Kamera-Interfaces

Torsten Wiesinger | Stefan Kuppinger,

Ein Standard-API reicht

Standards für Bildverarbeitungssysteme gibt es en masse. Nur, erfüllen sie auch eine der wichtigsten Forderungen aus Anwendersicht – die einfache Austauschbarkeit der Komponenten und damit die Herstellerunabhängigkeit? Ein Zwischenruf.

© IDS Imaging Development Systems

Mit Coaxpress, Cameralink HS, GigE Vision 2.0, Firewire DCAM und dem analogen Videostandard existieren bereits vielfältige Schnittstellen-Standards in der industriellen Bildverarbeitung. Für den Kunden sollen die Vorteile einer Standardisierung vor allem liegen in

  • der universellen Einsetzbarkeit
  • der Austauschbarkeit von Komponenten bei wechselnden Anforderungen in der Anwendung sowie
  • im einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Kameraherstellern.

Ob diese Ziele durch die bisherigen Standardisierungen auch erreicht werden, ist jedoch mehr als zweifelhaft.

Applikations-Kompatibilität fehlt

Da die Standards immer auf eine spe­zifische Schnittstelle ausgerichtet sind, erfolgt mit der Auswahl eines Standards immer auch eine Festlegung auf eine einzige Schnittstelle. Ein späterer Wechsel, beispielsweise von GigE Vision auf Cameralink ist dann nur mit erheblichem Aufwand und Neuprogrammierungen möglich. Zudem basieren beispielsweise GigE Vision und andere Standards auf Protokoll-Ebene. Auf Protokoll-Ebene arbeiten jedoch die wenigsten Kunden und Anwender.

Torsten Wiesinger, Geschäftsführer bei der Firma IDS Imaging Development Systems in Obersulm: „Der Vision-Markt braucht keine weiteren Schnittstellen-Standards, sondern Interoperabilität und Austauschbarkeit, wie sie Genicam leisten könnte.“

© IDS Imaging Development Systems

Demzufolge ist eine Standardisierung auf dieser Ebene nicht relevant, da der eigentliche Kundennutzen einer einfachen Anbindung und Implementierung fehlt. Außerdem wird ein Herstellerwechsel durch unterschiedliche Ver­sionen zusätzlich erschwert, da einzelne Funktionen und weitere Features meist herstellergebunden sind. Um eine gewisse Flexibilität in seinen Anwendungen zu erhalten, muss der Kunde somit durchaus verschiedene Schnittstellen und Standards in Betracht ziehen, so dass die eigentlichen Vorteile einer Standardisierung nicht gegeben sind.

Ein sinnvoller Ansatz im Standardisierungsbestreben ist der unabhängige Hardware- und Softwarestandard Genicam der EMVA, (European Machine Vision Association), der eine gewisse Vereinheitlichung auf der Ebene der Programmierschnittstelle erreicht. Leider gibt es auch bei Genicam momentan noch einige Hürden. Nutzt ein Kunde beispielsweise eine Standard-Bildverarbeitungsbibliothek und wechselt den Kamerahersteller, werden einige Funktionalitäten nicht mehr unterstützt. Das erfordert erneuten Programmieraufwand – trotz Standard. Außerdem scheuen viele Kunden, die keine Standardbibliothek nutzen, den Aufwand, Genicam in ihr bereits existierendes System einzubinden. Fazit: Genicam ist ein vielversprechender Ansatz, dessen positive Eigenschaften derzeit noch nicht umfassend entwickelt sind.

Um dem Kunden größtmögliche Flexibilität zu bieten, hat IDS eine eigene Lösung entwickelt und liefert mit den Kameras ein über viele Jahre entwickeltes, leistungsfähiges Softwarepaket aus, das auf dem Software Devel­opment Kit der IDS-Framegrabber basiert. Mit nur einem Treiber und einer Programmierschnittstelle (API) können Kameras über GigE, USB 2.0 und USB 3.0 eingebunden und insbesondere auch im Mischbetrieb angewendet werden. Somit ist ein Wechsel zwischen Schnittstellen garantiert, ohne eine einzige Zeile Programmcode zu ändern.

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