr mit Kai Brasche (Telefonica), Bernd Wunderlich (IBM), Magnus Melander (B3IT), Marc Sauter (Vodafone) und Jürgen Hase (Deutsche Telekom) besetzt. Unter der Moderation von Prof. Jens Böker (Vorstand der M2M Alliance) diskutierten die Teilnehmer sehr lebhaft die Frage, welchen Lebenszyklus-Status M2M inzwischen erreicht hat. Hat M2M im Jahre 2010 bereits den Höhepunkt der Hype-Kurve überschritten und befindet sich nun im „Produktivitäts-Plateau“? Oder steht der Branche erst noch der Hype und damit das folgende „Tal der Enttäuschungen“ bevor?
Einigkeit herrscht hingegen bei der Frage nach der geografischen Verteilung innovativer M2M-Lösungen: Aus Sicht der Diskutanten sind die asiatischen Märkte eindeutig am weitesten entwickelt. Hinsichtlich der Branchen sieht Jürgen Hase die Automobilbranche und das Gesundheitswesen als führend an.
„M2M“ gleich „Internet der Dinge“?
Vorträge, Diskussionsrunde und die Exponate der Aussteller des M2M Summits verdeutlichen, dass die M2M-Kommu-nikation als Querschnittstechnologie für einen insgesamt stark fragmentierten Markt gesehen wird. Die einzelnen Anbieter versuchen offensichtlich, mit den gleichen Bausteinen verschiedene vertikale Märkte zu bedienen. Die völlig unterschiedlichen Anforderungen einer Automobil-, Energie- oder einer Telemedizin-Anwendung treten dabei bislang in den Hintergrund.
Die Veranstaltung zeigte darüber hinaus, dass immer mehr Anbieter M2M und das Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) als identisch einstufen. Auf die M2M-SIM-Karte eines Mobilfunknetzbetreibers mag diese Sicht der Dinge noch zutreffen. Für alle anderen Marktteilnehmer ist sie nicht ungefährlich, da eine unzureichende Spezialisierung dem Erfolg im Wege stehen könnte.
Aus technischer Sicht ist es bislang üblich, M2M als eine von mehreren möglichen Kommunikationsbeziehungen in die Datenebene der IoT-Pyramide einzuordnen. Anders nun in den Keynotes der Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Ericsson: Hier ist keine klare IoT-Strategie, sondern vielmehr eine Gleichstellung von M2M und IoT erkennbar. Vielleicht lässt sich durch die Addition der Marktvolumen auch der Anbieteroptimismus in der zuvor angesprochenen Studie erklären. Dass sich durch das Internet der Dinge in nahezu allen technologiebasierten Märkten bis 2020 ein nachhaltiges Wachstum ergeben wird, ist ziemlich sicher. Davon werden auch die M2M-Anbieter profitieren. Dieses Wachstum wird aber völlig neue Marktteilnehmer und Geschäftsmodelle hervorbringen. Auf der Anwenderseite sucht man eigentlich nicht nach GSM-Modulen, Gateways und SIM-Karten, sondern nach Informationen. Die könnte in Zukunft auch ein IoT-Unternehmen mit einem serviceorientierten Geschäftsmodell liefern.
Security – kein Thema!
Trotz der Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden und der nicht abreißenden Meldungsflut zum US-Geheimdienst NSA, spielte das Thema Security auf dem Summit weder in den Vorträgen noch in der Ausstellung eine Rolle. Lediglich einfache VPN-Lösungen, die inzwischen auch auf jeder Automatisierungsveranstaltung zu sehen sind, wurden in der Ausstellung gezeigt und in einigen Vorträgen von den Herstellern erläutert. Ob sich solche VPN-Fernzugriffskonzepte für M2M-Anwendungen tatsächlich eignen, wurde nicht weiter vertieft. Vielmehr ließ sich der Eindruck gewinnen, dass sich die Branche zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht mit Sicherheitsthemen befassen möchte. Es ist daher vielleicht Ironie des Alltags, dass zwei Tage nach der Veranstaltung bekannt wurde, dass bei Vodafone in Düsseldorf von einem Einzeltäter mit etwas Insiderwissen rund zwei Millionen Kundendaten inklusive der Bankverbindungsdaten gestohlen wurden. Auch in der IT-Infrastruktur eines global aufgestellten M2M-Branchenriesen können offensichtlich jederzeit alle Daten entwendet, ausspioniert oder verraten werden. Dafür ist noch nicht einmal ein Geheimdienst erforderlich.
Insgesamt war der M2M Summit eine gelungene Networking-Veranstaltung, die sicherlich auch in Zukunft wächst. Die Dominanz der Telekom-Firmen und ihrer Partner hat im Vergleich zu den Vorgängerveranstaltungen weiter zugenommen. Leider sind potenzielle Anwender von M2M-Lösungen nach wie vor unterrepräsentiert.
Autor: Klaus-Dieter Walter ist Mitglied der Geschäftsleitung bei SSV Software Systems und gehörte viele Jahre dem Vorstand der M2M Alliance an.















