50 Jahre Rauscher
»Tempo der Weiterentwicklungen im KI-Bereich ist atemberaubend«
In diesem Jahr feiern die Bildverarbeitungsexperten der Firma Rauscher ihr 50stes Jubiläum. Ein Interview mit den beiden Geschäftsführern Raoul Kimmelmann und Thomas Miller.
Raoul Kimmelmann und Thomas Miller bilden die Geschäftsführung von Rauscher Bildverarbeitung (vlnr).
© Rauscher BildverarbeitungHerzlichen Glückwunsch zu 50 Jahren Rauscher! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?
Raoul Kimmelmann: Schon in der frühen Phase des Unternehmens erkannte der Firmengründer Ernst Rauscher, dass die damals rein wissenschaftlich getriebene Bildverarbeitung große technische Möglichkeiten bietet und auch für industrielle Anwendungen ein vielversprechendes Potential für effiziente Lösungen hat. Die Technologie ist dann tatsächlich in die Industrie eingezogen und hat sich dort als effizientes Werkzeug für die Qualitätssicherung etabliert. Wichtigstes Steckenpferd der frühen Rauscher GmbH waren Framegrabber: Diese Bilderfassungskarten waren zwingend notwendig, um die Kameradaten digital im PC zu verarbeiten, sie waren jedoch erklärungsbedürftig, komplex und zudem so gut wie nicht standardisiert. Für Rauscher war es damals eine wesentliche Aufgabe, Verständnis für diese Technologie aufzubauen und intern die technischen Ressourcen vorzuhalten, um Kunden optimal bei der Realisierung ihrer Bildverarbeitungssysteme zu unterstützen. Später verhalfen dann diverse Standardisierungen und neue Framegrabber-lose Schnittstellen wie IEEE1394, GigE und USB3 der industriellen Bildverarbeitung zu großer Verbreitung in verschiedensten Anwendungen, die heute auch außerhalb der Industrie liegen. Dennoch sind Framegrabber immer noch aktuell und – speziell bei High-End-Anwendungen - ein essenzieller Bestandteil einer performanten Lösung. Diese technischen Entwicklungen wurden bei Rauscher durch zahlreiche neue Partnerschaften mit internationalen Herstellern von Produkten aus allen Teilbereichen der Bildverarbeitung begleitet.
Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?
Thomas Miller: Im Wandel dieser langen Zeit gab es natürlich mehrere Bestseller. Hervorzuheben sind dabei die Framegrabber-Serien ‚Matrox Meteor‘ und ‚Meteor-II‘, die über 30 Jahre hinweg erfolgreich verkauft wurden und wahrscheinlich weltweit zu den am weitesten verbreiteten Framegrabbern zählen. Gründe dafür sind ihr innovatives Design, die robuste Hardware, ihre hohe Flexibilität für alle Kameras und die einfach zu verwendende Software-Schnittstelle für die Programmierung. Heute ist der ‚Matrox Design Assistant‘ sehr erfolgreich. Mit dieser Software können Anwender ohne Programmierung nicht nur den Bildeinzug von beliebigen Kameras, sondern komplette Bildverarbeitungs-Anwendungen per Mausclick realisieren.
Auf der Kameraseite ist sicherlich die ‚Basler ace‘-Serie als Bestseller zu nennen. Aus unserer Sicht war sie die erste wirklich auf große Stückzahlen ausgelegte Kameraserie. Was vor vielen Jahren mit fünf Modellen begann, umfasst heute Hunderte verschiedene Kameras mit diversen Schnittstellen wie GigE, USB3 oder 5GigE. Mit ihrer hochkompakten Bauform und den umfangreichen Features zählt diese Kameraserie noch heute zu den erfolgreichsten an Markt.
In 50 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Raoul Kimmelmann: Natürlich musste sich auch Rauscher diversen Krisen stellen wie beispielsweise der Talfahrt der gesamten Weltwirtschaft in den Jahren 2008/09, technologischen Veränderungen bei großen Kunden oder der Corona-Pandemie, die ganz neue Herausforderungen ohne Kundenbesuche sowie Umstellungen in Bezug auf das Arbeiten aus dem Homeoffice mit sich brachte. Ich denke, wir haben aus all diesen Krisen viel gelernt und uns als Unternehmen dadurch wesentlich weiterentwickelt.
Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Thomas Miller: Zehn bis 15 Jahre in die Zukunft zu blicken ist nicht einfach, aber wir werden alles daransetzen, die gute Position, die wir uns in den vergangenen 50 Jahren in der Bildverarbeitung erarbeitet haben, auch in den kommenden Jahren zu halten und weiter auszubauen. Mit unseren Partnern für die Bereiche Beleuchtung, Optik, Kameras, Framegrabber, PCs, Software, 3D und Deep Learning sehe ich uns dafür bestens gerüstet. Wir freuen uns auch in Zukunft auf spannende und herausfordernde Applikationen, die unser Team von Vision-Experten gemeinsam mit unseren Kunden engagiert angehen wird. Unser Geschäftsmodell als Distributor für die Bildverarbeitung wird dabei unseres Erachtens auch weiterhin Bestand haben. Wir sind davon überzeugt, dass die langjährigen Praxiserfahrungen und die enge persönliche Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern guter Distributoren wie Rauscher auch in Zukunft die besten Voraussetzungen dafür darstellen, Projekte in kurzer Zeit erfolgreich abzuschließen. Den kommenden Jahren sehen wir aus diesen Gründen sehr positiv entgegen.
Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Rauscher wichtig sind beziehungsweise werden?
Raoul Kimmelmann: Wie in nahezu allen Industriebereichen spielt die Künstliche Intelligenz auch in der Bildverarbeitung eine immer wichtigere Rolle. Diese Technologie erlaubt in bestimmten Einsatzfeldern innovative Lösungen, die mit herkömmlichen Methoden nur mit extrem hohem Aufwand oder gar nicht erstellt werden können. Das Tempo der Weiterentwicklungen in diesem Bereich ist atemberaubend und wird den gesamten Markt der Bildverarbeitung nachhaltig verändern. Darüber hinaus haben in den vergangenen Jahren weitere Technologietrends wie die 3D-Bildverarbeitung, Embedded Vision-Systeme oder die Miniaturisierung bei gleichzeitiger Leistungssteigerung die Branche geprägt und sind natürlich auch für Rauscher wichtig.
Was glauben Sie wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Thomas Miller: Allgemein müssen sich Industrieunternehmen wie schon in der Vergangenheit auf ein zunehmend schwierigeres geschäftliches Umfeld einstellen, in dem der Wettbewerbsdruck eher zu- als abnimmt. Es ist daher auch vor dem Hintergrund der zuvor genannten technischen Entwicklungen extrem wichtig, den Anschluss an neue Technologien nicht zu verlieren. Eine große Herausforderung ist zudem der Fachkräftemangel, der auch in der Bildverarbeitung immer deutlicher erkennbar ist. Es ist eines unserer Ziele, in diesem anspruchsvollen Umfeld auch in den kommenden Jahren erfolgreich zu bestehen und am Puls der Zeit zu bleiben.















