Harting
1 Gigabit ist zuwenig!
Harting stellt die 10-Gigabit-Ethernet-Technologie in den Mittelpunkt des diesjährigen Messeauftrittes der SPS/IPC/Drives . Die Hintergründe hierzu erläutert Andreas Huhmann, zuständig für die Inhouse Consultant Strategy CN.
Herr Huhmann: 10-Gigabit-Ethernet im industriellem Umfeld - ist dies nicht ein wenig weit vorausgedacht?
Huhmann: 10 Gigabit ist meines Erachtens hinreichend weit vorausgedacht. Aber keineswegs zu weit in die Zukunft gerichtet, wie die momentane noch weit verbreitete Fast-Ethernet-Technologie vermuten lässt. Die Ethernet-Technologie in der Industrie ist heute keine Inseltechnologie mehr, wie es der Feldbus war. Vielmehr muss sie sich den Herausforderungen eines konvergenten Netzwerks stellen. Was ich damit sagen will: Anwendungen wie etwa RFID benötigen die Anbindung an die Steuerung und auch die Anbindung an ERP-Systeme. Die heute verfügbaren RFID-Geräte, aber auch Kameras und Industrie-PCs, sind schon vielfach mit Gigabit-Ethernet ausgerüstet.
Damit sind die Ethernet-Technologiezyklen in der industriellen Automatisierung mit denen der Office IT untrennbar verbunden. Da sich Gigabit mittlerweile zum Standard entwickelt hat, ist absehbar, dass die 10-Gigabit-Technologie schon in greifbarer Nähe ist. Das bedeutet: Eine Einschränkung auf Gigabit-Verkabelung würde für den Anwender keine hinreichende Investitionssicherheit für die Zukunftsprojekte bieten. Deshalb setzen wir mit der Automation IT Verkabelung heute schon konsequent auf 10-Gigabit-Ethernet.
Welche Modifikationen sind durch die höhere Datenrate an der Stecker-Technologie unumgänglich?
Huhmann: Hat es der Anwender mit einer Applikation zu tun, die in ihrem Bandbreitenbedarf auf Fast Ethernet beschränkt ist, so ist die heutige 2-paarige Technik optimal auf diese Anwendung angepasst.
Bei allen anderen Applikationen gerät er mit der 2-paarigen Lösung allerdings in eine Sackgasse. Das betrifft einerseits das Kabel, andererseits auch die einzelnen Steckverbinder. Der RJ45 ist dabei nicht das Problem. Das Problem macht der heutige d-codierte M12-Standard. Dieser ist mit seinen vier Kontakten auf Fast Ethernet beschränkt. Will man die Datenrate erhöhen, sind Modifikationen unumgänglich.
Harting geht deshalb den Weg einer neuen Lösung, die einen 4-paarigen Aufbau mit untereinander paarweise geschirmten Kontakten nutzt. Das macht dieses Steckgesicht zum Rückgrad für höchste Datenraten mit höchster Übertragungssicherheit. 1 und 10 Gigabit sind auf diesem Weg nur Meilensteine eines noch weit leistungsfähigeren Steckgesichts. Der Gerätehersteller und Anwender erhält mit dieser auch genormten Variante eine zukunftssichere Lösung, die über Gerätegenerationen hinaus Bestand haben wird.
Harting ist für die Entwicklung der neuen Steckverbinder eine Kooperation mit Phoenix Contact eingegangen. Warum der Schulterschluss mit den Blombergern?
Huhmann: Harting geht gezielt Kooperationen ein, um Marktstandards zu setzen. Für eine Zusammenarbeit mit Phoenix Contact sprach zum einen, dass sich die Zusammenarbeit bereits bei der Standardisierung des Profinet-PushPull-Steckverbinders bewährt hat.
Zum anderen lag eine Zusammenarbeit beim M12 auch deswegen nahe, weil beide Unternehmen ziemlich zeitgleich die Marktrelevanz eines neuen M12 erkannt haben. Förderlich war natürlich auch, dass bezüglich des technologischen Konzepts sofort Einigkeit bestand: Für beide Unternehmen sind die datentechnische Zukunftsfähigkeit durch 10 Gigabit und die maximale Übertragungssicherheit durch eine paarweise Schirmung elementare Kernforderungen.
Und vergessen Sie nicht den Punkt der Standardisierung: Die Einigkeit in all den technischen Punkten macht den M12 stark. Und beiden Unternehmen ist klar, dass für Ethernet nur ein offener und universeller Standard den Anforderungen des Marktes gerecht wird.










