Embedded HMI

Stefan Kuppinger,

Visualisieren nach dem Reinheitsgebot

Viel zu oft wird in der Automation das Rad neu erfunden – wenn auch als Spezialvariante. Klaus-Dieter Walter von der Firma SSV nennt hier Web-Visualisierungen als typisches Beispiel. Dabei sind Webbrowser auch ohne Zusätze wie Flash, AxtiveX oder Silverlight ein leistungsfähiges HMI-Werkzeug. Den Beweis tritt er auf der SPS/IPC/Drives in Nürnberg an.

Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer SSV: „Praktisch jede Visualisierung lässt sich heutzutage auf Grundlage allgemein anerkannter Standards wie HTML, CSS und JavaScript realisieren. Es besteht keine Notwendigkeit, firmenspezifische Technologien wie Flash und Silverlight einzusetzen.“

Eine HMI-Software moderner Maschinen muss mehrere, völlig verschiedene Bedienoberflächen gleichzeitig bedienen. Neben der lokalen Benutzerschnittstelle auf dem Bedienpanel, gibt es oft einen Fernwartungszugang für PC-Browser und zusätzlich noch ein Web-Portal. „Neuerdings kommt eine Smartphone-Schnittstelle für die iPhone-App hinzu“, weiß Klaus-Dieter Walter Geschäftsführer der Firma SSV aus Kundenanfragen und skizziert das Problem: „Sämtliche HMI-Schnittstellen werden gegenwärtig mithilfe unterschiedlicher Technologien implementiert“.

Abhilfe schafft aus seiner Sicht die Besinnung auf die Web-Standards HTML, CSS (Cascading Style Sheet) und JavaScript. „Durch den Verzicht auf jegliche herstellerspezifischen Erweiterungen wie Java, Flash und Silverlight wird eine HMI-Anwendung komplett unabhängig vom Betriebssystem und dem verwendeten Endgerät“, zeigt Walter die Vorteile einer „reinen“ Web-Visualisierung auf. Um die Entwicklung standardkonformer webbasierter HMI-Schnittstellen zu vereinfachen, liefert die Firma SSV ihre Baugruppen künftig mit einem WebUI-Framework für die Entwicklung der verschiedenen HMI-Schnittstellen aus.

Bei der Touchscreen-basierten Bedieneinheit EUI/57V sind gleichzeitig ein Webserver (HTTP-Server) und spezielle Webbrowser für die Bedienung vor Ort aktiv. Über den HTTP-Server wird dieser interne Browser wie auch die Webbrowser der externen PCs oder iPhones bedient. Die Anpassung an die unterschiedlichen Bildschirmformate erfolgt über CSS-Dateien. Die so genannte Field-Data-Engine (FDE) verbindet die einzelnen Datenpunkte in der Feldebene mit dem Web-HMI und erzeugt ein Speicherabbild der relevanten Prozessvariablen. „Das WebUI sorgt für erhebliche Kosteneinsparungen bei der Entwicklung und Pflege von HMI-Lösungen“, ist Walter überzeugt.

Ursächlich dafür ist in erster Linie der Ansatz, auf Basis einer Technologie mehrere, vollständig unterschiedliche Benutzerschnittstellen zu realisieren. Im Zusammenhang mit dem iPhone-Einsatz bietet das WebUI-Framework weitere Vorteile: Beispielsweise kann auf die Entwicklung einer speziellen iPhone-App in der Apple-spezifischen Programmiersprache verzichtet werden. Ebenso entfällt der AppStore-Submisson-Prozess. Dazu Walter: „Man ist nicht mehr von der Gnade des App-Store-Verwalters abhängig, ob und wann die App veröffentlicht wird.“

Darüber hinaus funktioniert die Smartphone-Schnittstelle auch mit anderen Geräten. „Schließlich unterstützen praktisch alle Smartphone-Browser die Web-Standards“, betont Walter.

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